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Ausgewählte Fonds und ETFs bieten mit ihrer Titelauswahl optimale Chancen, an den Wachstumsperspektiven in ihrer Breite mitzuverdienen. Von Stefan Riedel

 

Blutzuckermessgeräte, digitale Bildgebung bei chirurgischen Eingriffen, OP-Roboter, elektronische Patientenakte oder Dosierung von Arzneien – in der Medizintechnik sind Cloudlösungen, Big-Data-Analyse und das Internet der Dinge längst angekommen. Dank der digitalen Medizin lassen sich Patienten besser und kostensparender behandeln. Das gilt vor allem für die Behandlung von chronisch Kranken, auf die rund 80% aller Gesundheitskosten entfallen. Zugleich sehen wir einen Quantensprung bei der Präventivmedizin, weil sich über die auf künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen basierte Datenanalyse der graduelle Verlauf von Krankheitssymptomen von „noch gesund“ zu „krank“ präzise darstellen lässt.

Blue Chips und Nischenplayer

Die Medizintechnik eignet sich damit nicht nur als konjunkturresistenter Defensivbaustein für Anlegerdepots, sondern verbindet den Charme von stabilen Geschäftsmodellen mit Wachstumspotenzial in unterschiedlichsten digitalen Technologien. Produkte, die einen hohen medizinischen Bedarf nach besserer und effizienter Behandlung decken, können den aktuell steigenden Inflationsdruck über die Preissetzung am besten kompen­sieren.

Abb. 1: Top funded digital health categories worldwide in 2020 (in million USD).

Im Bereich Digital Health sind die Telemedizin und die Datenanalyse auch die in puncto Volumina mit Abstand größten Segmente, in die Investitionen vonseiten der Finanzmärkte fließen (siehe Abb. 1). Die Telemedizin ist hier der Bereich, dem die Coronapandemie mit ihren Ausgangsbeschränkungen weltweit zum großen Durchbruch verholfen hat.

Digital Health zählt auf absehbare Zeit zu den wachstumsstärksten Segmenten im Gesundheitssektor und sollte deshalb in jedem breit diversifizierten Portfolio vertreten sein. Bei den großen Medtechkonzernen spielen digitale Anwendungen auf der Umsatzseite eine wachsende Rolle. Darüber hinaus haben Weltkonzerne wie Google, Microsoft oder Apple die digitale Gesundheit entdeckt – aktuell noch in Form von Nischenmärkten, aber mit wachsender Bedeutung, wie die steigenden Investitionen und die Zukäufe untermauern.

Das größte Wachstumspotenzial haben jedoch die zahlreichen Small- und Mid Caps. Im Zuge des Abverkaufs von Technologietiteln während der letzten Monate sind diese Firmen in ihrer Aktienbewertung deutlich zurückgekommen – was sie für übernahmewillige Interessenten noch attraktiver macht. Bei der Akquisition von kleineren Unternehmen geht es darum, sich in bestimmten zukunftsweisenden digitalen Technologien mit fertigen Produkten zu positionieren, die von den eigenen Vertriebsteams verkauft werden können.

Abb. 2: Verteilung des Weltmarkts für Medizintechnik nach Bereichen im Jahr 2021.

Wer in die Aktien solcher Spezialisten investiert, muss nicht nur enorme Kursschwankungen, sondern in der Regel auch ordentliche Bewertungsprämien für die jeweiligen Marktführer bezahlen. ETFs und aktiv gemanagte Fonds diversifizieren Risiken und Rendite. Allerdings enthalten die meisten Gesundheitsfonds nur einen Bruchteil an Firmen mit dem Fokus Digital Health. Drei Fondsprodukte mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten und drei ETFs, die verschiedene Indizes ­abbilden, bieten hier ein gutes Risiko-Rendite-Profil.

ETF-Trio mit Digital Health

Unter den Indexfonds ist der iShares Healthcare Innovation am breitesten aufgestellt. Der ETF bildet eine Untergruppe von Unternehmen aus dem STOXX Global Total Market Index ab, die in der medikamentösen Behandlung, Patientenversorgung und der Diagnostik unterwegs sind. Rund 40% der im Index vertretenen Unternehmen sind entweder den Entwicklern von medizintechnischen Geräten oder dem Diagnostiksektor zuzuordnen. Unternehmen aus den USA sind mit 70% deutlich übergewichtet. Die digitale Medizin ist nur ein Teilsegment. Umgekehrt kann sich die Fünfjahresperformance von rund 55% sehen lassen.

