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Aus alt mach neu?

Um die Gefahr einer Infektion mit SARS-CoV-2 einzudämmen, wird jedoch nicht nur an der Entwicklung von Impfstoffen gearbeitet, sondern auch vorhandene Medikamente getestet und neue Ansätze erarbeitet. Da auch die Medikamentenentwicklung allerdings lange Zeit in Anspruch nehmen kann, stützen sich viele auf die Idee, bereits für andere Erkrankungen zugelassene Arzneien zu verwenden. Hier liegen die Hoffnungen vor allem auf antiviralen Medikamenten, dämpfenden Immunmodulatoren und Medikamenten gegen Lungen- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders wichtig ist es jedoch, immer auch das Erkrankungsstadium des Patienten im Auge zu behalten. Medikamente, die für leicht Erkrankte helfen, können für Patienten auf der Intensivstation im schlimmsten Fall sogar nachteilig sein. Andere Medikamente haben eventuell eine vorbeugende Wirkung, wohingegen wieder andere Stoffe vielleicht nur beim Auftreten ganz spezifischer Symptome angebracht sind. Um all diese Eventualitäten bestmöglich abzuklären, sind multinationale, mehrarmige, kontrollierte und randomisierte Patientenstudien vonnöten.
Selbstverständlich sind aufgrund der aktuellen Thematik zahlreiche Unternehmen auf den fahrenden Zug aufgesprungen und versuchen, bei der Entwicklung ganz vorne dabei zu sein. Lange schien Remdesivir, ein ursprünglich gegen Ebola-Infektionen entwickeltes antivirales Medikament der Firma Gilead, ein heißer Kandidat, da es im Labor Wirksamkeit gegen MERS-Viren zeigte und in mehreren klinischen Studien in bestimmten Krankheitsstadien die Krankheitsdauer um einige Tage verkürzen konnte. Die Zulassung erfolgte zunächst in den USA und später in der EU; jedoch zeigte sich im Laufe der Zeit, dass das Mittel nur geringe Wirkung aufweist. Atriva Therapeutics aus Tübingen zählt zu den wenigen Unternehmen, die von jeher auf die Entwicklung antiviraler Medikamente zur Behandlung von durch RNA-Viren induzierten Atemwegserkrankungen spezialisiert sind, und forscht an einem ursprünglich gegen Grippe hervorgebrachten Kinaseinhibitor: ATR-002. Dieser zielt auf den intrazellulären Raf/MEK/ERK-Signalweg ab, der für die Vermehrung vieler RNA-Viren, u.a. auch der Coronaviren, essenziell ist. Phase I wurde bereits erfolgreich abgeschlossen; der Beginn einer Phase-II-Studie bei Influenza ist für Anfang 2021 geplant. Auch APEIRON Biologics aus Wien arbeitet an einem antiviralen Medikament: Hierbei fungiert APN01 als falscher Rezeptor und verhindert die Anheftung des Virus am Angiotensin-Converting Enzyme 2 (ACE2) und somit das Eindringen in die Wirtzellen. Zusätzlich wirkt das Medikament anti-inflammatorisch und hilft so dabei, Lungenschäden durch Entzündungsreaktionen zu vermeiden. Mithilfe dieses dualen Wirkmechanismus „sperrt APN01 dem Virus die Tür zu!“ Erste Ergebnisse der laufenden Phase-II-Studie werden Ende 2020 erwartet.

Wer macht das Rennen?

