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Der Mittelstand steht vor der Aufgabe, Transformation nicht nur zu finanzieren, sondern aktiv zu gestalten. Auf der 20. Private Equity-Konferenz NRW auf den Düsseldorfer Rheinterrassen diskutierten mehr als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, welche Rolle Innovation, Beteiligungskapital, Know-how und Zukunftspartnerschaften spielen, um Unternehmen im Spannungsfeld aus Unsicherheit, Disruption und technologischem Wandel zukunftsfähig zu machen. Von Eva Rathgeber

Foto: © André Lössel

Die 20. Private Equity-Konferenz NRW stand unter einem Leitmotiv, das sich durch nahezu Die 20. Private Equity-Konferenz NRW stand unter einem Leitmotiv, das sich durch nahezualle Vorträge und Diskussionen zog: Transformation gelingt nicht allein. Wer in einem zunehmend komplexen Umfeld bestehen will, braucht Kapital, Technologien, Netzwerke und verlässliche Partner. Genau dafür brachte die Konferenz Investoren, Unternehmer, Wissenschaft, Politik und Start-ups zusammen. Veranstaltet wurde sie von der NRW.BANK mit Unterstützung des Bundesverbands Beteiligungskapital (BVK), des Private Equity Forum NRW e.V. sowie zahlreicher Partner.

Transformation braucht mehr als Finanzierung

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Moderatorin Maike Neitz führte durch den Tag und formulierte früh die zentrale Herausforderung: Unternehmen müssen gleichzeitig effizienter, digitaler, resilienter und innovativer werden, und das unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dabei sei Transformation längst keine isolierte Managementaufgabe mehr. Vielmehr gehe es darum, unterschiedliche Akteure zusammenzubringen und Veränderung gemeinsam zu organisieren. Entsprechend würdigte Neitz die Rolle der NRW.BANK als Plattform und Vernetzerin innerhalb des Beteiligungs- und Innovationsökosystems.

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Staatssekretär Paul Höller aus dem nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium knüpfte daran an. Er beschrieb die aktuelle Lage als Phase tiefgreifender Veränderungen: geopolitische Unsicherheiten, technologischer Wandel und wachsender globaler Wettbewerb träfen insbesondere den Mittelstand. Für Unternehmen übersetze sich Transformation heute in sehr konkrete Investitionen: Digitalisierung, KI-Anwendungen, Automatisierung, neue Produktionsprozesse, widerstandsfähigere Lieferketten und neue Geschäftsmodelle. Viele dieser Vorhaben seien kapitalintensiv und könnten nicht allein aus dem operativen Geschäft gestemmt werden. Beteiligungskapital sei deshalb weit mehr als Finanzierung. Es eröffne Zugang zu Erfahrung, Netzwerken und zusätzlicher Umsetzungskraft. Gleichzeitig bekannte sich Höller dazu, dass Politik ebenfalls liefern müsse – etwa durch weniger Bürokratie, bessere Infrastruktur und schnellere Digitalisierung.

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Gabriela Pantring, die seit Februar 2026 Vorstandsvorsitzende der NRW.BANK ist und dem vierköpfigen Vorstand bereits seit 2016 angehört, rückte drei Themen in den Mittelpunkt: Innovation, Resilienz und europäische Stärke. Gerade unter geopolitischen Unsicherheiten bleibe Transformation entscheidend, sagte sie. Nordrhein-Westfalen befinde sich mitten im Wandel hin zu klimaneutraler Industrie, mehr Ressourceneffizienz, Digitalisierung und KI. Damit daraus Wachstum entstehen könne, brauche es den engen Austausch zwischen Mittelstand, Start-ups, Investoren und Finanzierungspartnern. Eigenkapital und Beteiligungskapital seien dabei wichtige Hebel, um Innovationen schneller in die Umsetzung zu bringen und Unternehmen widerstandsfähiger aufzustellen.

