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Seventure Partners ist eine paneuropäische Venture- und Growth-Capital-Gesellschaft mit Sitz in Paris und Büros in München, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz. Seventure investiert aus den Health for Life Capital Fonds in Biotechnologie, Digital Health, Medtech, Foodtech, Planetary Health und Innovationen im Bereich des Mikrobioms.
Plattform Life Sciences: Frau Dr. de Baey-Diepolder, Seventure investiert in innovative Technologien in einer Vielzahl von Sektoren. Warum?
Dr. de Baey-Diepolder: Seventure Partners ist eine Managementgesellschaft, die mehrere Fonds verwaltet. Dazu gehören vor allem die Health for Life Capital Fonds™ I, II und III sowie die Fonds Sport & Wellness und Blue Economy. Zusätzlich investiert Seventure über FCPI-Fonds für Privatanleger. Diese Struktur ermöglicht es uns, in sehr unterschiedliche Sektoren und Technologien mit hohem Renditepotenzial zu investieren. Unsere Kernbereiche sind Biotechnologie, Digital Health, Medtech, Foodtech, Nutrition, Planetary Health und Mikrobiominnovationen. Insbesondere Foodtech, Nutrition und Digital Health sind für uns keine Nischenthemen, sondern ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Diese Nähe zur Lebensmittelindustrie ist für einen Life-Sciences-Investor eher ungewöhnlich.
Das stimmt. Mit Investoren wie Danone, Lesaffre und Tereos haben wir frühzeitig Expertise im Bereich Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel aufgebaut. Deshalb waren Themen wie Mikrobiom, funktionelle Inhaltsstoffe oder Supplements mit medizinischem Nutzen für uns früh relevant. Polaris, ein französisches Portfoliounternehmen im Bereich algenbasierter Omega-3-Fettsäuren, ist dafür ein gutes Beispiel.
Wie übersetzt sich diese thematische Breite in konkrete Investitionsentscheidungen?
Der Einstieg hängt stark vom jeweiligen Segment ab. Im Bereich Digital Health erwarten wir regulatorische Klarheit, etwa eine CE-Zertifizierung, und idealerweise erste Umsätze. In der Biotechnologie hängt vieles vom Innovationsgrad ab. Wir verstehen uns als Partner für die Entwicklung von Start-ups: mit einem klaren Blick auf wertschöpfende Meilensteine, einer klaren Positionierung innerhalb etablierter Therapien, einer kapitaleffizienten Entwicklung und natürlich einer Exitstrategie. Tubulis, unser Investment in der A-Runde, steht exemplarisch für diesen Ansatz.
Wenn Sie auf Start-up-Teams blicken: Warum scheitern aus Ihrer Erfahrung so viele Projekte?
Ich habe selbst ein Unternehmen gegründet und weiß daher genau, wie es sich anfühlt, wenn Investoren nicht auf E-Mails reagieren. In manchen Businessplänen erkennt man immer wiederkehrende Muster: zu geringe Marktrelevanz des eigenen Entwicklungskandidaten, keine Gespräche mit Anwendern oder potenziellen Käufern und eine Scheu vor dem Dialog mit möglichen zukünftigen Erwerbern des Start-ups. Daher lautet die zentrale Frage, die sich junge Unternehmen stellen sollten: Wer kauft das oder bezahlt dafür – und auf Basis welcher Daten? In Deutschland hat „business-minded“ Denken häufig noch immer einen negativen Beigeschmack. Zudem hegen die Gründer oft eine ausgeprägte Angst vor Verwässerung. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar – es gibt jedoch sehr gute Instrumente, um Gründer auch bei umfangreicher Kapitalaufnahme am Erfolg zu beteiligen. Die Gründer sind für uns sehr wichtig.

Was tut Seventure, um diesem Problem entgegenzuwirken?
Wir unterstützen Gründerteams mit Erfahrung und ehrlichem Sparring. Häufig ist die Equity Story noch nicht klar genug oder der Exit des Investors wurde noch nicht mitgedacht. In solchen Fällen sind wir ein guter Sparringspartner, um Meilensteine und die zugrunde liegenden Zeitpläne herauszuarbeiten. Kapitaleffizientes Arbeiten ist uns genauso wichtig wie den Gründern, allerdings müssen Zeit und Wettbewerb stets im Blick behalten werden. Eine gute Patentstrategie ist für uns ebenfalls zentral. Wir arbeiten eng mit den Teams zusammen, meist in Advisory Boards oder Boards, und adressieren dort genau diese Punkte. Von Anfang an betrachten wir die Marktrelevanz sowie Kosten und Nutzen für Ärzte, Patienten oder Kunden.
Frau Dr. de Baey-Diepolder, herzlichen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Urs Moesenfechtel.
Autor/Autorin
Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.






