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Bildnachweis: Corona Borealis – stock.adobe.com.

Die Corona-Krise schreitet weiter voran. Seit dem heutigen Montag herrschen strikte Ausgangsbeschränkungen für alle Bürger in Deutschland – ob diese nach den geplanten 14 Tagen wieder gelockert werden können, steht noch in den Sternen. Wirklich helfen könnte nur ein Medikament oder noch besser ein Impfstoff. Hier unser Corona Update zum Thema: Fortschritte bei Impfstoffen und Medikamenten.

In Europa beginnen verschiedene klinische Tests zur Behandlung von Covid-19

  1. Remdesivir, ein ursprünglich gegen Ebola sowie das gefährliche Marburgvirus entwickeltes Mittel der Firma Gilead wird nun in ersten klinischen Tests verwendet. In den USA hatten Ärzte einen Corona-Patienten mit Remdesivir behandelt – er soll sich nach einer Infusion binnen kürzester Zeit erholt haben. Und auch in Italien wurde ein Patient nach der intravenösen Gabe von Remdesivir aus der Klinik entlassen. Nachdem es Forschern der University of North Carolina gelungen war zu zeigen, dass das Mittel die Vermehrung der verwandten SARS- und MERS-Viren in infizierten Lungenzellen tatsächlich stoppen kann, gilt das Medikament als aussichtsreicher Kandidat. Remdesivir wirkt direkt gegen die Virusvermehrung, ist im Moment jedoch noch nicht für die Behandlung von Covid-19 zugelassen. Im Rahmen von Studien, Einzelfällen oder einer «Anwendung aus Mitgefühl» kann das Medikament aber eingesetzt werden. Letzteres ist die Möglichkeit, bei besonders schweren Krankheitsfällen Medikamente in den Einsatz zu nehmen, die noch nicht zugelassen sind. Die Nachfrage dafür stieg in den letzten Tagen derart stark an, dass die Herstellerfirma Gilead den Zugang zum Experimentalmedikament erschweren musste.
  2. In Deutschland sollen ab heute erste klinische Tests für die Behandlung von Covid-19-Patienten mit dem Medikament Chloroquin, im Tübinger Institut für Tropenmedizin, starten. Dieses Mittel hindert den Erreger daran, sich von Zelle zu Zelle auszubreiten. Chloroquin ist eigentlich ein Mittel gegen Malaria. Mehr als 60 Jahre wurde es von Bayer unter dem Namen Resochin vertrieben. Bayer hatte den Verkauf der Resochin-Produkte allerdings im November vergangenen Jahres eingestellt. Hintergrund waren die unzureichenden Produktionsbedingungen des Arzneimittels. Zumindest im Reagenzglas wirke das Malaria-Medikament auch gegen das Virus Sars-CoV-2, das die Krankheit Covid-19 auslösen kann, wie Institutsleiter Peter Kremsner am vergangenen Mittwoch erklärt hatte. In China und Italien sind Kremsner zufolge sehr viele Covid-19-Patienten mit Chloroquin behandelt worden. Unklar sei aber, ob mit Erfolg, da die Erkrankten Chloroquin teils in sehr hoher Dosierung und gemeinsam mit vielen weiteren Medikamenten bekommen hätten. „Es kann auch sein, dass es nicht wirkt oder sogar schadet“, sagte Kremsner. Chloroquin muss, sollte es überhaupt gegen Covid-19 wirken, sehr hoch dosiert werden. Der Schritt zu einer Überdosierung ist klein – in der kann das Mittel lebensgefährlich sein. Neben Gesundheitsminister Spahn setzt auch US-Präsident Trump große Hoffnung in das Medikament und ließ direkt 10.000 Dosen des Medikaments nach New York, dem am schlimmsten betroffenen Bundesstaat, schicken.
  3. Fraglich ist noch der Einsatz der Medikamentenkombination Lopinavir/Ritonavir, die regulär gegen HIV eingesetzt wird. Es wird angenommen, dass Lopinavir auf intrazelluläre Prozesse der Coronavirus-Replikation einwirkt. Der Wirkstoff führt im Modell der nicht-menschlichen Primaten des MERS zu einer reduzierten Mortalität. Die Anwendung von Lopinavir/Ritonavir in Kombination mit Ribavirin zeigte während einer offenen klinischen Studie an Patienten während des SARS-Ausbruchs 2003 eine verringerte Todesrate und einen milderen Krankheitsverlauf. Das Medikament wies jedoch laut dem New England Journal of Medicine in einer Pilotstudie in China keine statistisch signifikanten Unterschiede auf, die zeigten, dass das Medikament die Mortalität verbesserte, die nachweisbare Menge des Virus bei Patienten verringerte oder die Krankenhausaufenthalte verkürzte.

Auch die Suche nach einem Impfstoff geht weiter

  1. In der vergangenen Woche haben zudem erste Tests möglicher Impfstoffkandidaten in den USA und China an Freiwilligen begonnen. In den USA leitet das Kaiser Permanente Institute die Tests mit dem Mittel mRNA-1273 an 45 Patienten. China erlaubte dem Unternehmen CanSinoBIO die klinischen Tests ihres Mittels Ad5-nCoV, die mit 108 Testpersonen am Tongji Hospital in Wuhan durchgeführt werden. Was die Entwicklung eines Impfstoffs so langwierig macht, ist nicht die Suche nach einem geeigneten Modell – es sind die aufwendigen Tests vor der Zulassung. Labortests, Tierversuche, dann drei klinische Phasen, in denen die Forscher Unschädlichkeit und Wirksamkeit der Stoffe beweisen müssen. Schließlich wird der Impfstoff meist gesunden Menschen injiziert. Unsichere, nicht ausreichend getestete Impfstoffe seien nicht nur eine Bedrohung für den Patienten, sondern auch für die Impfbereitschaft insgesamt. Aus diesem Grund wird der Beginn klinischer Studien zumindest in Deutschland wohl auch noch etwas Zeit benötigen.
  2. Forscher vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin haben am vergangenen Freitag neue Hoffnungen geschürt. Mit VPM1002, das ursprünglich gegen Tuberkulose entwickelt wurde, wurde als neuer potenzieller Impfstoff vorgestellt. Der Impfstoffkandidat enthält abgeschwächte Tuberkuloseviren und in Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass durch die Aktivierung des Immunsystems auch Virusinfektionen wie Covid-19 deutlich abgeschwächt werden könnten. VPM1002 wäre wahrscheinlich kein vollumfänglicher Impfschutz gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2, könnte jedoch unterstützend wirken. Die Wissenschaftler glauben, dass VPM1002 besonders gefährdete Gruppen wie alte Menschen oder Mitarbeiter des Gesundheitssystems lange genug schützen könnte, bis ein vollumfänglicher Impfstoff gegen Corona entwickelt und zugelassen ist. VPM1002 wird aktuell in einer Phase-III-Studie in Indien getestet, die im Sommer abgeschlossen sein soll.