Bildnachweis: Depositphotos.
Der finnisch-deutsche Quantencomputer-Hersteller IQM Quantum Computers (ISIN: FI4000602354) hat gestern (5. November 2026) die ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen vorgelegt und diese anschließend im Conference Call erläutert. Die IQM-Aktie gab im Verlaufe des Tages um rund 12 % auf rund 7 EUR nach. Von Gian Hessami
Für das dritte Quartal vermeldete IQM einen Rekord-Auftragseingang von 42,2 Mio. EUR. Den größten Anteil daran hat der erste Vertrag für IQM Halocene, die Plattform des Unternehmens für Quantenfehlerkorrektur. Mit der LUMI AI Factory des Rechenzentrums CSC wurde ein Volumen von über 33 Mio. EUR abgeschlossen. Im Rahmen des Deals soll ein System entstehen, das auf dem Weg ist, Europas erster supraleitender Quantencomputer mit logischen Qubits zu werden.
Über IQM Quantum Computers
IQM Quantum Computers (Nasdaq: IQMX) ist ein weltweit führender Anbieter integrierter Quantencomputer und liefert supraleitende Full-Stack-Systeme an Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Universitäten, Hochleistungsrechenzentren und nationale Labore. Mit mehr vor Ort installierten Systemen als jeder andere Hersteller ermöglicht IQM Kunden die direkte Kontrolle über Quantencomputer, die sich in Supercomputing- und KI-Infrastrukturen integrieren lassen. Cloud-Zugang ist über IQM Resonance ebenfalls möglich. Von eigenen Prozessoren bis zu einer offenen Software-Architektur arbeitet IQM an fehlertoleranten Quantencomputern. Das Unternehmen wurde 2018 gegründet, hat seinen Hauptsitz in Espoo, Finnland, und beschäftigt über 450 Mitarbeitende in Europa, Asien und Nordamerika. IQM ist das erste börsennotierte europäische Quantenunternehmen an der Nasdaq.
Gute Auftragslage
Der Auftragsbestand stieg seit Jahresbeginn um 52 % auf 102,5 Mio. EUR. IQM hat bislang 31 Quantencomputer weltweit verkauft. Dazu zählen ein zweites an TOYO Corporation in Japan verkauftes System sowie der erste Verkauf des Unternehmens in Südamerika an das Eldorado Research Institute. Damit verfügt IQM inzwischen über Kunden auf vier Kontinenten: Europa, Nordamerika, Asien und Südamerika.
Der Umsatz kletterte im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 51 % auf 8,9 Mio. EUR. Der Cashbestand sank von rund 309 Mio. EUR (unmittelbar nach dem Nasdaq-Börsengang im Juli) auf 269 Mio. EUR. Als Gründe dafür nannte IQM einmalige Börsengangkosten und Investitionen in Fertigungs- und Montagekapazitäten.
Kommerzieller Rückenwind

„Das dritte Quartal war von starkem kommerziellen Schwung geprägt – mit Rekordaufträgen, unserem bisher größten Vertrag und einer erweiterten Präsenz auf vier Kontinenten“, sagte Dr. Jan Goetz, Mitgründer und CEO von IQM Quantum Computers. Und weiter „Eine führende KI-Fabrik hat sich für einen mehrjährigen Weg zu logischen Qubits auf IQM-Hardware entschieden und investiert in eine Roadmap, der sie vertrauen.“ Die Frage sei lange gewesen, ob Quantencomputer überhaupt funktionieren. Heute sei es die Frage, ob sie in dem Tempo gebaut, geliefert und betrieben werden können, das die Welt brauche. „Genau dafür wurde IQM gegründet. Mit unseren ersten 150-Qubit-Systemen bei Kunden konzentrieren wir uns auf die Umsetzung und den Aufbau für unsere ersten Demonstratoren zur Fehlerkorrektur im Jahr 2027.“
Hoher Nettoverlust im dritten Quartal
Unterm Strich entstand IQM im dritten Quartal allerdings ein Nettoverlust von 152,6 Mio. EUR, nach einem Minus von 12,6 Mio. EUR im Vorjahresquartal. Der Löwenanteil davon geht auf den Börsengang im Sommer zurück. IQM musste eine einmalige Börsennotierungsgebühr (Share-Listing-Expense) von rund 127 Millionen Euro zahlen. Dabei handelt es sich um einen rein buchhalterischen, nicht zahlungswirksamen Posten, der den tatsächlichen Cashbestand des Unternehmens nicht geschmälert hat. Der Verlust je Aktie lag im dritten Quartal bei 0,81 Euro (Q 3 2025: 0,41 EUR). Laut dem Nachrichtendienstleister MT Newswires hatten die vier von FactSet befragten Analysten lediglich mit einem Verlust von 0,13 EUR gerechnet. Auch beim Umsatz (Q3 2026: 9 Mio. EUR) hatten die Analysten mit 11,5 Mio. EUR ein besseres Ergebnis erwartet.
Ausblick 2026
Der Vorstand bestätigte die Jahresziele für das Gesamtjahr: Der Auftragseingang soll zwischen 65 und 75 Mio. EUR und der Umsatz zwischen 42 und 47 Mio. EUR. liegen. Dabei spielt die Erfassung der Erlöse eine Rolle: IQM erkennt Umsätze aus standardisierten Systemen an, wenn der Kunde das System abnimmt, nicht bei Versand oder Installation.
Fazit
Der Verlust sieht auf den ersten Blick dramatisch aus, ist aber für ein junges Deep-Tech-Unternehmen aus der Quantencomputer-Branche, das zunächst einmal viel Geld in die Hand nehmen muss, nichts Außergewöhnliches. Zudem der größte Teil des Verlustes (127 Mio. EUR) aus den buchhalterischen Kosten der Nasdaq-Notierung resultiert. Gleichwohl ist es schwer einzuschätzen, wohin die geschäftliche Reise geht. Einerseits gelten Quantencomputer als strategische Schlüsseltechnologie für Forschung, Industrie und Sicherheit. Andererseits ist es angesichts der hochmodernen und noch in der Entwicklung stehenden High-End-Technologie, die besonders für Laien schwer zu verstehen ist, heutzutage kaum absehbar, ob und wann Quantencomputer zum profitablen Geschäft für Unternehmen werden.
CEO Jan Goetz erklärte gegenüber GoingPublic im Juli das Prinzip der Technologie mit einfachen Worten: „Wie das Wort schon sagt: Es ist Computing. Man löst Probleme mit einer Rechenmaschine. Aber es ist Quantum. Anstatt Transistoren in herkömmlichen Prozessoren nutzen wir Quantentransistoren. Diese folgen einer anderen Logik und diese Logik ist so viel kraftvoller, dass man damit Probleme lösen kann, die wir mit klassischen Rechnern nie lösen werden.“

Börsianer sind offenbar bei IQM noch vorsichtig: Die Aktie hat bislang von knapp 11 EUR (Anfang Juli 2026) auf rund 7 EUR (Anfang November) nachgegeben. Der aktuelle Börsenwert (5. November 2026) des Unternehmens beträgt rund 1,5 Mrd. EUR.
Autor/Autorin

Gian Hessami
Gian Hessami gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-
Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Als Finanzjournalist beleuchtet er regelmäßig aktuelle Entwicklungen an der Börse und ist Autor von Beiträgen und Aktienanalysen. Mit den Finanzmärkten beschäftigt sich der gelernte Zeitungsredakteur bereits seit 2004.





