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Seit dem Jahr 1975 bietet der Saatguthersteller KWS Saat seinen Mitarbeitern bereits Belegschaftsaktien zum Kauf an. Vor dem Hintergrund des haussierenden Aktienkurses und steigender Erträge erwies sich ein Investment bislang als überaus renditestark. Wir sprachen mit Finanzvorstand Eva Kienle über die Konditionen und die Idee hinter dieser Form der Mitarbeiterbeteiligung.

 

GoingPublic: Frau Kienle, KWS gehört nicht nur zu den ältesten Aktiengesellschaften Deutschlands, Sie geben auch schon seit Mitte der 1970er Jahre Belegschaftsaktien heraus. Betrachten Sie sich als Vorreiter auf dem Gebiet der Mitarbeiterbeteiligung?

Kienle: Als Vorreiter würde ich uns nicht ansehen, da es auch schon damals in Deutschland Eva Kienleandere Unternehmen gab, die ihren Mitarbeitern ähnliche Angebote unterbreiteten. Was stimmt, ist aber, dass wir diesen Ansatz der Mitarbeiterbeteiligung schon recht lange verfolgen. 2010 wurde das Programm dann noch einmal grundlegend überarbeitet und an die neuen Gegebenheiten sowie an unsere inzwischen deutlich internationalere Ausrichtung angepasst. Auf dem Level der meisten DAX-Konzerne ist eine solche Form der Mitarbeiterbeteiligung heute längst Standard, im SDAX eher noch die Ausnahme.

 

GoingPublic: Was können Sie uns über die Ausgestaltung des Programms berichten?

Kienle: Einmal im Jahr nach Vorlage des Jahresabschlusses können unsere Mitarbeiter Belegschaftsaktien erwerben. Seit dem Jahr 2010 richtet sich dieses Angebot auch an unsere Angestellten in den EU28-Tochtergesellschaften. Dabei gewähren wir einen Abschlag von 20% auf den relevanten Börsenpreis. Das Angebot geht mit der Verpflichtung einher, die erworbenen Anteile mindestens vier Jahre zu halten. Im Gegenzug übernehmen wir die Gebühren für die Abwicklung der Transaktion und die Kosten der Depotführung.

 

GoingPublic: Wie fiel die Resonanz in den letzten Beteiligungsrunden aus?

Kienle: Wenngleich die Gesamtquote von Jahr zu Jahr etwas variiert, so hat sich diese über die Zeit im Bereich von 40% bei unseren inländischen Hauptgesellschaften eingependelt. Damit können wir sicher zufrieden sein. Dass andere Unternehmen mitunter Beteiligungsquoten von bis zu 80% erreichen, hängt natürlich auch mit anderen Konditionen zusammen. So sind die Programme nur bedingt miteinander vergleichbar. Anders als mancher DAX-Konzern geben wir beispielsweise keine Bonusaktien heraus. Schon das mag die bei uns etwas niedrigere Quote erklären.

 

GoingPublic: Welche Motivation liegt dem Angebot zugrunde?

Kienle: Als Familienunternehmen, das seine Wurzeln in der Landwirtschaft hat, steht bei uns nicht der rein finanzielle Aspekt, sondern auch ein emotionaler Aspekt im Vordergrund: Wir möchten unseren Mitarbeitern eine Möglichkeit einräumen, sich an „ihrem“ Unternehmen bevorzugt zu beteiligen. Wir müssen bei KWS ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm indes keinesfalls vorrangig zum Zwecke der Mitarbeiterbindung oder Steigerung der Loyalität einsetzen. Mit einer Betriebszugehörigkeit von im Durchschnitt rund 14 Jahren ist diese bei uns ohnehin sehr hoch. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die in der Theorie gewünschten Effekte aus einer Mitarbeiterbeteiligung am Ende tatsächlich messbar sind.

 

GoingPublic: Gibt es Vorschläge aus den Reihen der Belegschaft, das Angebot zu verändern oder um weitere Komponenten zu ergänzen?

Kienle: Wir merken, dass wir noch mehr tun können, um die Vorteile des Mitarbeiterbeteiligungsprogramms herauszustellen und das Angebot klarer zu kommunizieren. Das trifft insbesondere auf die Situation bei unseren ausländischen Töchtern zu. Dann hören wir gelegentlich, dass Mitarbeiter gerne nur alle zwei oder drei Jahre Belegschaftsaktien beziehen würden, dann aber vielleicht in einem größeren Volumen.

 

GoingPublic: Kommen wir auf Ihr operatives Geschäft zu sprechen: Mit welchen Erwartungen sind Sie in diesem Jahr in die Verkaufssaison gestartet?

Kienle: Aufgrund des Anbauzyklus in der Landwirtschaft erzielen wir immer erst in der zweiten Jahreshälfte den Großteil unserer Umsätze. In unserem Segment Getreide liegt der Halbjahresumsatz wie erwartet unter den Vorjahreswerten. Diese Entwicklung erklärt sich durch den Umsatzrückgang im Hybridroggen, dessen herausragende Entwicklung in den Vorjahren einer untypischen Preissituation im Getreidemarkt geschuldet war. Bei Mais und Zuckerrüben fällt unser Hauptgeschäft in das Frühjahr und somit in unser drittes Quartal. Angesichts der derzeitigen  Bedingungen bewegen wir uns hier ebenfalls innerhalb der Erwartungen. Diese sahen für das Geschäftsjahr Konzernerlöse von 1,2 Mrd. EUR sowie ein leicht rückläufiges Betriebsergebnis vor.

 

GoingPublic: Welche Trends beeinflussen den weltweiten Saatgutmarkt?

Kienle: Die Grundgleichung ist recht einfach: Wachsende Weltbevölkerung = wachsender Bedarf an Grundnahrungsmitteln. An diese werden zudem immer höhere Ansprüche in Bezug auf Qualität und Nährwerte gestellt. Bei gleichzeitig rückläufigen globalen Anbauflächen muss daher die Produktivität auf den vorhandenen Flächen zwingend steigen. Daraus resultiert ein Bedarf an stetig verbessertem Saatgut, das sowohl höhere Erträge sichert, als auch zunehmend veränderten Umweltbedingungen standhält. Dies lässt sich durch langfristig erfolgreiche Züchtungen erreichen, die dabei helfen, den Ertragsausfall zu reduzieren.

 

GoingPublic: Frau Kienle, wir bedanken uns vielmals für das aufschlussreiche Gespräch!

 

Das Interview führte Marcus Wessel.

 

Vorabveröffentlichung aus dem GoingPublic Magazin 05/2014

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