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Nationale Gesetzgeber und internationale Standardsetzer sehen den Anhang als integralen Bestandteil der Rechnungslegung. Der True and Fair View ergibt sich erst aus dem Gesamtbild von Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang. Obwohl regulatorisch verpflichtend, ist der Informationswert der Anhangsangaben in Theorie und Praxis äußerst umstritten. Von Prof. Thomas Berndt & Dr. Anke Gerding

Prof. Berndt und Anke Gerding
Prof. Thomas Berndt und Dr. Anke Gerding

Für viele Abschlussersteller ist der Anhang eine aufwendige und kostspielige Pflichtübung, dessen Bedeutung weit hinter den scheinbar harten Fakten der Bilanz- und Erfolgsrechnungszahlen liegt. Dagegen betonen gerade Standardsetzer wie IASB und FASB die Bedeutung der Anhangsangaben und erhöhen deren Umfang durch neue Offenlegungsanforderungen stetig.

Ist die Erstellung des Anhangs also tatsächlich nur ein notwendiges Übel mit begrenztem Informationsnutzen für eine kleine, verständige Leserschaft, oder wird seine Bedeutung für die finanzielle Entscheidungsfindung schlichtweg unterschätzt?

Zur Beantwortung dieser Frage wurde an der Universität St. Gallen eine Studie durchgeführt. 266 Investoren und Finanzanalysten gaben Auskunft zu ihrer Informationsnutzung. Entgegen der verbreiteten Skepsis sprachen 91% der Teilnehmer dem Anhang eine klare Aufgabe als bedeutende Informationsgrundlage von Investitionsentscheidungen zu. Die Mehrheit verbringt immerhin mindestens eine Stunde mit der Analyse einer einzelnen Jahresrechnung – davon über eine halbe Stunde mit dem Anhang.

Qualität und Verlässlichkeit statt Quantität

Dieser Zeitrahmen mag kurz erscheinen. Der Detailreichtum vieler Anhänge überfordert selbst manch professionellen Investor – viele andere Anspruchs- gruppen ohnehin. So belegen die Studienergebnisse den primären Wunsch nach Qualität und Verlässlichkeit der im Anhang enthaltenen Informationen, wohingegen deren Quantität als zweitrangig erachtet wird. Ein stärkerer Fokus der Ersteller auf die Vermittlung wirklich wesentlicher Informationen ist also gefordert.

Es stimmt auch: Die Entscheidung, welche Informationen aus Adressatensicht bedeutsam sind und welche nicht, ist keine leichte. Die befragten Investoren und Finanzanalysten schätzen insbesondere grundlegende Informationen zu Wertschöpfung und Ertragskraft, zur Organisation des Unternehmens und zu spezifischen Unternehmensrisiken. Hierunter fallen etwa erweiterte Informationen zur Geldflussrechnung, die Segmentberichterstattung sowie Erläuterungen zu Veränderungen der Unternehmensstruktur. Auch zusätzliche Informationen zu maßgeblichen Bilanz- und Erfolgsrechnungspositionen sind gefragt.