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Bildnachweis: Foto: ITM.

Gerade meldet der traditionelle EY-Report (als „Finanzbuchhalter“ der deutschen Biotechszene) ein rekordreiches 2020 – trotz und wegen Corona – da geht es auch hierzulande schon munter und in gerade noch Schwindelgefühle erzeugende Höhen weiter:

Die in Radiopharmazeutika spezialisierte Garchinger Biotech-Firma ITM AG schließt eine 109 Mio $ (90 Mio. EUR) schwere Finanzierungsrunde ab. Neuer Hauptinvestor wird die von Tadd Wessel (ex-Orbimed) geführte Petrichor Healthcare Capital Management (die gerade im Herbst 2021 einen sogar überzeichneten Fund mit über 400 Mio. USD closen konnten). Die Einnahmen werden die Erweiterung von ITMs präzisionsonkologischer Pipeline sowie die späte Entwicklungsphase und Marktzulassung des Hauptproduktkandidaten n.c.a. 177Lu-Edotreotid unterstützen. N.c.a. 177Lu-Edotreotid befindet sich derzeit in einer Phase-3-Studie für gastroenteropankreatische neuroendokrine Tumoren (GEP-NETs). Die Finanzierungsrunde wurde mittels Wandelanleihen vollzogen, die im Falle bestimmter, zukünftiger Finanztransaktionen oder anderer definierter Geschäftsentwicklung in ITM-Aktien umgewandelt werden können. Weitere Details der Finanzierung wurden nicht bekannt gegeben.

„Wir sehen darin auch eine Anerkennung der bisherigen klinischen Ergebnisse, wie auch eine Bestätigung unseres Unternehmenserfolgs. Wir können nun weiterhin das Potenzial der Nuklearmedizin für Krebspatienten voll ausschöpfen“, kommentierte Steffen Schuster, Chief Executive Officer von ITM.

Tadd Wessel, Gründer und Managing Partner bei Petrichor, wird in Zusammenhang mit der Finanzierungsrunde ITMs Aufsichtsrat beitreten. Er hat über 20 Jahre Erfahrung als Investor im Gesundheitswesen und war zuvor Managing Director bei OrbiMed Advisors, wo er den Bereich strukturierte Finanzierungen und Sonderfinanzierungen im Gesundheitswesen ausgebaut hat. Tadd Wessel kommentiert die Finanzierung: „ITM hat sich als führender Anbieter von therapeutischen Radioisotopen etabliert. Wir erwarten, dass das Radioisotopengeschäft des Unternehmens vom enormen Wachstum gezielter Radiotherapien der kommenden Jahre profitieren wird. Die zielgerichtete Radionuklidtherapie war bisher immens erfolgreich und wir glauben, dass diese Pharmazeutika weiterhin zu den vielversprechendsten Bereichen der Präzisionsonkologie zählen werden. Wir sind sicher, dass ITMs beispiellose Expertise und technologische Fähigkeiten sich mit Marktzulassungen widerspiegeln werden. Deshalb freuen wir uns, das Team bei seinem Bestreben einen Mehrwert für Krebspatienten zu erzielen zu unterstützen.“

Prof. Horst Domdey, Geschäftsführer der BioM Biotech Cluster Development GmbH und Sprecher des Bayerischen Biotechnologie Clusters ist begeistert: „Ich bin hoch erfreut, dass das Münchner Unternehmen ITM durch diese beeindruckende Finanzierung seinen erfolgreichen Weg in der Präzisionsonkologie in Zukunft noch schneller und effizienter fortsetzen kann. Die Kombination von Radioisotopen, deren Nutzung zu den erfolgreichsten Konzepten in der Krebstherapie gehört, mit dem Prinzip der Präzisionsmedizin ist ein riesiger Schritt nach vorne und belegt wieder einmal den hohen Innovationsgrad der bayerischen Gesundheitsindustrie.“

ITM im Fokus

Die Plattform Life Sciences konnte CEO Steffen Schuster  näher befragen:

PLS: Wir sehen derzeit viel Dynamik im Radiopharmazie-Bereich, große Summen, Aufkäufe… Was macht ITM hier so besonders?

Schuster: Unser Alleinstellungsmerkmal: Wir können diese Radioisotope in großen Mengen hochrein herstellen, so dass wir andere Pharmafirmen seit langem beliefern. Aber wir können damit auch aus eigenem Hause die eigene Pipeline darstellen. Zudem sind wir mit der Wissenschaft ideal und global vernetzt und kommen damit an die spannenden Moleküle heran, um unser hochreines Lutetium anzudocken.

PLS: Sind Sie auf bestimmte Indikationen fokussiert oder limitiert?

Schuster: Wir sind in ganz verschiedenen Krebsformen unterwegs von Glioblastom über Pankreas bis Prostata wo wir auch die Metastasen angreifen können. Das macht uns in Summe wirklich einzigartig. Viele der „Wettbewerber“ sind unsere Kunden, wir beliefern die. Daher sehen wir diese auch eher als Partner und bringen gemeinsam den Radiopharmazeutikamarkt nach vorne.

