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Bildnachweis: Corona Borealis – stock.adobe.com.

Das Coronavirus trägt seinen Namen aufgrund seines charakteristischen, kranzförmigen Aussehens (Lateinisch „corona“: Kranz, Krone). Es besteht aus 29 Genen, die für die Produktion von viralen Proteinen zuständig sind. Manche von ihnen greifen nur ein bestimmtes menschliches Protein an, andere Zahlreiche – insgesamt wurden über 300 menschliche Proteine gefunden. Die Forscher sind daher auf der Suche nach Medikamenten, die ebenfalls an diese menschlichen Proteine andocken, die das Coronavirus braucht, um in die Zellen zu gelangen und sich dort zu vermehren. Über mache Ansätze berichteten wir schon in der Vergangenheit. Welche neuen Therapien stehen in den Startlöchern? Hier ein Überblick über möglichst viele der existierenden Forschungsrichtungen:

Pentracor arbeitet an CRP Absenkung

Die in Brandenburg ansässige Firma Pentracor hat eine Therapie entwickelt, welche C-Reaktives Protein (CRP) aus dem Blut von Patienten entfernt. Dies könnte zu einer deutlich verbesserten Langzeitprognose für COVID-19 Patienten führen.

CRP ist die erste Verteidigungslinie für Krankheitserreger. Es bindet an beschädigte Zellen und signalisiert den körpereigenen Fresszellen, dass diese vernichtet werden sollen. Bei einigen Geschehen im Körper, wie z.B. dem Herzinfarkt, ist dieser Effekt jedoch nicht wünschenswert: In einer Studie bei Herzinfarktpatienten wurde bereits aufgezeigt, dass eine erhöhte CRP-Konzentration mit mehr Inflammation, mit mehr Gewebeschäden, schwereren Symptomen, längerer Liegezeit und einer schlechteren Langzeitprognose korreliert. Hierfür scheint CRP mitverantwortlich zu sein. Das Hennigsdorfer Unternehmen entwickelt einen spezifischen Adsorber zur therapeutischen Absenkung von C-reaktivem Protein aus dem Blutplasma.

Auch bei Corona-Patienten scheint dieser Therapieansatz möglich. Die CRP Mengen sind hier um ein vielfaches erhöht als bei den meisten Herzinfarktpatienten. Somit verspricht diese Therapie bei einem frühen Beginn eine deutliche Verbesserung der einhergehenden Schädigungen der Lunge und könnte evtl. eine nötig werdende Beatmung verhindern. Eine erste mehrtägige Therapie wird derzeit in Bayern durchgeführt. In den USA werden hochrangige Mediziner ebenfalls mit der Therapie bei Corona-Patienten beginnen und beantragen derzeit die Zulassung. In Europa besteht eine CE-Zertifizierung, welche die Behandlung von pathologischen Verläufen bei COVID-19-Patienten bereits erlaubt. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass die Therapie nebenwirkungsfrei und damit sehr sicher ist.

Takeda entwickelt Passivimmunisierung

Das Wiener Unternehmen Takeda will durch Antikörper aus dem Blutplasma geheilter Patienten einen Passivimpfstoff herstellen. Nach deiner Plasmaspende vergangenen Montag ist man diesem Vorhaben nun einen Schritt näher gekommen. Die enthaltenen Antikörper sollen konzentriert werden und vor allem haltbar um sie dann Neu-Erkrankten zur Stärkung des eigenen Immunsystems zu injizieren. Das Programm läuft unter dem Namen TAK-888. Um die Forschung weiter voranzutreiben befindet sich das Unternehmen derzeit in Gesprächen mit mehreren nationalen Gesundheits- und Aufsichtsbehörden sowie Gesundheitspartnern in den USA, Asien und auch Österreich.
Derselbe Ansatz wird auch vom schwedischen Karolinska Institut, AbCellera und Lilly, AstraZeneca (UK), Celltrion (Südkorea) und (laut Medienberichten) Boehringer Ingelheim mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) verfolgt.

