Nicht nur die Life Science Börsengänge sorgen schon seit Beginn des Jahres für extrem gute Stimmung unter den Investoren, auch Risikokapitalgeber sehen aktuell wieder sehr viel positiver in die Zukunft. Angeheizt wird die positive Stimmung durch eine Reihe glänzender Prognosen für das M&A Business, das 2014 auf einen neuen Höhepunkt zustreben soll. Risikokapital und die M&A Aktivitäten waren im Januar 2014 laut der Zephyr Datenbank auf einem 12-Monatshoch. Auch wenn, wie so oft, die USA an vorderster Front rangierten, auch in Europa erwarten Experten ein exzellentes Jahr für Wagniskapital, einhergehend mit einer signifikanten Steigerung der PE, VC und M&A Aktivitäten.

Die jüngste von Roland Berger publizierte Studie zum Thema bestätigt die globalen Prognosen. Auch in Europa ist der Private Equity Ausblick aktuell so gut wie lange nicht mehr. 82% der von Roland Berger Befragten erwarten für das laufende Jahr eine deutliche Zunahme der PE-Aktivitäten. Deutschland und Großbritannien werden dabei aus Expertensicht die besten Chancen zugeschrieben. Und neben den Branchen Konsumgüter und Handel sieht die Roland Berger Studie die Pharma- und Healthcare Branche ganz weit vorne. Die Übernahmechancen ständen für die Pharma- und Healthcare-Branche ganz besonders gut, nicht zuletzt wegen der Patentproblematik.

Die Studie geht davon, dass sich, anders als im vergangenen Jahr, die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern wieder annähern und so zu mehr erfolgreichen Übernahmen beitragen würden als noch im vergangenen Jahr, das deutlich hinter 2012 zurückgeblieben war. Die Studie rechnet in Deutschland mit einer Zunahme der M&A Transaktionen um 4,3 Prozent, für Großbritannien liegt die Prognose mit 3,3 Prozent etwas niedriger. Mit Ausnahme von Griechenland, sieht der „European Private Equity Outlook 2014“ von Roland Berger in allen Ländern der EU einen spürbaren Anstieg der Private Equity Aktivitäten.

Pharma und Healthcare bleiben Zielindustrie
Nicht nur Risikokapitalgeber, auch Akquisiteure sehen die Pharma und Healthcare Branche weiterhin als eine wichtige Zielindustrie. 61% der Befragten sehen dies so, damit rangieren Life Science Unternehmen nur knapp hinter Konsumgütern und Handel, die 63% der Befragten als Zielindustrie sehen. Die Life Science Branche liegt also auf Platz zwei und damit sogar noch vor Technologie und Medien, die 55% der Private Equity Investoren favorisieren.

Wirft man einen Blick auf die Größe der Übernahmekandidaten, so erwarten 88% der Umfrageteilnehmer den größten Teil der Transaktionen in mittelständische Unternehmen. „Ein Trend, der auch für die Vorjahre galt und typisch für die mittelständisch geprägte Unternehmenslandschaft PE-starker Länder wie Deutschland ist“, erklärt Roland Berger-Partner Gerd Sievers die Einschätzung. Das gesamte Akquisitionsvolumen sollte bei maximal 250 Millionen Euro liegen.

Laut Sievers stehen nicht wenige Mittelständler zudem vor dem Problem der Nachfolgeregelung, was dazu beitragen dürfte, dass sich solche Firmen auch gegenüber externen Investoren zugänglicher zeigten. Laut Berger Studie hoffen 59% der Investoren für 2014 auf attraktive Mehrheitsbeteiligungen an Familienunternehmen. 51% glauben mit der Abspaltung von Subsidiaries aus Großkonzernen gute Renditen erzielen zu können. Übernahmen von Assets von anderen Investoren, so genannte Secondary Buy-outs sehen 45% der befragten Investoren als relevant.

Die Gerüchteküche kocht
Im Januar hat das verfügbare Risikokapital für Life Science Unternehmen den höchsten Wert der vergangenen 12 Monate erzielt. Wenn es um Akquisitionen in der Branche geht, machen aktuell sogar Listen mit Übernahmekandidaten die Runde und verunsichern nicht zuletzt auch Investoren. Die Listen mit potenziellen M&A Kandidaten sind lang, immer wieder tauchen aber die Namen von Nektar Therapeutics und Acorda Therapeutics auf. Als Käufer für die genannten Firmen werden Pharmaunternehmen wie Sanofi, Novartis, Roche, Astra Zeneca oder Eli Lilly ins Gespräch gebracht.

Pharma steuert auf „Patent Cliff“ zu
Dass Übernahmen auch in diesem Jahr nicht ausbleiben werden, dafür wird schon der umhergeisternde Ausdruck „Patent Cliff“ sorgen. Darunter versteht man das Auslaufen des Patentschutzes vieler Medikamente, die in Pharmaunternehmen die hohen Umsätze sicherstellen. Das „Patent Cliff“ scheint in diesem Jahr auf einen Höhepunkt zuzusteuern. Da immer weniger wirklich effiziente Medikamente gefunden werden und die Medikamentenentwicklung immer mehr Ressourcen und Geld verschlingt, suchen große Pharmaunternehmen zunehmend nach billigeren Wegen, um ihre Portfolios aufzufüllen und an frische Patente innovativer Medikamente zu gelangen.

Prognostizierter Umsatzverlust durch auslaufende Patente im Jahr 2014 bei den großen Pharmaunternehmen. Quelle/Rechte: Bloomberg Businessweek

Bloomberg hat berechnet, dass 2014 Medikamente im Wert von fast 50 Mrd. USD ihren Patentschutz verlieren werden. Findet sich kein adäquater Ersatz, sind die Folgen nicht unerhebliche Umsatzeinbrüche bei vielen internationalen Pharmaunternehmen. Vor allem Global Player wie Sanofi, die Novartis, die Roche Holding, AstraZeneca und Eli Lilly & Co. werden in diesem Jahr durch auslaufende Patente je mindestens 6 Milliarden USD ihres Jahresumsatzes verlieren.

Ein Ausweg aus der Misere, ein innovativer Wirkstoffkandidat eines Start-ups, möglichst in Phase 2 oder Phase 3 der klinischen Entwicklung und mit guten Chancen auf eine Zulassung, der den Geldstrom vor dem Versiegen bewahrt. Dass 2014 das Jahr der Übernahmen werden könnte, dafür spricht tatsächlich einiges. Ob sich allerdings Angebote wie für Ortho-Clinical Diagnostics wiederholen werden, das bleibt trotz aller Gerüchte abzuwarten. Die Carlyle Group hat die Johnson & Johnson Tochter Ortho-Clinical Diagnostics Mitte Januar 2014 für einen gigantischen Kaufpreis von 4,2 Mrd. US-Dollar geschluckt. Der Deal bedarf zwar noch der Genehmigung durch die Behörden, sollte dann aber bis Mitte des Jahres in trockenen Tüchern sein.

 

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