Von der Wachstumskrise zur produktiven Erneuerung

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In seiner Keynote „Risiko. Kapital. Kultur – von der strukturellen Disruption zur produktiven Erneuerung“ stellte Prof. Dr. Henning Vöpel Deutschland eine klare Diagnose: Das Land befinde sich nicht in einer vorübergehenden Konjunkturschwäche, sondern in einer strukturellen Wachstumskrise. Produktivität und Innovationskraft gerieten zunehmend unter Druck, während notwendige Reformen immer häufiger an gesellschaftlichen und institutionellen Beharrungskräften scheiterten. Vöpel warnte zugleich davor, Disruption ausschließlich als Bedrohung zu verstehen. Sein Gegenentwurf lautete „produktive Erneuerung“. Wachstum entstehe dort, wo Unternehmen bereit seien, Risiken einzugehen, neue Technologien zu integrieren und kulturelle Offenheit zu entwickeln. Seine Kernbotschaft: Nicht die Geschwindigkeit des Wandels sei das Problem, sondern die Geschwindigkeit, mit der Organisationen lernen, sich anzupassen.

Beteiligungskapital als Hebel für Innovation und Wachstum

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Die erste Diskussionsrunde griff diese Gedanken unmittelbar auf. Unter dem Titel „Mit Beteiligungskapital Zukunft schaffen – Innovationen fördern – Digitalisierung gestalten“ diskutierten Marcell Faller (sonoro), Ulrike Hinrichs (BVK), Claudia Köppe (NRW.BANK) und Henning Vöpel darüber, welche Rolle Eigenkapital künftig im Mittelstand spielen kann. Ein zentrales Thema war die veränderte Funktion von Beteiligungskapital. Kapital werde heute zunehmend als Entwicklungs- und Transformationsinstrument verstanden – nicht mehr nur zur Finanzierung einzelner Schritte, sondern zur Begleitung größerer Veränderungsprozesse. Claudia Köppe machte deutlich, dass Kapital allein keine Transformation auslöse. Entscheidend sei die Verbindung aus Finanzierung, Know-how, Netzwerk und langfristiger Perspektive. Ulrike Hinrichs richtete den Blick auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und verband dies mit einem Appell an die Politik. Sie machte deutlich, dass es nicht reiche, „alleine gegen die Steuern“ zu schimpfen; vielmehr müssten die Anliegen der Branche dort adressiert werden, wo politische Entscheidungen getroffen werden. Im Kern ging es ihr um wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen, weniger Belastung und mehr Gehör für Beteiligungskapital als Transformationsinstrument. Marcell Faller brachte die Perspektive des Unternehmers ein und machte deutlich, dass Innovationsfähigkeit heute nicht nur eine Frage des Kapitals sei, sondern ebenso von Geschwindigkeit, Umsetzungsstärke und Offenheit für neue Wege abhänge. Der gemeinsame Nenner des Panels: Beteiligungskapital kann Transformation beschleunigen, ersetzen kann es unternehmerische Entscheidungen jedoch nicht.

Beirat oder Berater: Wer hilft wirklich in der Transformation?

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Besonders praxisnah wurde es in der zweiten Diskussionsrunde „Wege für eine erfolgreiche Transformation: Beiräte oder Berater als Sparringspartner?“. Andreas Krämer (Deutsche Beteiligungs AG), Lutz Lohmann (VTI Ventil-Technik), Maren Lorth (Mi[de]) und Malte Pollmann (PINOVA Capital) diskutierten darüber, wann externe Unterstützung tatsächlich Mehrwert schafft. Der Tenor war eindeutig: Berater seien sinnvoll für klar umrissene Projekte. Beiräte hingegen hätten ihre Stärke dort, wo langfristige Entwicklung, Strategie und kritische Begleitung gefragt seien. Mehrfach wurde betont, dass ein wirksamer Beirat keine „Family-and-Friends-Veranstaltung“ sei. Unternehmen bräuchten bewusst externe Perspektiven und Menschen, die unangenehme Fragen stellten. Ein weiterer Diskussionspunkt war die Zusammensetzung solcher Gremien. Branchenwissen sei wichtig, aber nicht ausreichend. Gerade Disruption entstehe häufig außerhalb der eigenen Branche. Gleichzeitig machten die Diskutierenden deutlich, dass Governance nicht mit Bürokratie verwechselt werden dürfe. Gute Governance könne Entscheidungen beschleunigen und Managementteams stärken.