Der L&G Healthcare Breakthrough ETF bildet den in US-Dollar notierenden ROBO Global Healthcare Technology and Innovation Index TR ab. Der im Juli 2019 aufgelegte und physisch replizierende ETF beinhaltet 85 Unternehmen aus neun Teilsektoren, darunter Diagnose, Automatisierung von Laborprozessen, Genomforschung, Präzisionsmedizin, Telemedizin, Datenanalyse, Robotik und medizinische Instrumente. Letztgenannte sind dabei mit fast 25% mit Abstand am höchsten gewichtet. Zu den Top-Ten-Holdings zählen mit iRhythm, Insulet, Intuitive Surgical, Dexcom, Teladoc und Omnicell sechs Firmen, die mit ihren Produkten und Technologien in den unterschiedlichsten Bereichen der digitalen Gesundheit zu den führenden Spezialisten zählen.

Von allen drei ETF-Produkten hat der im Dezember 2020 emittierte Global X ­Telemedicine & Digital Health UCITS, der den Solactive Telemedicine & Digital Health Index abbildet, die höchsten jährlichen Gebühren. Um als Indexmitglied infrage zu kommen, muss ein Unternehmen mindestens die Hälfte seines Umsatzes oder Betriebsergebnisses in der Telemedizin oder mit digitalen Anwendungen erzielen. Insgesamt 38 Titel mit unterschiedlichstem Börsenwert sind darin enthalten, von der deutschen Softwarefirma CompuGroup über Alibaba Health Information aus China und den US-Diagnostikkonzern Illumina bis zum Telemedizinpionier Teladoc Health.

Drei Fonds für die digitale Medizin

Unter den reinen Medtechfonds ist der Bellevue Medtech & Services ein hervorragendes Anlagevehikel, um sich Digital Health ins Portfolio zu holen, ohne den Fokus ausschließlich auf dieses Segment zu legen. Das Fondsportfolio ist mit 50 bis 60 Beteiligungen über alle Teilbereiche der Medizintechnik diversifiziert. Rund ein Drittel davon ist der digitalen Gesundheit zuzuordnen. Bei mehr als 80% dieser Firmen handelt es sich um Branchengrößen, deren Wachstum sich auf verschiedene Geschäftsfelder stützt. Bei der Titelauswahl legt Fondsmanager Stefan Blum neben dem innovativen Charakter der Firmen großen Wert auf eine solide Bilanz mit niedrigen Schulden und einem hohen Free Cashflow. Hoch gewichtet sind aktuell vor allem Unternehmen, die in der robotergestützten Chirurgie und bei der Behandlung von chronischen Erkrankungen wie Diabetes auf digitale Technologien setzen.

Dagegen ist der Bellevue Digital Health auf schnell wachsende Unternehmen mit hohen Wachstumsraten und Renditeerwartungen ausgerichtet. Mehr als 85% der im Portfolio enthaltenen Wachstumsfirmen sind in den USA ansässig. Darüber hinaus zielt die Anlagestrategie darauf ab, dass das Geschäft der Portfoliofirmen nicht den Konjunkturzyklen des Technologiesektors unterworfen ist. Dementsprechend gering sind die Portfolioüberlappungen mit dem breiten Gesundheits- und Technologieuniversum: Knapp 1% der im NASDAQ-100 enthaltenen Firmen sind auch im Fonds vertreten. Zu den Positionen zählen Shockwave Medical, ein auf Katheter für die Behandlung von Gefäßerkrankungen spezialisiertes Unternehmen, und Dexcom, ein führender Hersteller von Blutzuckermessgeräten. Der Anlagefokus auf Nebenwerte bringt eine größere Volatilität mit sich: Nachdem sich der Wert des Fonds bis Anfang 2021 innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt hatte, verlor er seitdem rund ein Drittel.

Der im Juni 2017 aufgelegte apo Digital Health investiert in Firmen, die in der IT-Branche, der Medizintechnik und der Patientenversorgung den Ton angeben. Mit 50 Positionen ist das Portfolio breit diversifiziert; einzelne Unternehmen sollen dabei bis zu 3% gewichtet werden. Damit lasse sich den Fondsmanagern zufolge gerade für kleinere bis mittlere Unternehmen das Chance-Risiko-Profil optimieren. Das Anlageuniversum digitale Gesundheit umfasst auch Technologiegiganten wie Apple, Microsoft oder IBM. Zu den europäischen Firmen, die rund 13% des Portfolios ausmachen, zählen die deutschen Softwarehersteller CompuGroup und Nexus sowie der Medtechkonzern Siemens Healthineers.

Dieser Beitrag erschien erstmals in der Ausgabe „Smarte Medizin“.