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Dabei ist hier von einer Unternehmensgruppe mit fast 5 Mrd. Euro Umsatz (2007) und ca. 22.000 Mitarbeitern die Rede, die auch bei Referenzprojekten wie der Münchner Allianz-Arena oder dem Kanzleramt mitgewirkt hat. Auf Baustellen im In- und Ausland sind die Kartons mit dem Knauf-Logo dagegen gut vertreten – insbesondere auch in Osteuropa und Russland, wo sich das Unternehmen auch mit eigenen Produktionsstandorten einen deutlichen Marktanteil erkämpft hat und mit einem Produktportfolio von der einfachen Gipskartonplatte bis zu vorfabrizierten Systemlösungen zu den Aufbauleistungen beiträgt. Die internationale Expansion ist auch zum Großteil für die Umsatzsteigerungen der letzten Jahre verantwortlich. So verteilen sich die Mitarbeiter auf gut 150 Standorte weltweit. Um die Rohstoffe muss sich Knauf dabei keine Sorgen machen: Zusätzlich zu gesicherten Gipsvorkommen gewinnt man Gips mittlerweile auch aus der Rauchgasentschwefelung. Das Unternehmen ist eine reine Familiengesellschaft; die Eigentümerfamilie zählt mit einem geschätzten Vermögen von 4,95 Mrd. Euro nach einer Aufstellung des Manager Magazins zu den Top 20 der reichsten Deutschen.


Von der französischen Grenze nach Franken

Das Unternehmen wurde 1932 in Perl an der Mosel im deutsch-französischen Grenzgebiet von den Brüdern Alfons und Karl Knauf gegründet. Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte die Umsiedlung nach Iphofen im Umland von Würzburg. 2003 erfolgte die Umfirmierung der „Gebr. Knauf Westdeutsche Gipswerke“ zur Knauf Gips KG. Verantwortlich für den Ausbau einer kleinen, lokal operierenden Firma zur Gipsverarbeitung zu einem global operierenden Baukonzern sind Baldwin und Nikolaus Knauf, die seit den 60er Jahren geschäftsführende Gesellschafter sind. Grundpfeiler des Erfolgs ist die Gipskartonplatte („Rigipsplatte“) – Gips in kartonierter Form. Der Name geht auf Riga Gips zurück und ist auch heute noch ein Markenname der Saint-Gobain Rigips GmbH, die damit einen Gattungsbegriff etablieren konnte. Heute ist Knauf hinter dem französischen Konzern Lafarge die Nummer zwei der Gipshersteller weltweit; Saint-Gobain folgt dahinter.


Internationale Expansion

Gips ist ein Naturprodukt, das Knauf in mittlerweile 23 verschiedenen Ländern abbaut; das Unternehmen fördert jährlich ca. 5 Mio. Tonnen Gipsrohstein aus den unternehmenseigenen Steinbrüchen und Gruben. Dazu kommen noch 700.000 Tonnen REA-Gips – ein „Abfallprodukt“ der Rauchgasentschwefelung aus Braunkohlekraftwerken. Aufbauend auf diesem Rohstoff fertigt Knauf im weitesten Sinne Bausysteme. Dazu zählen Gipskartonplatten, Gipszwischenwandplatten, Putzgipse oder Zementmörtel. Mit einer Kapazität von über 800 Mio. Quadratmeter an Gipsplatten ist das Unternehmen damit einer der weltweit größten Anbieter. Zu den Bausystemen zählen aber auch Kunststoff-Formteile oder beispielsweise Ziegel, die in einem Knauf-Werk in Russland gefertigt werden. Möglich ist die Vielfalt der Bausysteme, die auch den nationalen Baugewohnheiten Rechnung trägt, durch eine Vielzahl an Produktionsstandorten, die das Unternehmen in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat. Gips ist, gemessen an seinem Gewicht, relativ wenig wert, so dass Transportkosten hier stärker ins Gewicht fallen – ein weiterer Grund für lokale Produktionsstätten. Neben Standorten an Knaufs Hauptmärkten (Mittel- und Südeuropa) verlagerten sich Umsätze und Produktionsanlagen in den letzten Jahren schwerpunktmäßig in Richtung Osten. Insbesondere in Russland ist der Konzern gut vertreten und hat seit dem Markteintritt 1993 dort nach eigenen Angaben bereits 1 Mrd. USD herein gesteckt. Etwa die gleiche Summe will man bis 2010 zusätzlich investiert haben, wie Nikolaus Knauf 2008 ankündigte. Mittlerweile arbeitet ein Viertel der Angestellten in Russland. Seit 1997 ist das Unternehmen zudem in Asien vertreten, aber auch in Nord- und Südamerika betreibt man Werke.


Ärger vor Gericht

Vor einigen Jahren verhängte der europäische Gerichtshof Strafen gegen die größten europäischen Gipsplattenhersteller wegen angeblich unerlaubter Preisabsprachen. Auch wenn Knauf widersprach, bestätigte das Gericht 2008 eine Strafe von 85,8 Mio. Euro, was damit die dritthöchste Strafe im Prozess war. Auch in den USA hat man gegenwärtig mit den Gerichten zu tun. Eine Sammelklage von Hauseigentümern richtet sich gegen Bau- und Konstruktionsunternehmen, unter anderem auch gegen Knauf. Klagegegenstand sind angebliche Ausdünstungen aus Trockenbauwänden, die im Falle Knauf von der Firmentochter Knauf Plasterboard Tianjin aus China geliefert worden waren. Bis zu 30.000 Häuser sollen betroffen sein. Derzeit gehe man den Vorwürfen vor Ort nach, so Knauf.

Fazit

Das Wachstum des Unternehmens, auch in den letzten Jahren, ist eindrucksvoll – allein von 2006 auf 2007 stieg der Umsatz um 19% auf knapp 5 Mrd. Euro. Ein Großteil des Wachstums ist Regionen wie Osteuropa einschließlich Russland und Asien geschuldet. Die Folgen der aktuellen Finanzkrise, bei der die Baubranche gerade in Ländern wie Russland getroffen wird, werden auch für ein Unternehmen wie Knauf spürbar sein, so dass weiteres Wachstum in der nächsten Zeit erst einmal fraglich ist. Erste Anzeichen zeigen sich schon mit einer Schließung eines kleinen Teilbetriebs in Österreich, von dem 109 Mitarbeiter betroffen sind. Dennoch: Bislang befindet sich Knauf mit seiner globalen Unternehmensausrichtung, einem in der Branche guten Markennamen und dem im Übermaß vorhandenen Naturrohstoff Gips in einer guten Position, auch aus einer kommenden Schwächephase gestärkt hervorzugehen.

Jörg Müller


Kurzprofil                                  Knauf Gips KG

Gründungsjahr                          1932

Branche                                   Baukomponenten

Unternehmenssitz                     Iphofen

Mitarbeiter 2007                        ca. 21.000

Mitarbeiter 2006                        ca. 20.000

Umsatz 2007 (Mio. Euro)           4.935

Umsatz 2006 (Mio. Euro)           4.157

Konzern JÜ 2007 (Mio. Euro)     676

Konzern JÜ 2006 (Mio. Euro)     483