Bildnachweis: Fördergesellschaft IZB mbH.

Bild: Dr. Peter Hanns Zobel, Geschäftsführer; Dr. Malte Peters, Chief Research and Development Officer, MorphoSys AG; Prof. Dr. Ulrike Protzer; Anouschka Horn, Moderatorin Bayerischer Rundfunk; Dr. Sebastian Mangold, Geschäftsführer mk2 Biotechnologies; Prof. Dr. Eckhard Wolf, Leiter des Sonderforschungsbereiches Xenotransplantation, Genzentrum LMU; Heinrich Moisa, Vorsitzender der Geschäftsführung Novartis Deutschland & Geschäftsführer Novartis Onkologie (v.l.n.r.). 

Rund 40 Gäste trafen sich im Internationalen PresseClub in München zu fünf innovativen Impulsvorträgen und anschließendem Austausch, während über 270 Branchenvertreter:innen der Veranstaltung erstmals im Live-Streaming folgten.

Dr. Peter Hanns Zobel, Geschäftsführer des IZB, eröffnete die Veranstaltung mit einer Begrüßungsrede: „Ich freue mich, dass die Biotech Press Lounge zumindest im hybriden Format wieder stattfinden kann. Nicht nur Corona hat uns gezeigt, wie dringend wir neue Medikamente und Therapien benötigen. Die Start-ups im IZB tragen dazu bei, neue Diagnostika auf den Markt zu bringen sowie neue Medikamente für Krankheiten zu entwickeln, für die es noch keine Heilungsmöglichkeiten gibt“.

MorphoSys hat klaren Focus

Im ersten Vortrag des Events sprach Dr. Malte Peters, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei MorphoSys, über die ambitionierte Unternehmensstrategie und den klaren Fokus auf Hämatologie und Onkologie. „Über die letzten zehn Jahre hat sich MorphoSys von einem Auftragsforschungs-Anbieter zu einem globalen biopharmazeutischen Unternehmen mit eigenen Vertriebsstrukturen gewandelt“, führte Peters aus. Ein großer Erfolg für MorphoSys war 2020 die beschleunigte Zulassung und erfolgreiche Markteinführung von Monjuvi in den USA zur Behandlung einer aggressiven Form von Blutkrebs, für die es einen großen ungedeckten medizinischen Bedarf gibt. „Wir stehen nun vor einer spannenden, neuen Ära mit einer vielversprechenden Pipeline an Krebsmedikamenten in der klinischen Prüfung und dem ehrgeizigen Ziel, die Behandlung von Krebs neu zu definieren. Wir gehen davon aus, dass wir den Patientinnen und Patienten bis 2025 zwei neuartige Medikamente zur Verfügung stellen können, die im Falle ihrer Zulassung das Potenzial haben, die derzeitigen Standardtherapien für seltene und aggressive Blutkrebsarten zu verbessern.“

Novartis eröffnet neuen Standort in München

Heinrich Moisa, Vorsitzender der Geschäftsführung Novartis Deutschland & Geschäftsführer Novartis Onkologie, betonte in seinem Impulsvortrag, wie wichtig Vernetzung für Innovation ist und wie Spitzenforschung gemeinsam gestaltet werden kann. Er sieht Europa im globalen Wettbewerb mit dem Potenzial, zum innovativsten Kontinent der Welt zu werden, und hob besonders die Innovationskraft des Forschungsstandorts Deutschland hervor. Auch Novartis nutzt als globales Pharmaunternehmen wissenschaftliche Innovationen und digitale Technologien, um Therapien in Bereichen mit großem medizinischem Bedarf zu entwickeln. Durch den kürzlich eröffneten neuen Standort in München rückt Novartis näher heran an die pulsierende Life Sciences-Szene und zahlreiche innovative Kooperationspartner in der Region, und eröffnet so neue Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. „Wir bei Novartis sind Teil der vernetzten Zukunft Deutschlands und wollen durch Kooperationen auch hier in München sowie ganz Deutschland weiter dazu beitragen, mit Spitzenforschung, Lösungen für die großen Herausforderungen der Zukunft zu finden.“

