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Der stationäre Pflegemarkt befindet sich seit Jahren im Wandel, dies ist nichts Neues. Die aktuelle Diskussion ist geprägt von Themen wie Personalnotstand, überalterter Immobilienbestand, steigende Kosten und ein signifikanter Anstieg der zukünftigen Zahl der Pflegebedürftigen. Wie reagieren die Betreiber auf den Wandel? Wer wird vom Markt verschwinden? Wer wird gewinnen? Und mit welchen Konzepten gehen die Sieger in die nächsten zehn Jahre?

Im Sommer 2011 wurden insgesamt 150 private, freigemeinnützige sowie öffentlich-rechtliche Pflegeheimbetreiber unterschiedlichster Größe aus allen Bundesländern nach ihrer aktuellen Situation und ihren Strategien gefragt, wie sie in den nächsten Jahren erfolgreich am Markt bestehen wollen. Seit Veröffentlichung dieser Studie haben wir zudem auf zahlreichen Veranstaltungen mit Pflegeheimbetreibern direkt gesprochen und so einen umfassenden Eindruck von der aktuellen Lage der Branche gewinnen können.

Die Nachfrage nach Pflegeleistungen wird insgesamt stark ansteigen

Die Zahl der Pflegebedürftigen erhöhte sich von 2,02 Mio. im Jahr 1999 um 16% auf 2,34 Mio. 2009. Davon wurde im Jahr 2009 fast ein Drittel (31%) vollstationär in Pflegeheimen gepflegt (Pflegestatistik 2009, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Februar 2011). Aktuelle Vorhersagen rechnen aufgrund der demografischen Entwicklung mit einem weiteren Anstieg der Pflegebedürftigen von 25% auf insgesamt 2,9 Mio. Pflegebedürftige im Jahr 2020 und 4,7 Mio. im Jahr 2050 (12. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes 2009, bei unveränderter Definition der Pflegebedürftigkeit). Geht man von einem unveränderten Anteil von 31% vollstationär Versorgten aus, entspräche dies einem Anstieg von 179.000 Pflegebedürftigen bis 2020.

Quelle: Pflegemarktstudie 2011 Ernst&Young

Der Anteil der stationär Versorgten an der Gesamtheit der Pflegebedürftigen ist in den letzten zehn Jahren von 28% auf 31% gestiegen. Ein weiterer Anstieg könnte u.a. durch die veränderte Rolle der Frau und der Familie in unserer Gesellschaft, durch die zunehmende Zahl der Singlehaushalte oder die steigende Mobilität im Arbeitsleben stattfinden. Zusätzlich sind starke regionale Unterschiede in der Altersstruktur sowie in der aktuellen Auslastung zu beachten. Eines ist also klar – bis zum Jahr 2020 kann die Pflegebranche insgesamt mit einer rasant wachsenden Nachfrage rechnen.

Der Immobilienbestand im Westen ist veraltet – das klassische Pflegeheim wird ergänzt durch andere Wohnformen

Deutsche Pflegeheimimmobilien sind heute im Schnitt über 25 Jahre alt und entsprechen nicht mehr den heutigen Standards. 35% der Pflegeheime sind nach unserer Befragung „dringend“ oder „teilweise sanierungsbedürftig“. 52% der Befragten planen Sanierungsmaßnahmen, 33% planen Neubauten. Dabei ergeben sich aufgrund der Bautätigkeiten nach der Wende signifikante Unterschiede zwischen den ostdeutschen und den westdeutschen Pflegeheimen. 77% der ostdeutschen Heimbetreiber planen keine Sanierung oder Renovierung.

Aufgrund der veränderten Nachfragesituation erwarten die Anbieter eine stärkere Flexibilisierung des Immobilienangebotes – soweit dies bei Immobilien möglich ist. Neben der rein stationären Pflege werden sich diversifizierte Angebote im Rahmen verschiedener Wohnformen etablieren. Darauf müssen sich Anbieter in regional begrenztem Umfeld einstellen.

Finanzielle Aussichten sind unbefriedigend

Fast alle Betreiber erwarten in der nächsten Zukunft steigende Kosten für Energie, Instandhaltung, Personal und medizinischem Bedarf. Das Potenzial zu weiteren Einsparmöglichkeiten wird – mit Ausnahme kapitalintensiver Energiesparmaßnahmen – insgesamt als gering angesehen. Dem stehen stagnierende Einnahmen gegenüber.

Daher halten rund 40% der Befragten die finanzielle Lage der Pflegebranche für schlecht oder sogar sehr schlecht und sehen die Politik in der Pflicht, für eine bessere Finanzierung zu sorgen. Andererseits wird jedoch erwartet bzw. gehofft, dass mit der ersten Erbengeneration diejenigen in die Pflegebedürftigkeit kommen, die eine bessere Vermögenssituation als die Kriegsgeneration vorweisen können und damit der Eigenanteil entsprechend steigen wird.

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