Insgesamt wächst das Unternehmen mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von mehr als 8% und ist seit Gründung profitabel. Die einzigen „Wachstumsknicks“ verzeichneten die Österreicher im Jahr von „9/11“ sowie zu Zeiten der Wirtschaftskrise 2009. Konjunkturresistent geht in jeder Branche eben auch nur bis zu einem gewissen Grad.

Die Bilanz weist vor allem eine hohe Liquidität auf – diese wird aber auch benötigt, wenn das Unternehmen auch künftig als aktiver Konsolidierer auftreten will. Mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 43% im Geschäftsjahr 2018 ist der Tech-Konzern zudem solide aufgestellt. Frequentis verfolgt eine ertragsorientierte Dividendenpolitik und hat auf der Hauptversammlung Mitte April beschlossen, eine Gesamtdividende von 14,4 Mio. EUR auszuschütten – das wären aktuell rund 1 EUR pro Aktie.

Bewertung

Mittels DCF-Verfahren und Peer-Group-Analyse wurde laut Research der BankM ein fairer Unternehmenswert von bis zu 305 Mio. EUR berechnet. Auf Basis einer Peergroup (u.a. Kudelski, PSI Software, GFT, IVU, Init, S&T) kommt man zu einem ähnlichen Wert um 300 Mio. EUR. Hier ist natürlich zu berücksichtigen, dass der Emissionserlös aus dem Kapitalerhöhungsanteil von bis zu 25 Mio. EUR noch nicht eingerechnet ist.

Fazit

Frequentis bewegt sich in einem antizyklischen Markt und ist deutlich breiter aufgestellt als kleinere Wettbewerber. Dies verschafft einen Vorsprung bei der Konsolidierung des Marktes – die Chancen auf Zukäufe stehen also gut, im Falle eines erfolgreichen IPOs umso mehr. Durch die Diversifizierung in mehreren Industriefeldern ist das Familienunternehmen zudem durch Einzelrisiken recht gut abgesichert. Wie bei inhabergeführten Familien meist üblich, zeichnen sich die Bilanz und unternehmerische Denkweise durch Stabilität und Langfristigkeit aus. Trotz dieses soliden Geschäftsmodells, kann das Unternehmen zugleich mit Innovationskraft punkten. Als Schwäche muss das verhältnismäßig geringe Margenwachstum gewertet werden. Auch könnte es im wichtigen US-Markt zu protektionistischen Tendenzen und damit Beeinträchtigungen kommen. Summa summarum ein solider Börsendebütant. GoingPublic rät zu einer Zeichnung bis 20 EUR, was einem Emissionsdiscount von 25% entspräche, was wir in nicht ganz so übersichtlichen Börsenzeiten als Richtwert für ein IPO ansehen. Bei 18 EUR ergäben sich sogar bis zu 37% Discount auf den fairen Wert des Eigenkapitals (DCF-Verfahren plus antizipierter Kapitalerhöhungsanteil aus dem IPO).

Fotos: @Frequentis / eigene Fotos IPO-PK

Frequentis – Angebotsübersicht Emissionsparameter
ISIN / WKN AT FREQUENT 09 / A2P HG5
Zeichnungsfrist vsl. bis 8. Mai
Erstnotiz vsl. 14. Mai
Preisspanne 18 bis 21 EUR
MarketCap 238 bis 277 Mio. EUR
Marktsegment Frankfurt (General Standard) + Wien
Emissionsprospekt ja
Emissionsvolumen 56 bis 65 Mio. EUR
Konsortium Commerzbank, BankM/flatex (Joint Lead)
Free Float max. 30%

 

 

Autor/Autorin

Die Wiener Frequentis AG, internationaler Anbieter von Kommunikations- und Informationssystemen für Leitzentralen mit sicherheitskritischen Aufgaben, eilt aufs Frankfurter Börsenparkett. Es könnte das erste ‚richtige‘ IPO in Deutschland in diesem Jahr werden.   Von Svenja Liebig und Falko Bozicevic

