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Bildnachweis: GoingPublic Media AG.

Börse: Europa versus USA

Im zweiten Teil seines Panels lud Hubert Birner schließlich Sebastian Grabert, Germany Representative EURONEXT, und Markus Groß, Partner FAS, als Experten für „Wachstumsfinanzierung und Börsengang“ vor die Kamera. Parallel war Enno Spillner, CFO der Evotec SE, per Video-Konferenz zugeschaltet.

Eingangs verwies Sebastian Grabert auf die gute Performance des Next Biotech Index der Euronext, welcher im ersten Halbjahr 2020 um 70 Prozent gestiegen sei. Einen klaren Anstieg gebe es demnach auch bei den Follow-on-Investitionen. „Das Interesse der Retail-Investoren ist groß“, so Grabert. Als Gegengewicht zu den starken US-Börsen nannte Grabert die Schaffung einer einheitlichen Kapitalunion in Europa. Gleichzeitig dürfe man jedoch gerade in Deutschland nicht verlernen, Biotech an die Börse zu bringen. „Wir brauchen in Deutschland Banken und Analysten für die Biotechnologie, um eine entsprechende Expertise aufzubauen“, unterstrich der Deutschland-Repräsentant der Euronext. Generell empfahl Grabert den Unternehmen, eher eigenes Geld aufzunehmen, um Wachstumsprozesse fortzuführen, als M&A-Prozesse durchzuführen. „Die Zentralbanken werden auch nach der Pandemie ihre aktuelle Zinspolitik fortsetzen“, so Grabert abschließend.

Markus Groß von der FAS bestätigte im Rahmen des Finance Day den positiven Verlauf der wichtigsten Börsen-Indizes seit Ausbruch der Corona-Krise im März. Darüber hinaus bereiten sich viele Unternehmen auf einen Börsengang vor. Dem Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen mochte Groß keine übergeordnete Bedeutung zusprechen. „Es werden eher spezielle Faktoren für die Biotechnologie entscheidend sein“, so Markus Groß.

Enno Spillner, CFO der Evotec SE, sah ebenfalls ein gestiegenes Interesse privater Anleger in die Life Sciences, verwies jedoch zudem auf das stärkere Engagement institutioneller und generalistischer Investoren. Einschränkend stellte er jedoch die Frage: „Wie nachhaltig ist dieses Interesse? Werden diese Investoren dauerhaft an Bord bleiben?“ Für einen eigenständigen Biotech-Index an der Börse brauche es eine kritische Masse. Diese sei noch nicht erreicht, so Spillner weiter. Anders in den USA, wo es mehr Analysten mit entsprechender Expertise gebe. Dies sorge auch für eine höhere Risikobereitschaft. Auch die nötige Interaktion und Vernetzung zwischen den einzelnen Stakeholdern sei in den USA deutlich ausgeprägter. So reizvoll ein Engagement in den USA auch sei, man dürfe seine „Homebase“ nicht vernachlässigen. „Wir haben bei der Evotec gute und verlässliche private Anleger im Unternehmen“, unterstrich der Evotec-CFO.

Angesprochen auf die Entwicklung im M&A-Bereich verwies Enno Spillner auf sich verändernde Geschäftsmodelle, in Folge der Corona-Pandemie. Letztlich müsse man sich fragen: „Was ist eine Firma eigentlich wert?“ Viele Firmen, so Spillner, müssten sich in Zeiten von Corona neu aufstellen. Er sei optimistisch. Auch nach dem Ende der Pandemie seien die Kapitalmärkte gut aufgestellt und voll präsent. „Ich sehe eine hohe Liquidität bei privaten und institutionellen Investoren“, so Spillner. „Und dieses Geld will angelegt sein.“

Wer sind die Einhörner von morgen?

Im abschließenden Panel des Finance Day diskutierte Dr. Georg Kääb, Managing Director Bavarian Biotech Cluster, mit Marc L. Holtorf, Partner Pinsent Masons sowie Dr. Marion Jung, CEO ChromoTek, und Dr. Hella Kohlhof, CSO Immunic Therapeutics, zum Thema „Im Scheinwerfer“: Corona – Turbo für die Einhörner von Morgen?“. Angesprochen auf die Frage „Wer hat den Corona-Turbo gespürt?“ erläuterte Hella Kohlhof, wie man einen firmeneigenen antiviralen Wirkstoff auf Covid-19 geprüft und so dessen potentielleTauglichkeit im Kampf gegen Corona entdeckt habe. In der Folge sei es gelungen, eine Finanzierungsrunde erfolgreich abzuschließen sowie eine Förderung der EIB zu generieren. Dabei bleibe der Kampf gegen Corona für Immunic ein Zusatzgeschäft. „Unser Kerngeschäft bleibt die Entwicklung eines Wirkstoffes gegen Multiple Sklerose“, so Kohlhof. Dieser befinde sich derzeit in der klinischen Phase 2. Durch die Arbeit an einem Corona-Wirkstoff sei man in der Öffentlichkeit zwar präsenter geworden, man sei aber von vornherein in der technischen Entwicklung breiter aufgestellt gewesen, so Kohlhof weiter. „Corona hat uns allen neue Wirkungen bekannter Technologie und Wirkstoffe gezeigt“, erklärte die Immunic-CSO.

V.l.: Dr. Georg Kääb und GoingPublic-Vorstand Markus Rieger.

Auch die Behörden seien in Fragen von Zulassungen und Genehmigungen aktiver geworden, als in der Vergangenheit, sofern diese der Entwicklung eines Corona-Wirkstoffes dienlich seine. Entsprechend gab es in diesem Bereich auch eher behördliche Genehmigungen, etwa für Studien, sowie auch Finanzierungen, als etwa in anderen Segmenten der Biotechnologie.

Dr. Marion Jung, CEO von ChromoTek, verwies darauf, dass auch viele „Nicht-Einhörner“ derzeit gute Geschäfte machen. „Leider hat es Corona gebraucht, um die Szene ins Rampenlicht zu rücken“, monierte Jung. Gerade das Geschäft mit Laboren oder Laborzubehör habe sich gut erholt. „Die Schaufeln für die Goldgräber sind eben enorm wichtig“, so Jung. Auch sie verwies auf die hohe Agilität des Bundes und der Länder bei der Genehmigung von Testverfahren zur Bekämpfung der Corona-Pandemie oder der Bewilligung von Hilfsgeldern: „Die Arbeit am Gemeinwohl schweißt alle zusammen.“

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