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Die deutsche Biotechnologiebranche befindet sich in einem Zustand der Stagnation: Während die Anzahl der Unternehmen mit 409 gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert geblieben ist, sank der Branchenumsatz um 7% auf 1.036 Mio. EUR im Jahr 2013. Ähnlich ist der Trend bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Die Investitionen in diesem Bereich sind 2013 um 6% auf 671 Mio. EUR zurückgegangen.Christoph Schöndube

Als Ursache für die geringe Wachstumsdynamik innerhalb der Branche wird die schwierige Finanzierungssituation gesehen. Zwar stieg die Finanzierungssumme deutscher Biotechnologieunternehmen im Jahr 2013 um 10% auf 325 Mio. EUR an, diese liegt aber nach wie vor deutlich unter dem Niveau von 500 Mio. EUR, die Bio tech unternehmen durchschnittlich in den Jahren vor der Finanzkrise akquirierten. Zudem begründet sich ein Groß teil des Zuwachses aus den großen Kapitalerhöhungen von 84 bzw. 30 Mio. EUR bei MorphoSys und Evotec.

Der Zufluss an Risikokapital ist um rund ein Viertel auf 164 Mio. EUR zurückgegangen. Insbesondere die private Finanzierung leidet an Unterkapitalisierung. Problematisch ist das Zusammenspiel verschiedener Finanzierungsinstrumente entlang der Wertschöpfungskette, das aufgrund einer mangelnden Risikobereitschaft von Investoren gestört ist. Das Kapitalmarktinteresse ist weiterhin gering. Die Folge sind mangelnde Möglichkeiten der Veräußerung von Biotechfirmen am Kapitalmarkt, so dass immer weniger Venture-Capital-Unternehmen bereit sind, die Unternehmen kontinuierlich bis zum Erreichen der Wachstumsphase zu finanzieren. Seit 2006 gab es keinen Börsengang eines deutschen Biotechunternehmens (börsennotierte Unternehmen 2013: 13).

Quelle: Independent Research; Bloomberg; Kurse vom 11.08.2014
Quelle: Independent Research; Bloomberg; Kurse vom 11.08.2014

Vorbild USA

Ganz anders stellt sich das Bild in den USA dar. Im gleichen Zeitraum haben 41 Branchenunternehmen den Schritt an die Börse unternommen. Die vergleichsweise hohe Anzahl an IPOs in den USA ist auf eine höhere Risikobereitschaft von Investoren zurückzuführen. Das zunehmende Interesse am Biotechnologiesektor in den letzten Jahren resultiert vor allem aus dem verstärkten Fokus von großen Pharmakonzernen auf Biotechnologieunternehmen. Viele Konzerne waren aufgrund der „Patentklippe“ gezwungen, vielversprechende Medikamentenkandidaten durch Übernahmen und Kooperationen zu erlangen. Darüber hinaus spielt das verbesserte regulatorische Umfeld in den USA eine wesentliche Rolle. Über 80% der IPOs im letzten Jahr nutzten das vereinfachte IPO-Verfahren des 2012 in Kraft getretenen JOBS (Jumpstart Our Business Startups) Act. 2013 haben US-Biotechfirmen Kapitalerhöhungen im Umfang von 11,56 Mrd. USD durchgeführt – der höchste Wert seit 2006. Die Branche verfügt über eine funktionierende Kapitalnahrungskette.

Die Folgen der Kapitalknappheit in Deutschland zeigen sich auch bei Betrachtung der Produktpipeline deutscher Biotechunternehmen. Die Anzahl neuer Wirkstoffe in Studien war leicht rückläufig. Insgesamt 91 biologisch aktive Substanzen befanden sich im vergangenen Jahr in einer der drei Phasen der klinischen Entwicklung (2012: 93; 2011: 109), ein leichtes Minus im Vergleich zum Vorjahr und ein deutlicher Rückgang gegenüber 2011. Der Grund hierfür ist vor allem ein Kostenproblem. Projekte in den Phasen II und III der klinischen Entwicklung erfordern hohe Investitionen. Kritisch bleibt der Übergang in die kostenintensiven Phasen vor allem für Firmen, die keine finanziellen Ressourcen über den Kapitalmarkt akquirieren können oder nicht zum Portfolio eines der langfristig orientierten Family Offices gehören.

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