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Fast 100 Jahre aktiv als Familienunternehmen am Markt sein – das können nicht viele von sich behaupten. Der Männermodehersteller Ahlers jedoch ist eines von wenigen Unternehmen, das sich in diese Riege einreihen kann. Dabei sind die Herforder alles andere als ein antiquiertes, staubiges Familienunternehmen, denn immerhin zählen Top- Modelabels wie Baldessarini, Pierre Cardin oder Otto Kern zum Portfolio des europaweit bekannten Herrenkleidungsherstellers. Dass Kapitalmarkt und familiär traditionelle Werte kein Widerspruch sein müssen, beweisen die Herforder seit ihrer Börsennotierung vor knapp drei Jahrzehnten.

Alles begann im Jahr 1919, als Adolf Ahlers im friesischen Jever eine Tuchgroßhandlung gründete und damit den Grundstein für das heute europaweit bekannte Modeunternehmen legte. In den 30er-Jahren entschied man sich schließlich für eine Standortverlegung nach Herford in Westfalen. Dort übernahmen sie die „Herforder Wäschefabriken“ der jüdischen Familie Elsbach.

Aufbruch in die internationale Welt
Im Jahr 1948 erfolgte die Umwandlung in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, zwei Jahre später in die „Kommanditgesellschaft Westfälisches Textilwerk Adolf Ahlers Obergesellschaft“ mit dem Firmengründer als persönlich haftendem Gesellschafter. Nach dem Tod des Familienoberhaupts im März 1968 übernahm sein Sohn Jan A. Ahlers die Geschäftsführung. Der für seine Kunstsammlung bekannte Mäzen verlieh dem Unternehmen seinen heute internationalen Ruhm. Immerhin setzte er nur zwei Jahre nach Geschäftsübernahme den Launch der Jeans- und Hosenmarke Pionier in Gang. Ende der 1970er-Jahre folgte schließlich die Expansion nach Asien.

Kurzprofil Ahlers AG
Kurzprofil Ahlers AG

Knapp drei Jahrzehnte Börsenhistorie
Die weitere Expansion des Modeunternehmens sollte schließlich durch frisches Kapital in Gang getrieben werden: Nach einer Kapitalerhöhung von 5 auf 30 Mio. DM, zog es die Herforder 1987 an die Börse. Zu einem Kurs von damals 320 DM folgte die erste Preisfeststellung im Geregelten Markt der Börse Düsseldorf und Frankfurt. Knapp 28 Jahre nach Erstnotiz blickt das Unternehmen auf eine bewegte Kapitalmarktgeschichte zurück. So ging etwa die Finanzkrise nicht spurlos an dem Modeunternehmen vorbei: Der Kurs der Aktie brach im Frühjahr 2009 um rund 50% ein. Seither kann das Unternehmen jedoch wieder aufatmen. Derzeit liegt die Marktkapitalisierung der Herforder bei rund 153 Mio. EUR.

Starke Marken als Zugpferd
Trotz aller Auf und Abs hat sich das Familienunternehmen eines konsequent auf die Fahnen geschrieben: den Fokus auf Premium-Segmente zu legen. So starteten sie 1992 die Lizenzpartnerschaft mit dem Pariser Label Pierre Cardin; Mitte der 90er erfolgte der Erwerb des Herrenhemdenherstellers eterna, wovon sich Ahlers vor neun Jahren schließlich wieder trennte – später folgten noch Marken wie GIN TONIC und Jupiter. Derzeit setzt der Modespezialist auf acht verschiedene Marken aus dem Luxusbereich und möchte diese Strategie auch fortführen. „Luxusmarken sind unsere Zukunft“, sagte Vorstandsvorsitzende Stella Ahlers einst, die seit 2005 das Unternehmen in dritter Generation führt. In der Neun-Monats-Periode 2013/14 konnte Ahlers seinen Umsatz um 8% auf knapp 198 Mio. EUR steigern. Besonders das Jeans- und Workwear-Segment legte am stärksten auf 53 Mio. EUR Umsatz zu. Mit einer Eigenkapitalquote von 56% kann das Unternehmen zudem auf eine solide Finanzstruktur bauen. Um den aktuellen Trends am Markt zu folgen, setzt Ahlers außerdem verstärkt auf den Ausbau des eCommerce-Bereichs und bietet Onlineshops für die Marken Pionier Workwear, Baldessarini, Otto Kern und GIN TONIC an.

Außerdem wird ein verstärktes Augenmerk auf die Präsenz von Ahlers Marken auf verschiedenen Mehrmarken-Plattformen gelegt. Der eCommerce-Bereich scheint sich für das Unternehmen bislang gelohnt zu haben. Mit der Retail-Expansion in den vergangenen zwei Jahren wurden 2014 außerdem eigene Geschäfte in Hamburg (Elsbach Denim Library) sowie in Riga (Multibrand und Baldessarini) eröffnet. Besonders auch durch die starke Marktposition in Osteuropa setzt das Familienunternehmen verstärkt auf eine internationale Ausrichtung und möchte künftig das Asiengeschäft weiter aufbauen.

Geschäfts- und Kennzahlen Ahlers AG
Geschäfts- und Kennzahlen Ahlers AG

Positiver Blick in die Zukunft
Für das Gesamtjahr rechnen die Herforder mit einem Umsatzplus von 5 bis 6%. Wegen Restrukturierungsmaßnahmen des Brands GIN TONIC erwartet Ahlers jedoch hohe Einmalaufwendungen. Trotz dieser Sonderaufwendungen von weit über 2 Mio. EUR sollte das Konzernergebnis nach Steuern ebenfalls leicht steigen. Für dieses Jahr blickt das Unternehmen positiv in die Zukunft und erwartet gute Wachstumschancen, aber auch volkswirtschaftliche Risiken. Generell sei ein Ergebnisanstieg wahrscheinlich, so Ahlers zuletzt in einer Einschätzung.

Fazit
Vielen Familienunternehmen hadern nach wie vor mit der Entscheidung, an die Börse zu gehen – zu immanent ist ihnen die Angst vor einer Fremdbestimmung. Ahlers beweist jedoch, dass die Strukturen eines Familienunternehmens, gepaart mit modernen, auf Premiumsegmenten fokussierten Geschäftsideen, und der Gang an den Kapitalmarkt kein Widerspruch sein müssen. Eines von wenigen Unternehmen, die diese Strategie bereits seit knapp 30 Jahren konsequent verfolgen.

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