Gegründet im Jahr 1947 erfüllt die Frequentis AG alle klassischen Eigenschaften eines Familienunternehmens mit globaler Ausrichtung. Auch nach dem Börsengang wird die Familie Bardach mit mehr als 50% der Anteile Mehrheitseigentümer der Gesellschaft bleiben. Mit Sylvia Bardach als CFO ist zudem ein Familienmitglied auf operativer Ebene im Konzern tätig. Mit den Erlösen aus dem Börsengang will der Technologiekonzern mit Schwerpunkt auf Control Center Solutions u.a. seine M&A-Strategie weiter vorantreiben.

Emission

[caption id="attachment_94983" align="alignleft" width="269"]Tower (Beispielbild) Flughafen-Tower (Beispielbild)[/caption]

Die Bookbuilding-Spanne, die am Freitagmorgen öffentlich bekannt gegeben wurde, liegt bei 18 bis 21 EUR. Das Angebot umfasst bis zu2,7 Mio. Inhaberaktien. Davon stammen bis zu 1,2 Mio. neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung; die weiteren bis zu 1,5 Mio. Aktien werden vom Johannes Bardach, dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden und Mehrheitseigentümer sowie jetzt Vorsitzenden des Aufsichtsrats, zur Verfügung gestellt.

Darüber hinaus können bis zu 400.000 Aktien aus dem Bestand von Johannes Bardach durch Mehrzuteilung ausgegeben werden (sog. Mehrzuteilungsoption / Überzeichnungsreserve).

Aus der Kapitalerhöhung und der damit verbundenen Ausgabe neuer Aktien ergibt sich ein Brutto-Mittelzufluss für Frequentis zwischen21,6 und 25,2 Mio. EUR. Aus dem Greenshoe könnten zudem noch weitere 7,2 bis 8,4 Mio. EUR generiert werden.

Für das Pre-IPO-Placement von 0,9 Mio. Aktien an institutionelle Investoren – diese konnten zum Preis von 18 EUR gezeichnet werden – habe man sich bewusst entschieden, um den eigentlichen Börsengang abzusichern. Allerdings handelte es sich um eine Umplatzierung bestehender Anteilsscheine, keine Kapitalerhöhung.

Die Angebotsfrist begann am Samstag und endet voraussichtlich am 8. Mai. Am 14. Mai sollen die Aktien im Regulierten Markt (General Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse sowie im Regulierten Markt (prime market) der Wiener Börse in den Handel starten. Die Commerzbankund dieBankM,Repräsentanz der flatex Bank AG, begleiten den Börsengang als Joint Bookrunner und Joint Lead Manager.

Fortsetzung nächste Seite

Erlösverwendung

Das vorrangige Ziel des österreichischen Unternehmens ist es, Marktführer in jedem möglichen Bereich von Control Center Solutions zu werden. Da es viele kleinere Nischenanbieter in den unterschiedlichsten Bereichen von Kontrollsicherheitssystemen gibt, stellen Zukäufe für Frequentis seit jeher eine wesentliche Wachstumsstrategie dar. Der Familienkonzern verfügt bereits über 50 Tochterunternehmen – und auch künftig soll das Hauptaugenmerk weiter auf M&A-Aktivitäten liegen. Durch die frischen Mittel aus dem IPO will man diese Strategie weiterverfolgen. Das Unternehmen betont jedoch dabei, nicht übermäßig durch Zukäufe wachsen zu wollen, sondern vielmehr strukturiert und kontrolliert. Eine einzelne M&A-Transaktion sollte demnach nicht mehr als 10% des Unternehmensumsatzes von Frequentis ausmachen.

Des Weiteren sollen die IPO-Erlöse dem weiteren Ausbau des F&E-Bereichs dienen sowie der Stärkung der internationalen Präsenz. Mit dem Börsengang will das Unternehmen sich zudem vermehrt von Banken unabhängig machen und eine flexiblere, nachhaltige Finanzierungsstruktur aufbauen.