Zukunft gestalten statt Zukunft fürchten

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Nach dem ersten Euregional Start-up Pitch verlagerte sich der Blick konsequent nach vorne. Prof. Dr. Pero Micic stellte in seiner Keynote „Bright Future Business – So machen Sie Ihr Unternehmen zukunftssicherer“ weniger die Frage nach den Risiken als nach den Voraussetzungen für Zukunftsfähigkeit. Sein zentraler Gedanke: Unternehmen müssten lernen, Zukunft wieder aktiv zu gestalten, statt sich ausschließlich an Krisen und Unsicherheiten abzuarbeiten. Führung, so Micic, funktioniere langfristig nicht über Angst oder Verzicht, sondern über attraktive Zukunftsbilder. Diese Haltung fasste er mit dem Begriff „Zukunftsfreude“ zusammen. Mitarbeitende wie Führungskräfte müssten erkennen können, warum sich Veränderung lohnt. Dabei stellte er bewusst die Frage nach Haltung und Führungskultur: Unternehmen, die nur auf bessere politische Rahmenbedingungen warteten, würden kaum schneller werden. Entscheidend sei die Bereitschaft, innerhalb des eigenen Einflussbereichs aktiv zu handeln und Zukunft als unternehmerische Aufgabe zu verstehen.

Wenn Start-ups und Corporates gemeinsam Innovation schaffen

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Dass Zukunft nicht allein im eigenen Unternehmen entsteht, zeigte die dritte Diskussionsrunde unter dem Titel „Innovation durch Kooperation – Start-ups meet Corporates“. Unter Moderation und mit Impulsen von Prof. Dr. Dirk Honold diskutierten Maria Beck (European Digital Innovation Hub Dortmund), Marcel Roesner (Archimedes New Ventures), Jürgen Ridder (DE-VAU-GE Gesundkostwerk) und Reinhard Vanhöfen (OMMM Operation Management Solutions) darüber, wie Innovationspartnerschaften praktisch funktionieren können. Dabei wurde deutlich, dass sich das Verhältnis zwischen Mittelstand und Start-ups verändert hat. Ging es früher häufig um einzelne Pilotprojekte oder Technologie-Scouting, stehen heute zunehmend konkrete Geschäftsmodelle, Skalierung und gemeinsame Wertschöpfung im Mittelpunkt. Maria Beck betonte die Bedeutung regionaler Innovationsökosysteme und niedrigschwelliger Zugänge zu neuen Technologien. Unternehmen müssten nicht alles selbst entwickeln. Entscheidend sei die Fähigkeit, externe Lösungen sinnvoll zu integrieren. Marcel Roesner beschrieb Kooperationen als Möglichkeit, Innovationszyklen zu verkürzen und neue Ideen schneller marktfähig zu machen. Jürgen Ridder brachte die Perspektive eines etablierten Unternehmens ein und machte deutlich, dass erfolgreiche Kooperationen klare Erwartungen und belastbare Umsetzungsstrukturen benötigen. Reinhard Vanhöfen verwies darauf, dass erfolgreiche Innovation selten zufällig entsteht, sondern organisiert werden muss. Der gemeinsame Nenner des Panels: Mittelstand und Start-ups stehen nicht in Konkurrenz. Dort, wo beide Seiten ihre jeweiligen Stärken einbringen, entstehen neue Produkte, schnellere Entwicklungszyklen und zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten.