Interferon Alpha-2B aus Kuba

Der von BioCubaFarma aus Kuba entwickelte antivirale Wirkstoff Interferon Alpha-2B könnte bald auch in Deutschland zur Behandlung von Covid-19 Patienten eingesetzt werden.  In der Volksrepublik China ist der unter dem Namen „Heberon® Alfa R“ vermarktete Wirkstoff bereits seit 2007 zugelassen und wird dort zur Behandlung von Corona-Patienten eingesetzt. Interferone sind Signalproteine die eine Rolle bei der körpereigenen Immunabwehr spielen. Sie helfen dem Immunsystem, vom Virus befallene Zellen besser zu erkennen und die Vermehrung des Virus zu stören. Biochemiker unterteilen diese Botenstoffe in mehrere Untergruppen, von denen gegen SARS-CoV-2 die Alpha- und die Beta-Interferone von Bedeutung sind. Gegen Covid-19 in Studien erprobt werden derzeit Medikamente mit Interferon beta-1a und Interferon beta-1b. Für eine größere Studie des Instituts INSERM in Frankreich stellt das deutsche Unternehmen Merck sein Interferon beta-1a-Medikament zur Verfügung. Eine Zulassung zur antiviralen Therapie haben beide Wirkstoffe in der EU nicht, doch in Laborversuchen konnte Interferon beta-1a die Vermehrung der verwandten SARS-Viren aufhalten. Für eine inhalierbare Form von Interferon-beta-1a hat das britische Unternehmen Synairgen die Genehmigung für eine Studie mit Covid-19-Patienten erhalten.

 

Darüber hinaus werden derzeit eine Reihe vorhandener Medikamente auf ihre Eignung gegen die Corona-Krankheit Covid-19 geprüft. Sie gehören meist zu einer der folgenden drei Gruppen:

1. Einsatz antiviraler Medikamente

  • APN01, APEIRON Biologics, SARS
  • ATR-002, Atriva Therpeutics, Grippe
  • Brilacidin, Innovation Pharmaceuticals, entwickelt gegen entzündliche Darmerkrankungen und Entzündungen der Mundschleimhaut
  • Camostat Mesilat, Japan gegen Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Chloroquin, Bayer, entwickelt gegen Malaria, in den USA bereits zugelassen
  • Favilavir, Zhejiang Hisun Pharmaceutical, Grippe
  • Favipiravir (Avigan), Fujifilm Toyama Chemical, Grippe, bereits in ersten Tests
  • Hydroxychloroquin, Novartis und Sanofi, Malaria, in den USA bereits zugelassen
  • Leronlimab, CytoDyn, HIV, tripel-negativer Brustkrebs
  • Lopinavir/Ritonavir, Abbvie, HIV, bereits in ersten Tests
  • Novaferon, Bejing Genova Biotech, Hepatitis C, bereits in ersten Tests
  • Plitidepsin, PharmaMar, entwickelt in Australien und Südostasien gegen Multiples Myelom
  • Remdesivir, Gilead Sciences, entwickelt gegen Ebola, erfolgreich bei MERS, bereits in ersten Tests
  • Ritonavir/Danoprevir, Ascletis Pharma, Hepatitis C, bereits in ersten Tests

Auch Pfizer, MSD und Novartis erproben ihre antiviralen Wirksoffe auf die Behandlungsmöglichkeit gegen SARS-CoV-2.

 

2. Dämpfende Immunmodulatoren

  • Colchizin, Montreal Heart Institute, Gicht (und Herzbeutelentzündung)
  • Fingolimod, Novartis, Multiple Sklerose
  • Natriummetaarsenit, Komipharm, Schmerzen
  • Sarilumab, Sanofi und Regeneron, Rheuma
  • Tocilizumab, Roche, rheumatoide Arthritis, bereits in ersten Tests

 

3. Medikamente gegen Lungenerkrankungen

  • BXT-25, Bioxytran, ARDS
  • Ifenprodil (NP-120), Algernon Pharmaceuticals, neurologische Erkrankungen
  • Pirifenidon, Roche, idiopathische Lungenfibrose
  • Solnatide, Apeptico, ARDS

 

Die Bandbreite an Therapieansätzen ist demnach groß – höchstwahrscheinlich wird es auch nicht das eine Medikament oder den einen Impfstoff geben, sondern durch die parallel laufende Entwicklung werden verschiedene Optionen zur Wahl stehen. Nur ein genauer Zeitpunkt lässt sich noch immer schwer vorhersagen. Aber wir befinden uns auf einem guten Weg!