[caption id="attachment_94980" align="alignright" width="394"]Auf der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt veranschaulicht Frequentis seinen Control Tower. Auf der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt veranschaulicht Frequentis seinen Control Tower.[/caption]

Unternehmen

Frequentis ist nach eigenen Angaben weltweit führend im Bereich Control Center Solutions mit Einsatzfeldern im Air Traffic Management, Public Safety und Public Transport. Die Branche unterliegt so weniger den üblichen konjunkturellen Schwankungen. Endkunden sind u.a. die zivile und militärische Flugsicherung (z.B. DFS – Deutsche Flugsicherung), Polizei und Rettungsdienste (z.B. London Met Police) sowie Schienen- und Schiffsverkehrsgesellschaften (z.B. SBB). Außerdem spielt der Regulator eine wichtige Rolle innerhalb des Geschäftsmodells. Insgesamt verfügt der Technologiekonzern über mehr als 500 Kunden in 140 Ländern – jener Kundenstamm zeichnet sich dabei vor allem durch Langfristigkeit und Planbarkeit aus.„Unsere Kundenbasis ist uns heilig“, betont Frequentis CEO Norbert Haslacher im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin. Mit einer starken Spezialisierung auf F&E (Quote von 12% im langfristigen Durchschnitt) weist der familiengeführte Konzern eine stabile Innovationstätigkeit auf – laut eigenen Angaben kann Frequentis seine Entwicklungskosten besser skalieren als kleinere Nischenplayer.

Als wesentlichen Wachstumstreiber definiert das Unternehmen vor allem zwei Megatrends:

Transport: Der Markt für Flugreisen wird auch künftig ansteigen – Potenzial sehe man hier vor allem im wichtigen asiatischen Markt. Die Bereitschaft der asiatischen Bevölkerung zu reisen, werde künftig noch stärker zunehmen. Wichtig sei neben dem Air Traffic-Bereich auch die Schifffahrtbranche durch die Entstehung neuer Handelsrouten.

Sicherheit: Im Zeitalter von Terrorismus und einem immer höheren Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung sei dies ein entscheidender Werttreiber. Vor allem seien hier technologische Fortschritte von Nutzen, wie der Ausbau von LTE, der eine schnellere Einsatzbereitschaft von z.B. Notfall- oder Sicherheitskräften ermögliche. Auch der Einsatz von Drohnen werde zunehmend wichtiger.

„Was wir tun, rettet Leben. Wir wissen zudem genau, wo wir wachsen wollen“, betont Haslacher. Großes Potenzial sieht Frequentis in der Etablierung neuer Konzepte, wie zum Beispiel dem jüngst entwickelten Remote Tower System.  Seit Dezember 2018 hat die DFS das neue Remote Tower Control-System im Einsatz: Dabei werden Starts und Landungen am Flughafen Saarbrücken vom Airport Leipzig/Halle aus gesteuert, wodurch Effizienzsteigerungen erzeugt werden sollen. Weiterhin will sich Frequentis künftig mehr auf den Softwarebereich fokussieren und sich stärker vom Hardwarebetreiber weg entwickeln.

Frequentis- Zahlen und Bewertung
201720182019e2020e
Umsatz *)266,9285,8305,0325,0
Nettoergebnis *)9,911,313,014,2
EpS0,750,860,981,08
KGV min.24,021,018,316,7
KGV max.26,723,420,318,6
*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: GoingPublic Research


Zahlen

Im Geschäftsjahr 2018 erzielte Frequentis einen Umsatz von knapp 286 Mio. EUR, was einem Anstieg von mehr 7%im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das EBIT wuchs sogar um rund 10% auf 15,6 Mio. EUR bei einer nahezu konstant bleibenden EBIT-Marge von  5,3%.  Für das Geschäftsjahr 2019 erwarten die Wiener einen 8%-igen Erlösanstieg bei leicht verbesserter EBIT-Marge. Für die kommenden Jahre prognostiziert man aufgrund der verbesserten Skalierbarkeit hingegen eine deutlichere Steigerung der Marge – jedoch werde diese auch künftig kaum über 10% liegen, aufgrund der Kundenstruktur und des Projektcharakters.