PLS: Ist die Nähe zum Reaktor eine wichtige Vorbedingung?

Schuster: Wir haben zwar den Forschungsreaktor der TU München vor der Türe. Das ist aber nicht alles. Wir haben weltweit kein Thema mit Bestrahlungsquellen, da haben wir unter anderem Zugang zum weltgrößten Atomkraftwerk in Kanada. Zudem haben wir das Ausgangsmaterial in großen Mengen. Wir haben die Netzwerke der Kliniken, es geht nun „nur“ noch um die Exekution.

PLS: Dafür haben Sie nun das Geld, wofür genau werden Sie es einsetzen?

Schuster: Wir adressieren den high-unmet-medical need. Dieses Geld geht in unsere Eigenentwicklungen und die Vorbereitung des Marktzugangs für die laufende Phase-3-Studie im Bereich neuroendokriner Tumoren. Ein Geschäft aus der Radioisotopen-Lieferung besteht, hier haben wir eine gute Grundlage. Belieferungen laufen weltweit von Australien, über Russland nach Amerika, immer mehr Kliniken sehen den Nutzen und fragen uns an, gerade auch aus China. Wir sehen ein großes Wachstum. Hierauf stellen wir uns nun mit aller Kraft ein.

PLS: Es gibt die manchmal fast „religiös“ geführte Debatte welche Art von Strahlern man verwenden, welche Entwicklung man vorantreiben sollte, wie ist da die ITM-Philosophie?

Schuster: Sie haben recht. Wir halten aber nichts von dieser Schwarz-Weiß-Debatte. ITM hat beide Strahler im Portfolio, wir haben ß- und alpha-Strahler. Für unterschiedliche Situationen wird man unterschiedliche Strahler benötigen, weil andere klinische Kriterien zur Anwendung herangezogen werden, die Größe des Tumors eine Rolle spielt etc.

PLS: Ist die internationale Expansion ein nächster Schritt?

Schuster: Wie schon erwähnt – wir sind bereits absolut global unterwegs. Als „Lieferant“, in vielen Kooperationen, als Hersteller vor Ort. In China haben wir einen Lizenznehmer, seit über 10 Jahren schon, ein staatliches Unternehmen zu dem wir auch großes Vertrauen haben, das zurückgezahlt wird. Hier wird ein großes Wachstum vorhergesagt.

PLS: Neben der bestehenden Pipeline, stehen schon neue Projekte auf Ihrer Liste?

Schuster: Wir haben natürlich einen starken Fokus auf die aktuellen Eigenentwicklungen. Ein zielgerichtetes Molekül ist für uns aber immer interessant, auch wenn die bisherige Entwicklung vielleicht nicht funktioniert hat – wenn eine hohe Spezifität der Bindung an Tumorzellen gezeigt wurde, kann mit unserer Koppelung die gewünschte toxische Wirkung gewebeschonend erzielt werden. Solche Projekte haben wir auch schon in der Pipeline wie etwa den Folat-alpha-Rezeptor.

PLS: Welche Wünsche haben Sie – auch nach dem Geldregen – noch offen?

Schuster: Ich bin eigentlich gerade wunschlos glücklich – bedauere nur, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Ich würde gerne schneller umsetzen, weil alles so offensichtlich perfekt vor uns auf dem Tisch liegt. 

PLS: Welche Schritte folgen als nächstes in der Unternehmensentwicklung?

Schuster: Wir haben ITM nicht gebaut, um dies dann bald zu verkaufen. Wir wollen langfristig erfolgreich sein. Und unsere Investoren haben diese langfristige Perspektive. Wie es dabei im Einzelnen weitergeht: denkbar ist alles.

PLS: Vielen Dank für das Gespräch!

ITM Isotopen Technologien München – Hintergrund

ITM, ein 2004 gegründetes radiopharmazeutisches Biotech-Unternehmen mit heute 320 Beschäftigten in Garching und Neufahrn bei München, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Patienten, Ärzte und Partner mit den bestmöglichen Radiotherapeutika und -diagnostika zu versorgen. ITM entwickelt und produziert präzise Krebstherapien mit dazu passenden Diagnostika durch Kombination unserer erstklassigen medizinischen Radioisotope mit tumorspezifischen Zielmolekülen. Das Wohl des Patienten steht an erster Stelle, weshalb höchste Qualitätsstandards bei der Entwicklung und Herstellung der Produkte eingehalten werden. Mit fast zwei Jahrzehnten Expertise im Bereich Radioisotopenentwicklung, -herstellung und -vertrieb über ein globales Versorgungsnetzwerk soll das große Potenzial der Nuklearmedizin voll ausgeschöpft werden. Krebspatienten soll so ein besseres und längeres Leben ermöglicht werden.

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