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Bildnachweis: Corona Borealis – stock.adobe.com.

Corona hat uns weiter fest im Griff: Mitte dieser Woche wurde beschlossen die Kontaktsperren um weitere zwei Wochen zu verlängern, sowie auch Restaurants, Bars und Diskotheken weiter geschlossen zu halten. Schulen werden nur vereinzelt wieder geöffnet um den Abschlussklassen die Vorbereitungen auf ihre Prüfungen zu ermöglichen. Alle weiteren Klassenstufen, unabhängig vom Schultyp, bleiben zunächst noch geschlossen und auch Kindergärten öffnen weiter nur zur Notbetreuung. Alle Großveranstaltungen bis 31.8.20 sind abgesagt und auch das Reisen in bekannte Urlaubsregionen scheint in den Sommerferien nicht möglich zu sein. Wie lange die meisten Beschränkungen noch andauern werden, lässt sich momentan nur schwer prognostizieren. Und es werden selbstredend in der Zwischenzeit auch zunehmend kritische Stimmen laut, die sich fragen ob die Bestimmungen und das Warten auf ein Heilmittel noch verhältnismäßig sind. Einen passenden Artikel zu dieser Bredouille finden Sie bei unseren Kollegen des Smart Investors. In der momentanen Situation ist die Politik abhängig von den Einschätzungen der Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesundheit und Sozialem. Selbstverständlich werden die Maßnahmen genauestens abgewägt, wissenschaftliche Ratschläge eingeholt und alles geschieht nach besten Wissen und Gewissen. Doch insgeheim ist klar, dass nur ein Heilmittel die Situation nachhaltig verbessern kann: Alles wartet auf den so sehnlichst benötigten Impfstoff.

Blick auf die Impfstoffentwicklung

Die reguläre Entwicklung eines Impfstoffs dauert zwischen 8 und 17 Jahren. Nach der Herstellung/Entwicklung folgt eine Phase der Präklinik und der Klinik bevor ein Wirkstoff dann hoffentlich die Zulassung erhält. Dies gelingt in der Regel allerdings nur bei weniger als 10% aller getesteten Kandidaten. Und leider wird ein Abbruch oft erst in Phase II oder III der Klinik klar – zu einem Zeitpunkt an dem schon immense Gelder, Arbeitskraft und vor allem Zeit in die Projekte geflossen sind. Warum soll nun für das Sars-CoV-2 Virus das alles anders werden? Die Impfstoffentwicklung profitiert stark von den Erfahrungen zum ähnlichen SARS- und MERS-Coronavirus, bei dem die genetische Überlappung bei bis zu 80 Prozent liegt. Außerdem haben Behörden wie das Paul-Ehrlich-Institut in Deutschland, aber auch die WHO und andere internationale Organisationen die Genehmigung für Studien beschleunigt. Andererseits liegen die hauptsächlichen Hoffnungen auf den neuartigen RNA Impfstoffen, von denen es bislang jedoch noch keinen einzigen zugelassenen Impfstoff gibt. Die Technologie gilt zwar als äußerst sicher, eine Garantie hierfür gibt es natürlich nicht. Um mögliche Risiken abzufedern, kam bei einem verfrühten Einsatz bereits eine Haftung durch den Staat ins Gespräch.

Neue Hoffnungen durch Medikamente

Abgesehen von Impfstoffen könnte selbstverständlich auch ein Medikament für eine schnelle Verbesserung der Lage sorgen. Schon seit längerer Zeit wird Remdesivir, ein ursprünglich gegen Ebola entwickelter Wirkstoff der Firma Gilead, als aussichtsreichster Kandidat gehandelt. Das Medikament befindet sich bereits in einer ersten klinischen Studie und scheint, auch wenn es noch keine offiziellen Ergebnisse gibt, erfolgsversprechend zu sein. Eine zusätzlich klein angelegte Studie an Affen hat diesen Trend bestätigt. Dennoch bleibt bis zur Veröffentlichung der Studienergebnisse Ende Mai/Anfang Juni abzuwarten, ob die hohen Erwartungen wirklich gerechtfertigt waren.

Im Gegensatz dazu hat das Malaria Medikament Chloroquin einen ersten Dämpfer erhalten, um im Kampf gegen Sars-CoV-2 eingesetzt zu werden. Hier ist vor allem die Dosierung problematisch – eine staatlich finanzierte, brasilianische Studie hatte elf Todesopfer zu verzeichnen und wurde daraufhin abgebrochen. Dennoch scheint der Wirkstoff im Labor und in ersten klinischen Untersuchungen die Viruslast nachweislich zu senken. Der Hersteller Bayer plant nun offenbar 8 Millionen Tabletten an die Bundesregierung zu „spenden“.

Auch die Wirkstoffkombination aus Lopinavir/Ritonavir, die ursprünglich gegen HIV entwickelt wurde, blieb bis jetzt hinter den Erwartungen der Experten zurück – mögliche Ursachen könnten ein verspäteter Einsatz sowie eine zu geringe Dosis sein.

Als weiterer Hoffnungsträger gilt auch das Antiparasitikum Ivermectin. Wissenschaftler der Monash University im australischen Melbourne haben beobachtet, dass Ivermectin Sars-CoV-2 in einem Zellmodell innerhalb von 48 Stunden so gut wie vollständig eliminierte – bereits nach 24 Stunden hatte sich die RNA des Virus signifikant reduziert. Nun soll in weitergehenden Untersuchungen geklärt werden, ob das Krätzemedikament auch im lebenden Organismus eine ähnliche Wirksamkeit aufzeigt.

Aussichten bei der Impfstoffentwicklung

Das Warten auf ein Heilmittel wird auch an der Impfstofffront deutlich: Nun wird ein uralter Impfstoff gegen Tuberkulose, Bacillus-Calmette-Guérin (BCG), der jedoch hier nie überzeugen konnte, zu neuem Leben erweckt. In Hannover startete dazu eine Studie mit tausenden Freiwilligen, vermehrt medizinisches Potential, denen der gentechnologisch verbesserte Impfstoff VPM1002 injiziert wird. Auch wenn dieser nur als Art Prophylaxe eingesetzt werden kann, wäre es eine gute Zwischenlösung, um die Zeit bis zu einem „echten“ Impfstoff zu überbrücken.

Somit sind nach wie vor zahlreiche vielversprechende Ansätze vorhanden um COVID-19 in den Griff zu bekommen. Die Impfstoffentwicklung wird zwar ihre Zeit brauchen, sollte jedoch definitiv bis zum Ende durchgezogen werden und nicht wie bei der SARS-Epidemie aufgrund abflachender wirtschaftlicher Interessen vorzeitig wieder abgebrochen werden. Das Warten auf ein Heilmittel soll und muss sich lohnen, denn die Corona-Pandemie wird aller Voraussicht nach leider nicht die letzte Pandemie sein.