Fortsetzung nächste Seite

Insgesamt wächst das Unternehmen mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von mehr als 8%und ist seit Gründung profitabel. Die einzigen „Wachstumsknicks“ verzeichneten die Österreicher im Jahr von „9/11“ sowie zu Zeiten der Wirtschaftskrise 2009. Konjunkturresistent geht in jeder Branche eben auch nur bis zu einem gewissen Grad.

Die Bilanz weist vor allem eine hohe Liquidität auf – diese wird aber auch benötigt, wenn das Unternehmen auch künftig als aktiver Konsolidierer auftreten will. Mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 43% im Geschäftsjahr 2018 ist der Tech-Konzern zudem solide aufgestellt. Frequentis verfolgt eine ertragsorientierte Dividendenpolitik und hat auf der Hauptversammlung Mitte April beschlossen, eine Gesamtdividende von 14,4 Mio. EUR auszuschütten – das wären aktuell rund 1 EUR pro Aktie.

Bewertung

Mittels DCF-Verfahren und Peer-Group-Analyse wurde laut Research der BankM ein fairer Unternehmenswert von bis zu 305 Mio. EUR berechnet. Auf Basis einer Peergroup (u.a. Kudelski, PSI Software, GFT, IVU, Init, S&T) kommt man zu einem ähnlichen Wert um 300 Mio. EUR. Hier ist natürlich zu berücksichtigen, dass der Emissionserlös aus dem Kapitalerhöhungsanteil von bis zu 25 Mio. EUR noch nicht eingerechnet ist.

Fazit

Frequentis bewegt sich in einem antizyklischen Markt und ist deutlich breiter aufgestellt als kleinere Wettbewerber. Dies verschafft einen Vorsprung bei der Konsolidierung des Marktes – die Chancen auf Zukäufe stehen also gut, im Falle eines erfolgreichen IPOs umso mehr. Durch die Diversifizierung in mehreren Industriefeldern ist das Familienunternehmen zudem durch Einzelrisiken recht gut abgesichert. Wie bei inhabergeführten Familien meist üblich, zeichnen sich die Bilanz und unternehmerische Denkweise durch Stabilität und Langfristigkeit aus. Trotz dieses soliden Geschäftsmodells, kann das Unternehmen zugleich mit Innovationskraft punkten. Als Schwäche muss das verhältnismäßig geringe Margenwachstum gewertet werden. Auch könnte es im wichtigen US-Markt zu protektionistischen Tendenzen und damit Beeinträchtigungen kommen. Summa summarum ein solider Börsendebütant. GoingPublic rät zu einer Zeichnung bis 20 EUR, was einem Emissionsdiscount von 25% entspräche, was wir in nicht ganz so übersichtlichen Börsenzeiten als Richtwert für ein IPO ansehen. Bei 18 EUR ergäben sich sogar bis zu 37% Discount auf den fairen Wert des Eigenkapitals (DCF-Verfahren plus antizipierter Kapitalerhöhungsanteil aus dem IPO).

Fotos: @Frequentis / eigene Fotos IPO-PK

Frequentis - AngebotsübersichtEmissionsparameter
ISIN / WKNAT FREQUENT 09 / A2P HG5
Zeichnungsfristvsl. bis 8. Mai
Erstnotizvsl. 14. Mai
Preisspanne18 bis 21 EUR
MarketCap238 bis 277 Mio. EUR
MarktsegmentFrankfurt (General Standard) + Wien
Emissionsprospektja
Emissionsvolumen56 bis 65 Mio. EUR
KonsortiumCommerzbank, BankM/flatex (Joint Lead)
Free Floatmax. 30%