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Die deutsche Biotechnologie-Branche hat im Jahr 2025 insgesamt 1,787 Mrd. EUR Eigenkapital eingeworben. Damit liegt das Finanzierungsvolumen rund sieben Prozent unter dem Vorjahreswert von 1,917 Mrd. EUR, bleibt aber deutlich über den Erwartungen nach einem schwachen ersten Halbjahr. Von Urs Moesenfechtel
Die folgenden Angaben basieren auf einer Erhebung von BIO Deutschland in Kooperation mit EY. Berücksichtigt wurden 32 Venture-Capital-Finanzierungsrunden privater Biotechnologie-Unternehmen sowie 15 Kapitalerhöhungen börsennotierter Unternehmen.
Venture Capital rückläufig, Kapitalmarkt gewinnt an Bedeutung
Private Biotechnologie-Unternehmen erhielten 2025 insgesamt 593 Mio. EUR Venture Capital und damit 34 Prozent weniger als im Jahr 2024 (898 Mio. EUR). Auffällig ist die starke Konzentration auf einzelne Finanzierungsrunden: Allein die Tubulis GmbH vereinte mit einer Serie-C-Finanzierung über 344 Mio. Euro mehr als die Hälfte dieses Volumens auf sich. Abseits dieser Rekordrunde blieb die Wachstumsfinanzierung überwiegend im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.
Börsennotierte Unternehmen mit deutlichem Plus
Börsennotierte Biotechnologie-Unternehmen sammelten 2025 insgesamt 1,194 Mrd. Euro ein – ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr (999 Mio. EUR). Börsengänge fanden nicht statt. Den größten Anteil am Kapitalmarktvolumen hatte die QIAGEN N.V. mit 642 Mio. EUR. Insgesamt entfielen damit rund 55 Prozent des gesamten Eigenkapitals auf zwei Unternehmen.
Branche fordert bessere Rahmenbedingungen für Wachstum
Trotz der im Jahresverlauf erzielten Gesamtsumme sieht die Branche weiterhin strukturelle Schwächen, insbesondere bei der Wachstumsfinanzierung. Darauf weist der Vorstandsvorsitzende des BIO Deutschland, Roland Sackers, hin: „Trotz eines schwierigen Finanzierungsumfelds und herausfordernder geopolitischer Rahmenbedingungen ist es unserer Branche wieder gelungen, mehr als 1,7 Mrd. Euro einzuwerben. Das ist ein positives Signal. Auch deshalb, weil wir 2025 relativ viele Seed-Runden gesehen haben. Schwächer ist hingegen leider die Wachstumsfinanzierung ausgefallen. Außer der Rekord-Serie C von Tubulis über 344 Mio. Euro gab es nur wenige, lediglich zweistellige Finanzierungsrunden. Umso wichtiger ist es jetzt, die Pläne der EU und der Bundesregierung für große Wachstumsfonds zügig umzusetzen. Biotechnologie ist eine Schlüsseltechnologie, wir sind eine Schlüsselbranche für Innovation, hochqualifizierte Arbeitsplätze und den Wohlstand Europas.“
Auch auf internationaler Ebene sieht der Verband erheblichen Handlungsbedarf. BIO-Deutschland-Geschäftsführerin Viola Bronsema ordnet die Entwicklung vor dem Hintergrund des globalen Wettbewerbs ein: „Das ist eine erfreulich positive Entwicklung. Dennoch müssen die Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Innovation dringend verbessert werden, wenn wir in Deutschland und der EU technologische Souveränität in der Biotechnologie erreichen möchten. In Großbritannien und der Schweiz konnten Biotechnologie-Unternehmen schon in den ersten drei Quartalen deutlich mehr Venture-Kapital auf sich vereinen als in Deutschland im gesamten Jahr. US-amerikanische Biotech-Unternehmen warben in den ersten neun Monaten über 14 Mrd. EUR Venture-Kapital ein. Neben privatem Kapital ist Geschwindigkeit die weitere kritische Größe. Die Hightech Agenda Deutschland, der Scale-up Fonds der EU und viele andere skizzierte und geplante Maßnahmen insbesondere zum Bürokratieabbau müssen jetzt zügig umgesetzt werden, damit unsere Branche im internationalen Wettbewerb weiterhin bestehen kann.“
Klaus Ort, Partner bei EY und Leiter des Marktsegments Life Sciences & Gesundheitswesen, verweist auf die langfristigen wirtschaftlichen Folgen einer anhaltenden Unterfinanzierung „Biotechnologie in Deutschland ist kein Nischenthema – sie ist ein ungenutzter Wachstumsmotor. Wer heute nicht investiert, wird morgen unsere eigene Wissenschaft möglicherweise teuer aus dem Ausland zurückkaufen. So mussten in der Vergangenheit bereits vielversprechende Firmen und Technologien aufgrund einer fehlenden Finanzierung an US-Investoren oder US-Unternehmen veräußert werden. Biotech sollte als einer der zukünftigen Wachstumstreiber für das Bruttosozialprodukt erachtet werden. Gemessen daran, wird hierzulande im Vergleich zu den USA, UK und Schweiz lediglich ein Viertel bis knapp die Hälfte an Risikokapital in Biotech-Firmen investiert. Gleichzeitig liegt Deutschland an der Spitze hinsichtlich der Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften. Die Verbesserung von steuerrechtlichen Bedingungen im Kapitalsektor wäre damit zusätzlich eine Conditio sine qua non.“
Viel Kapital, wenig Verteilung
Die Finanzierungslage der deutschen Biotechnologie zeigte 2025 somit ein gemischtes Bild. Zwar bleibt das Gesamtvolumen hoch, es ist jedoch stark auf wenige Unternehmen konzentriert. Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland bei der Biotechnologie-Finanzierung deutlich zurück. Während hiesige Unternehmen 2025 insgesamt 593 Mio. EUR Venture Capital erhielten, konnten Biotech-Unternehmen in Großbritannien und der Schweiz bereits in den ersten drei Quartalen mehr Kapital einwerben. In den USA lag das Venture-Capital-Volumen in den ersten neun Monaten bei über 14 Mrd. EUR. Ohne strukturelle Verbesserungen bei Kapitalverfügbarkeit, steuerlichen Rahmenbedingungen und Geschwindigkeit verliert der Standort an Attraktivität.
Autor/Autorin

Urs Moesenfechtel
Urs Moesenfechtel, M.A., ist seit 2021 Redaktionsleiter der GoingPublic Media AG - Plattform Life Sciences und für die Themenfelder Biotechnologie und Bioökonomie zuständig. Zuvor war er u.a. Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.






