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Für viele Unternehmen ist der Gang an die Börse ein zentraler Meilenstein ihrer Unternehmensentwicklung. Neben dem Zugang zu Eigenkapital spielt insbesondere die Sichtbarkeit bei Investoren eine entscheidende Rolle. Eine aktive und kontinuierliche Kapitalmarktkommunikation ist dabei wesentlich, um die eigene Equity Story zu vermitteln und neue Investorenkreise zu erschließen. Von Prof. Dr. Dirk Schiereck und Bruno Fiesenig
Der Artikel zur Studie ist auch in GoingPublic 2/26 erschienen!

Kapitalmarktkonferenzen bieten hierfür eine etablierte Plattform: Sie bündeln Marktteilnehmer an einem Ort und ermöglichen einen effizienten Austausch zwischen Unternehmen und Investoren. Vor diesem Hintergrund kommt Konferenzen wie dem Deutschen Eigenkapitalforum (EKF) eine besondere Bedeutung zu. Ziel ist es, Emittenten eine neutrale Bühne zu bieten, auf der sie sich einem breiten, internationalen Investorenpublikum präsentieren und sowohl formelle Präsentationen als auch vertrauliche Einzelgespräche führen können. Bislang lagen allerdings nur wenige empirische Erkenntnisse darüber vor, wie stark sich diese erhöhte Sichtbarkeit tatsächlich in messbaren Kapitalmarkteffekten niederschlägt. Genau hier setzt eine aktuelle Studie der Technischen Universität Darmstadt an, die die Kapitalmarktreaktionen im Nachgang zum Deutschen Eigenkapitalforum 2025 untersucht.
Das EKF als Ort für Austausch, Transparenz und Vertrauen
Zur Investorenansprache stehen Emittenten grundsätzlich verschiedene Formate zur Verfügung – von Roadshows über bankorganisierte Konferenzen bis hin zu großen, etablierten Kapitalmarkttreffen internationaler Häuser. Allen Formaten gemeinsam ist das Ziel, Investoren effizient und zielgerichtet zu erreichen. Besonders wirkungsvoll sind dabei Veranstaltungen, die Emittenten und Investoren in hoher Dichte zusammenbringen und dadurch einen gebündelten, effizienten Austausch ermöglichen.
Genau hier setzt das Deutsche Eigenkapitalforum (EKF) an. Es hat sich über die vergangenen drei Jahrzehnte zu einer der größten brokerunabhängigen Kapitalmarktkonferenzen Europas entwickelt. Die jährlich in Frankfurt stattfindende Veranstaltung bringt börsennotierte Unternehmen, Pre-IPO-Gesellschaften, institutionelle Investoren, Analysten und Family Offices zusammen und wird zudem vor Ort von über 60 Finanzjournalisten medial begleitet. Im Jahr 2025 präsentierten sich 252 Unternehmen aus 18 Ländern, darunter 15 DAX- und 28 MDAX-notierte Unternehmen. Ergänzend zu klassischen Präsentationsslots bietet das EKF umfangreiche Möglichkeiten zu Einzel- und Gruppengesprächen (One-on-One-Meetings), die den vertraulichen Austausch zwischen Unternehmen und Investoren ermöglichen.
Die große und heterogene Teilnehmerstruktur macht das EKF zu einem zentralen Treffpunkt des europäischen Kapitalmarkts. Entsprechend stellt sich die Frage, ob sich diese hohe Aufmerksamkeit auch quantitativ in den Aktienkursen und im Handelsverhalten widerspiegelt.
Ausgangslage der teilnehmenden Emittenten
Um den Effekt der EKF‑Teilnahme zu analysieren, wurde eine Ereignisstudie durchgeführt, die das gesamte Forum 2025 als Ereignistag (t = 0) definiert. Untersucht wurden die risiko‑ und marktbereinigten Kursbewegungen der präsentierenden Unternehmen rund um das Forum. Da ein Teil der Emittenten ausschließlich im Frankfurter Parketthandel notiert ist, wurde ergänzend eine zweite Stichprobe mit kleineren Unternehmen gebildet.
Ein Blick auf die Aktienperformance im Vorfeld des Forums offenbart, dass die teilnehmenden Unternehmen im Durchschnitt bereits vor dem EKF eine überdurchschnittlich positive Entwicklung aufwiesen und den Gesamtmarkt klar übertreffen konnten. Gleichzeitig ließ sich in den Wochen unmittelbar vor dem Forum eine gewisse Zurückhaltung der Investoren beobachten. Dies deutet darauf hin, dass das EKF für viele Investoren eine wichtige Gelegenheit darstellt, auf Basis aktualisierter Informationen und direkten Managementkontakts Einschätzungen zu überprüfen und zu präzisieren.
Sichtbarkeit in harten Zahlen

Auffällig ist dabei die zeitliche Struktur der Kursreaktion: Die Outperformance setzt nicht
Gestiegene Liquidität als ergänzender Sichtbarkeitsindikator
Begleitet wird diese positive Kursentwicklung von einem Anstieg der Handelsvolumina. Dieser Effekt zeigt sich leicht verzögert; er wird etwa eine Woche nach dem EKF sichtbar. Gerade kleinere Emittenten profitieren hier überproportional von einer nachhaltig erhöhten Handelsaktivität. Die Kombination aus Kurs- und Volumeneffekten unterstreicht, dass das EKF nicht nur kurzfristige Aufmerksamkeit erzeugt, sondern wesentlich dazu beitragen kann, Sichtbarkeitslücken am Kapitalmarkt zu schließen.
Die besondere Rolle des EKF als zentrale Plattform für Dialog unterstreicht auch Jacqueline Jankang, die das Deutsche Eigenkapitalforum bei der Deutschen Börse verantwortet: „Das Deutsche Eigenkapitalforum steht heute wie kaum eine andere Konferenz für Qualität und Relevanz im europäischen Kapitalmarkt. Was vor 30 Jahren mit kleinen und mittelgroßen Emittenten sowie nicht-gelisteten Unternehmen begann, zieht inzwischen zunehmend auch DAX‑ und MDAX‑Unternehmen an – ein starkes Signal für die Bedeutung des EKF als Plattform für den direkten Austausch zwischen Unternehmen und Investoren.“
Fazit
Das Deutsche Eigenkapitalforum bringt eine außergewöhnliche Vielfalt des Kapitalmarkts an einem Ort zusammen. Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass Investoren die dort vermittelten Informationen aktiv verarbeiten und Unternehmen im Anschluss nachhaltig höher bewerten. Präsentationen, Einzelgespräche und der direkte Austausch mit dem Management tragen messbar zur erhöhten Wahrnehmung der teilnehmenden Emittenten bei – insbesondere für Unternehmen, die außerhalb der großen Leitindizes notiert sind. Damit bestätigt die Analyse eindrucksvoll: Kapitalmarktkonferenzen wie das EKF leisten einen substanziellen Beitrag zur Sichtbarkeit von Unternehmen und unterstützen Emittenten wirkungsvoll dabei, ihre Equity Story im Markt zu verankern und Vertrauen bei Investoren aufzubauen.