Zukunftspartnerschaften als Modell für den Mittelstand

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Zum Abschluss des Konferenzprogramms spannte Prof. Dr. Dr. Dr. Roland Benedikter den Bogen vom einzelnen Projekt hin zum größeren Bild. In seiner Keynote „Zukunfts-Partnerschaften: Mehrwert für den Mittelstand“ stellte er die Frage, wie Unternehmen auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen handlungsfähig bleiben. Seine Antwort fiel klar aus: Unternehmen müssen künftig stärker in Partnerschaften und Ökosystemen denken. Besonders konkret wurde Benedikter bei der Frage nach der Finanzierung von Transformation. Für Innovations- und Veränderungsprojekte beschrieb er eine typische Struktur mit rund 40 % Finanzierung durch das Unternehmen selbst, weiteren 40 % über Beteiligungskapital beziehungsweise Förderinstrumente und etwa 20 % durch den Innovationspartner oder das Start-up. Seine Botschaft: Zukunftspartnerschaften seien keine Übernahmemodelle, sondern Kooperationen auf Augenhöhe. Sie sollten Risiken verteilen, externe Kompetenzen einbinden und Innovationssprünge ermöglichen. Gewinner, so Benedikter, bauten Ökosysteme statt Insellösungen.

Junge Ideen auf die Bühne

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Einen besonderen Akzent setzten die beiden Euregional Start-up Pitches, die junge Unternehmen und ihre Konzepte sichtbar machten. Am Ende setzte sich die co-reactive GmbH durch. Natascha Grosser, Vorsitzende des Private Equity Forum NRW e.V., überreichte den Publikumspreis und ein Preisgeld in Höhe von 3.000 EUR. Dabei hob sie die Bedeutung des Netzwerkgedankens hervor und würdigte zugleich die langjährige Zusammenarbeit rund um die Konferenz. Die Preisverleihung zeigte noch einmal sehr konkret, worum es an diesem Tag immer wieder ging: Innovation nicht nur zu diskutieren, sondern aktiv zu fördern.

20 Jahre Konferenz, 15 Jahre Engagement

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Emotional wurde es anschließend beim Jubiläumsteil des Abends. Johanna Antonie Tjaden-Schulte, Mitglied des Vorstands der NRW.BANK, richtete den Blick auf die Menschen hinter dem Ökosystem Beteiligungskapital und würdigte die Kontinuität, die hinter dem Erfolg der Konferenz steht. Besonders hervorgehoben wurden Ulrike Hinrichs, die seit 15 Jahren den BVK prägt und die Konferenz über viele Jahre begleitet hat, sowie Christoph Büth und sein Team, die die Eigenkapitalaktivitäten der NRW.BANK und den Aufbau des Netzwerks maßgeblich mitgestaltet haben. Die Würdigung machte deutlich: Erfolgreiche Finanzierungssysteme entstehen nicht allein durch Programme oder Produkte, sondern durch Menschen, die über Jahre Vertrauen aufbauen und Akteure zusammenbringen.

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Mit dem anschließenden Get-together fand die Jubiläumsausgabe ihren passenden Ausklang. Als die Sonne langsam über dem Rhein unterging und sich die Gespräche von den Sälen auf die Terrassen verlagerten, wurde spürbar, dass die Private Equity-Konferenz NRW seit zwei Jahrzehnten weit mehr ist als ein Branchentreffen: ein Ort für Austausch, neue Kontakte und konkrete Kooperationen.

Fazit: Was der Mittelstand mitnehmen kann

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Die 20. Private Equity-Konferenz NRW hat gezeigt: Transformation ist keine Managementmode, sondern konkrete unternehmerische Arbeit. Für den Mittelstand geht es darum, Innovation systematischer zu organisieren, neue Technologien früher zu testen und externe Perspektiven gezielt einzubinden – über Beiräte, Start-ups, Kapitalpartner und Netzwerke. Beteiligungskapital wird dabei zunehmend zum Transformationsinstrument: Es kann Wachstum finanzieren, Kompetenzen ergänzen und Risiken verteilen. Entscheidend bleibt aber auch der Mut, Veränderungen anzustoßen, Kooperationen einzugehen und neue Wege zu gehen, ohne die eigene unternehmerische Identität aufzugeben.

Autor/Autorin

Eva Rathgeber
Redakteurin Unternehmeredition at 

Eva Rathgeber ist Chefredakteurin der Unternehmeredition und verfügt über langjährige Erfahrung in Journalismus, PR und Unternehmenskommunikation. Inhaltlich liegt ihr Fokus auf Mittelstand, Familienunternehmen, Finanzierung, Investitionen, Private Equity, M&A, Nachfolge, Digitalisierung und Innovation.