Neue Immuntherapie für Hepatitis B und das hepatozelluläre Karzinom

Prof. Dr. Ulrike Protzer, Direktorin Institut für Virologie der TU München und Direktorin Helmholtz Zentrum München, sprach in ihrem Vortrag über eine neue Immuntherapie für Hepatitis B und das hepatozelluläre Karzinom. Im Rahmen des europäischen Förderprogramms „Horizon 2020“ leitet das Helmholtz Zentrum München das Forschungsprojekt TherVacB. Ein europaweites Konsortium führender Virologen, Immunologen und Hepatologen wird ab diesem Jahr einen neuen Impfstoff als Immuntherapie zur Heilung von Hepatitis B Patienten in einer dreijährigen klinischen Studie in Europa und in Afrika prüfen. Professorin Protzer betonte, dass der medizinische Bedarf für eine Heilung der Hepatitis B ausgesprochen hoch sei, weil mehr als 3% der Weltbevölkerung (ca. 260 Millionen Menschen) chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) infiziert sind und jährlich fast 900.000 Menschen an den Folgen der Infektion versterben. „Eine therapeutische Impfung, wie wir sie entwickeln, ist aktuell der vielversprechendste Ansatz, eine chronische Hepatitis B auszuheilen“, so Professorin Protzer, Koordinatorin des Projekts.

Peptide als Game-Changer

Dr. Sebastian Mangold, Geschäftsführer von mk2 Biotechnologies, illustrierte in seinem Vortrag die Entwicklung und Produktion innovativer Peptide als Game-Changer im Bereich der Krankheitstherapie und Pharmazeutika. Das Start-up verfügt über ein Verfahren, mit welchem hochreine Peptide skalierbar und kostengünstig für beliebige Anwendungen hergestellt werden können. mk2 Biotechnologies stellt damit das bisher fehlende Werkzeug für die Anwendung von Peptiden in Massenmärkten zur Verfügung. Besonders vielversprechend sind laut Mangold Peptide, die als Wachstumsfaktor bei der Geweberegenerierung von Organen eingesetzt werden können. „Das Konzept des Organ-Engineerings bietet eine vielversprechende Alternative zur Organtransplantation. Es handelt sich dabei um eine innovative Disziplin, um bioartifizielle Organe zu schaffen, die die natürlichen Organe in vivo nachbilden. Die Fortschritte auf diesem Gebiet geben Anlass zur Hoffnung, dass Organ-Engineering im nächsten Jahrzehnt zu einer kommerziellen Realität werden wird. Ein entscheidender Befähiger dafür ist die kostengünstige Verfügbarkeit von speziellen Peptiden und Proteinen, die als Wachstumsfaktoren dienen können, welche wir mit unserem durchgängig skalierbaren Herstellungsprozess zur Verfügung stellen.“

Genetisch modifizierte Schweine als Spender für die Xenotransplantation

Thematisch daran anknüpfend sprach der Leiter des Sonderforschungsbereiches Xenotransplantation, Genzentrum München, Prof. Dr. Eckhard Wolf, über genetisch modifizierte Schweine als Spender für die Xenotransplantation. Auch er wies darauf hin, dass die Zahl der Organspender bei weitem nicht ausreicht, um den Bedarf für die Organtransplantation zu decken. Eine mögliche Alternative ist die Verwendung von tierischen Organen, wobei das Schwein derzeit als aussichtsreichster Spenderorganismus angesehen wird. Durch gezielte genetische Modifikationen der Spenderschweine können Abstoßungsreaktionen abgeschwächt und physiologische Inkompatibilitäten (zum Beispiel im Bereich der Blutgerinnung) überwunden werden. „Nach jahrzehntelanger Forschung im Labor ist die Xenotransplantation jetzt an der Schwelle zur Klinik angekommen. Genetisch modifizierte Spenderschweine für die Herztransplantation müssen so konzipiert sein, dass sie von der Größe zum Menschen passen und sich durch Zucht vermehren lassen. Weder aus ethischer noch aus religiöser Sicht gibt es fundamentale Gründe gegen die Xenotransplantation als Maßnahme zur Behandlung von lebensbedrohlichen oder schweren Erkrankungen“, so Prof. Wolf.

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