Am weitesten fortgeschritten bei der Medikamentenentwicklung scheint momentan die Biotechfirma InflaRx. Das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel (Paul-Ehrlich-Institut) gab der Jenaer Firma kürzlich das Go für eine Phase-III-Studie zur Behandlung von schweren COVID-19-Krankheitsverläufen. Mit dem Kandidaten IFX-1 soll die übermäßige Immunreaktion eingedämmt werden, indem C5a gehemmt wird, ein körpereigenes Molekül, das entzündungsfördernd wirkt. „Dank unserer Kernkompetenz in Intensivmedizin und vorherigen Untersuchungen von IFX-1 bei Sepsis und viralen Lungenschäden konnten wir schnell auf die aktuelle Pandemie reagieren“, stellte CEO Prof. Dr. Niels Riedemann dazu fest. Zudem erprobt die US-amerikanisch-deutsche Immunic Therapeutics ihren selektiven Immunmodulator IMU-838 in zwei laufenden Phase-II-Studien (Monotherapie und in Kombination mit Oseltamivir) mit stationär behandelten COVID-19-Patienten. IMU-838 hemmt über die Blockierung des Enzyms DHODH den intrazellulären Stoffwechsel aktivierter Immunzellen. Obwohl das Medikament in den laufenden Studien in erster Linie hinsichtlich seiner entzündungshemmenden Wirkung untersucht wird, ist einer der postulierten Vorteile des Medikaments eine wirtszellbasierte antivirale Wirkung. Aktuell befindet sich das Medikament in einer Phase-II-Studie.

Antikörpertherapie als Alternative

Ein weiterer interessanter Ansatzpunkt zur Therapie der Coronainfektion ist die Antikörpertherapie. Das US-Unternehmen Eli Lilly hat Anfang August hierzu gemeinsam mit dem Nationalen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) eine Phase-III-Studie mit dem monoklonalen Antikörper LY-CoV555 zur Prävention von COVID-19 in Langzeitpflegeeinrichtungen gestartet. Bei LY-CoV555 handelt es sich um einen potenten neutralisierenden monoklonalen IgG1-Antikörper, der gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 gerichtet ist. Es soll die Anhaftung und den Eintritt in menschliche Zellen blockieren, wodurch das Virus neutralisiert sowie möglicherweise COVID-19 verhindert und behandelt wird. Vor einigen Tagen konnte hier ein erster Zwischenerfolg vermeldet werden: Das Antikörpermedikament senkt die Zahl der Patienten, die stationär aufgenommen werden mussten, sowie die generelle Erholungszeit bei COVID-19.

Wichtigkeit der Diagnose

Abseits der Therapie ist natürlich auch die Diagnose von SARS-CoV-2 ein wichtiger Baustein in der Pandemiebekämpfung. Seit Mitte März engagiert sich beispielsweise das Diagnostikunternehmen CENTOGENE im Kampf gegen die Coronapandemie. Ausgehend vom Firmenhauptsitz in Rostock rief die Firma ein Pilotprojekt ins Leben, um lokale und nationale Behörden bei der Diagnose von COVID-19-Fällen zu unterstützen. An den Flughäfen Frankfurt und Hamburg hat CENTOGENE Testzentren eingerichtet, in Hamburg und in der Nähe von Frankfurt neue Labors aufgebaut und mobile Testeinrichtungen als Labortrucks etabliert. Der molekulardiagnostische Test zielt auf den qualitativen In-vitro-Nachweis von RNA aus SARS-CoV-2 mittels Oropharynxproben ab. Auch das Martinsrieder Unternehmen GNA Biosolutions mischt bei der Weiterentwicklung der Testtechnologie fleißig mit: Innerhalb von 30 Minuten sollen acht Proben gleichzeitig auf das Coronavirus getestet werden können und ein Ergebnis feststehen.

Fazit

Die Coronapandemie hat der Bevölkerung deutlich vor Augen geführt, wie schnell ein Virus das gesamte öffentliche Leben stilllegen kann und wie wichtig die Entwicklung von Arzneimitteln und Impfstoffen für die globale Gesundheit ist. Ein sorgfältiger Prüfprozess ist unabdingbar, damit Patienten diese neuen Arzneien dann auch bedenkenlos einnehmen können. Denn wir sollten uns alle bewusst sein: Der Kampf gegen das Coronavirus ist leider noch immer nicht vorbei!

Über den Autor / die Autoren

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