Bildquelle: © metamorworks – stock.adobe.com

Hauptversammlungen sind längst mehr als formale Pflichttermine. Als technischer Dienstleister denkt Velten HVs ganzheitlich – von der technischen Umsetzung über die inhaltliche Dramaturgie bis zur strategischen Unterstützung der IR-Abteilungen. Wie dieses Zusammenspiel konkret aussieht und welche Gestaltungsspielräume Unternehmen heute nutzen können, erklärt Geschäftsführer Strehler im Gespräch. Dieses Interview ist im HV Magazin 4/25 erschienen. 

HV Magazin: Als technischer Dienstleister für Corporate Events ist Velten bei Hauptversammlungen auch konzeptionell tätig. Wie sieht das konkret aus?

Strehler: Wir stammen aus der Veranstaltungstechnik – sie ist nach wie vor unser Fundament. Gleichzeitig wissen wir: Eine HV funktioniert erst dann wirklich gut, wenn Technik, Inhalt und Ablauf zusammen gedacht werden. Wir denken alle diese Dimensionen mit. Deshalb unterstützen wir unsere Kunden auch konzeptionell – etwa bei Ablaufregie, Bildsprache, Content-Adaption oder räumlicher Inszenierung. Und wir sehen uns als Partner der IR-Abteilungen in strate­gischer Hinsicht: Gemeinsam überlegen wir, wie wir die zentralen Botschaften noch stärker vermitteln können. Wie können wir dabei helfen, Aktionäre emotional mit dem Unternehmen zu verbinden? Hier ist die Technik nur das Transportmedium, um die Zielgruppe zu erreichen. Vielmehr ist das Zusammenspiel aus Botschaft und technischem Medium zentral. Kurz gesagt: Wir liefern nicht nur die Technik – wir sorgen auch dafür, dass sie inhaltlich Sinn ergibt. Das erleichtert unseren Kunden die Vorbereitung, weil sie mit uns einen Partner haben, der sowohl versteht, was gesagt werden soll, als auch, wie es am besten beim Publikum ankommt.

Neben den formalen Vorgaben bietet eine HV Möglichkeiten, das Unternehmen zu repräsentieren. Wie nutzen Sie diesen Freiraum?

Klar, eine HV ist streng reguliert. Trotzdem gibt es viele Möglichkeiten, die Identität eines Unternehmens sichtbar zu machen, ohne dabei die Sachlichkeit zu verlieren. Wir beobachten, dass wir uns immer mehr vom klassischen Format einer Präsentation abheben und auf große Medienflächen setzen können, die die Botschaften in der Rede der Vorstandsvorsitzenden visualisieren und auch ­Aktionäre visuell einbeziehen. Auch beo­bachten wir mehr Offenheit, die Reden mit visuellen und dramaturgischen Elementen wie Filmausschnitten, Statements oder kurzen Berichten, z.B. von Produkt­entwicklern und Kunden, zu bereichern. Solche Elemente kommuni­zieren den Wert des Unternehmens sehr greifbar und ­authentisch. Auch kurze Livegespräche während der Reden sind denkbar. Am Ende geht es darum, dass die Inszenierung seriös, klar und authentisch bleibt. Bei einer Hauptversammlung machen wir keine Show, sondern wollen Haltung, Kultur und Anspruch ­unserer Kunden sichtbar machen.

Aktionäre wollen nicht nur informiert, sondern idealerweise auch unterhalten werden. Wie können Sie als HV-Dienstleister dem gerecht werden?

Ich denke, wir sollten „unterhalten“ in diesem Kontext nicht als ­Entertainment verstehen, sondern als klare, verständliche und erlebbare Kommunikation, um Shareholder inhaltlich und emotional stärker mit „ihrem“ Unternehmen zu verbinden. Als Dienstleister sehen wir bei einer HV nicht nur, was im Versammlungsraum passiert. Das Rundherum bietet ebenfalls eine Plattform, um die Bindung zu stärken. Von medial aufbereiteten Deep Dives in die Produktwelt über 3D-Werksrundgänge bis hin zum Ausstellen des Filialdesigns der Zukunft – die Möglichkeiten sind groß. Was wir uns für die Z­ukunft vorstellen können, ist die stärkere Liveeinbindung der ­Zuschauer sowohl vor Ort als auch im Livestream. Die Abfrage von rechtlich nicht bindenden Stimmungsbildern und die digitale Beteiligung über die Aktionärs- und Webcast-Plattformen außerhalb des ­regulierten Prozesses können ebenfalls spannende Werkzeuge sein und HVs auch für eine jüngere Zielgruppe attraktiv machen.

 


Zum Interviewpartner

Marco Strehler

Marco Strehler ist Projektleiter und Eventexperte mit Schwerpunkt Veranstaltungstechnik, Eventkreation und Projektgeschäft. Seit 2021 leitet er bei der VELTEN GmbH das Projektgeschäft und die Eventkreation. Parallel ist er seit vielen Jahren als Event-DJ für private Feiern und Business-Events tätig. Seine berufliche Laufbahn umfasst leitende Positionen im Event- und Messebau sowie im Projektmanagement.

Autor/Autorin

Thorsten Schüller
Freier Wirtschafts- und Finanzjournalist

Freier Wirtschafts- und Finanzjournalist. Für GoingPublic Media betreut er das viermal jährlich erscheinende HV Magazin.