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Peter Dietz (links) und Simon Steiner sind sich einig: Der IR-Manager sollte einen höheren Stellenwert im Unternehmen haben.
Wie erleben Sie als IR-Experten die neue Quartalsberichterstattung. Hier gibt es am Markt aktuell viel Diskussionsbedarf…

Dietz: Prinzipiell bin ich dafür, den Finanzbericht aufs Wesentliche zu reduzieren. Jedoch finde ich es beschämend, wie das Ganze aktuell praktiziert wird. Derzeit herrscht ein Wildwuchs in der Art der Umsetzung und große Unsicherheit vor allem bei kleinen Unternehmen. Man hat eine große Chance vertan, da man den Eindruck gewinnt, dass nur wenige Unternehmen wirklich die Bedürfnisse der entsprechenden Zielgruppen abgefragt und berücksichtigt haben. Eigentlich müsste der Quartalsbericht so aufgebaut sein, dass er genau hierauf ausgerichtet ist. Dies führt leider automatisch zum Vorwurf der Intransparenz. Ich hoffe, dass sich dies in den Folgequartalen einpendelt.

Steiner: Die Veränderungen bieten eine gute Chance, den Bericht im Detail noch stärker auf die relevanten Zielgruppen zuzuschneiden und so auf die wesentlichen Informationen zu fokussieren. So könnten durch neue Formate beispielsweise die Equity-Story und die Alleinstellungsmerkmale noch präzisier und kreativer dargestellt werden. Ich plädiere aber dafür, dabei immer darauf zu achten, dass der Bericht den Kunden der Finanzkommunikation einen wirklichen Mehrwert bietet. Veränderungen werden wir in der Breite sicherlich nicht sofort sehen. Vielleicht sehen wir aber in einem Jahr hier interessante, neue Ansätze.

Poppe: Die verschlankten Quartalsberichte und auch die Geschäftsberichte sollten die Zahlen und Fakten mit strategischer Bedeutung im Fokus haben, also entscheidungsrelevante Informationen. Wenn Reporting sich auf wenige, aber aussagekräftige Kennzahlen nach mess- und vergleichbaren Standards stützt, die die Werteschaffung des Unternehmens für die Stakeholder darstellen, kann es gleichzeitig schlanker und transparenter werden. Das dürfte den Zielgruppen gefallen. Hier ist im Reporting jedoch noch viel Luft nach oben.

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Was denken Sie, wo steht der IR-Manager im Vergleich zum Pressesprecher?

Dietz: Der Trend geht leider wieder dahin, dass die IR-Abteilung der Unternehmenskommunikation untergeordnet wird. Dies liegt zum Teil daran, dass sich die Pressesprecher oder Kommunikationsmanager nach außen hin besser verkaufen können und häufig mit dankbareren Imagethemen befasst sind als mit häufig komplexer zu erklärenden Finanzzahlen. Die Wertschätzung der IR ist mangels guten Eigenmarketings daher leider häufig bescheiden. Zudem wird der IR-Manager in zahlreichen Unternehmen als lästig empfunden, da es zu seiner Aufgabe gehört, kritische vom Kapitalmarkt eingeforderte Finanzinformationen anzufordern. Es ist vielleicht ein Dilemma des Berufsbildes: Viele IR-Manager stammen nun mal aus den Finanzabteilungen und sind eher mit der Zahlenanalytik als mit Eigenmarketing vertraut.

Poppe: Ich finde es sehr schade, dass wir heute noch darüber diskutieren, ob IR über, unter oder neben der Unternehmenskommunikation angesiedelt ist. Eigentlich sollte doch jeder am gleichen Strang ziehen, auch wenn IR und Pressesprecher unterschiedliche Zielgruppen haben. Generell gilt aber wohl, dass die Unternehmenskommunikation im Konzern etwas anschlussfähiger ist als die IR. Da könnten IR-Manager noch ein bisschen an sich arbeiten.

Steiner: Bei Unternehmen, wo dies heute nicht schon der Fall ist, sollte IR stärker auch nach innen wirken. Neben der Einbindung in strategische Prozesse könnte der IR Manager zum Beispiel auch Mitarbeitern anderer führungsgebender Abteilungen regelmäßig die Sicht des Kapitalmarktes auf das Unternehmen erläutern.

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