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DIRK CornerAus der versuchten Übernahme der AIXTRON SE durch die chinesische Grand Chip Investment können Investor-Relations-Manager viel lernen. Ein Drama in drei Akten. Von Guido Pickert

Über Monate verfolgte die Öffentlichkeit im vergangenen Jahr die geplante Übernahme des Spezialmaschinenbauers AIXTRON aus dem rheinischen Herzogenrath durch eine chinesische Investorengemeinschaft. Anfang Dezember war es dann vorbei: Der damalige US-Präsident Barack Obama untersagte der Grand Chip Investment (GCI) den Erwerb des US-Geschäfts von AIXTRON. Die Kaufaspiranten zogen ihr Angebot daraufhin vollständig zurück. Was in der Zeit zwischen dem 23. Mai und dem 8. Dezember 2016 geschah, glich einem Wirtschaftskrimi mit dramatischem „Showdown“. Soweit die sichtbare Seite der Geschichte.

Die Analyse der Geschehnisse aus Investor-Relations-Perspektive offenbart noch eine andere, weniger

Guido Pickert, AIXTRON
Guido Pickert, AIXTRON

sichtbare Seite: Trotz aller Verstrickungen und öffentlichen Diskussionen gelang es AIXTRON, das Vertrauen der meisten Investoren zu erhalten. Dieser Erfolg fußt auf akribischer IR-Arbeit, wie ein Rückblick zeigt. Also noch einmal von vorn:

Akt 1: Auftritt Investor

Am 23. Mai 2016 gibt AIXTRON bekannt, dass die GCI plant, die AIXTRON SE, inklusive ihres US-Geschäfts, zu übernehmen. Nichts deutet zu diesem Zeitpunkt darauf hin, dass es bei Annahme des Angebots ernsthafte Probleme geben könnte. Die IR- und Kommunikationsarbeit bei AIXTRON konzentriert sich daher zunächst darauf, die üblichen Materialien und Informationen für die Aktionäre und andere Stakeholder aufzubereiten.

Die Reaktionen auf die Ankündigung fallen dann allerdings kritisch aus: Während die Aktie, die sich zuvor um 4,50 EUR bewegte, direkt auf 5,56 EUR sprang, ist das mediale Echo heftig. Bei der Hauptversammlung am 25. Mai fangen Journalisten skeptische Stimmen von Privataktionären ein, Schlagzeilen wie „Aktionäre wettern gegen Übernahme“ bestimmen die Tagespresse. Auch Verschwörungstheorien, die CGI als Strohmann des chinesischen Staates oder des AIXTRON-Kunden San’an sehen, werden laut.

Die aufgeheizte Stimmung erschwert die IR-Arbeit, das „IR-Kit“ für die Aktionäre wird kontinuierlich angepasst. Spätestens nachdem sich Aufsichtsrat und Vorstand am 11. August für die Übernahme aussprechen, fokussieren die IR-Mitarbeiter dann alle Kraft auf die umfassende Information der Aktionäre. Privataktionäre werden über persönliche Anschreiben und eine – von AIXTRON unterstützte – Anzeigenkampagne der Bieterin angesprochen. Bei den institutionellen Investoren stehen unzählige Telefonate und persönliche Gespräche im In- und Ausland auf dem Programm. Daneben gilt es Arbitrage-Investoren zu bedienen, die auf die Kursdifferenz nach erfolgter Übernahme spekulieren. Die Ankündigung von CGI, die Mindestquote der Zustimmung durch die Aktionäre auf 50,1% zu senken, unterstützt den Prozess. Das Ziel scheint trotz aller Hürden in Reichweite – bis die Politik das Feld betritt.

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