Holding-Struktur schafft Flexibilität
Bis in das Jahr 1882 reichen die Anfänge der traditionsreichen BHB-Kernmarke „Herrnbräu“ zurück. In den vergangenen sechs Jahren schufen die Verantwortlichen dann mit der Entflechtung des Brauereigeschäfts von den Immobilienaktivitäten die für die heutige Unternehmensstruktur notwendigen Voraussetzungen. Während die bereits börsennotierte BBI AG (Bürgerliches Brauhaus Immobilien), eine Tochter der VIB Vermögen AG, fortan als Immobilienholding auftreten soll, wurde die BHB als Holding für das eigene Brauereigeschäft installiert. Die Holding-Konstruktion bietet vor allem einen wesentlichen Vorteil: Unter dem Dach der BHB lassen sich so recht unkompliziert weitere Marken oder auch ganze Brauereien eingliedern. Erklärtes Ziel des BHB-Vorstands ist es nämlich, auch in Zukunft über eine „Buy & Build“-Strategie am Konsolidierungsprozess der Branche teilzunehmen. Seit 2003 haben die Ingolstädter bereits ein halbes Dutzend Übernahmen regionaler Brauereien erfolgreich geschultert.

Wachstum im schwierigen Umfeld
Der Bierkonsum ist nicht nur hierzulande in den letzten Jahren rückläufig. Dieser für die Branche insgesamt wenig erfreuliche Trend, der sich mit veränderten Konsumgewohnheiten und dem demographischen Wandel erklärt, sorgt für einen anhaltend hohen Konsolidierungsdruck. Nach Einschätzung des BHB-Vorstands wird sich die Übernahmewelle mit Blick auf die nächsten Jahre sogar noch verstärken. Neben gezielten Zukäufen in den regionalen Stammmärkten Süddeutschlands möchte die Unternehmensführung auch im Ausland weiter wachsen. Vor allem in Italien, wo man bereits seit 20 Jahren vertreten ist, sieht BHB-Vorstand Franz Katzenbogen Chancen. Zudem seien mittel- bis langfristig auch andere angrenzende Märkte wie Österreich und Ungarn für BHB ein Thema. Und selbst für den Nicht-Biertrinker hat BHB das Passende im Angebot. So umfasst die Produktpalette mehr als 20 verschiedene alkoholfreie Erfrischungsgetränke. Auf die Mineralwässer, Limonaden, Schorlen und Energy Drinks entfällt rund ein Drittel des Konzernumsatzes.

Trotz des rückläufigen Marktes hat BHB gute Chancen, ihr Umsatzniveau von 15,5 Mio. Euro 2009 in diesem und dem nächsten Jahr zumindest zu behaupten. Dabei könnte die Profitabilität leicht steigen, da das Unternehmen voraussichtlich noch stärker als bislang auf margenstärkere Eigenmarken setzen wird. Mögliche Übernahmen von weiteren Brauereien oder Vertriebsrechten sind in dieser Prognose nicht berücksichtigt.

BHB Brauholding AG – Geschäfts- und Kennzahlen

2009

2010e

2011e

Umsatz*

15,5

15,5

15,5

Nettoergebnis*

0,1

0,2

0,3

EpS

0,04

0,06

0,10

KGV

79

35

25

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: eigene Schätzungen GoingPublic Research

Kapitalerhöhung zum Festpreis
Nachdem erst im Februar Katzenbogen und sein Vorstandskollege Gerhard Bonschab zu einem Ausgabepreis von 2 Euro zusammen 400.000 Aktien im Rahmen einer Barkapitalerhöhung zeichneten, steht nun eine weitere und zugleich größere Kapitalrunde an. Das öffentliche Angebot umfasst bis zu 1,6 Mio. Aktien, die vermutlich ab Ende Juni zu einem bei Redaktionsschluss nicht bekannten Festpreis gezeichnet werden können. Bei voller Platzierung am Mittelstandssegment m:access der Börse München würde der Anteil des Managements von derzeit knapp 27% auf 13% fallen. Katzenbogen will den Erlös zur Tilgung von Bankschulden und für weitere Expansionsschritte (Akquisitionen) einsetzen. Das Unternehmen plant bei einem Ausgabekurs von 2,80 Euro mit einem Emissionserlös von bis zu 4,5 Mio. EUR.

BHB Brauholding AG – Emissionsparameter
WKN

A1C RQD

Erstnotiz

voraussichtlich 8. Juli

Zeichnungsfrist

voraussichtlich 28 Juni bis 5. Juli

Preis

2,80 Euro (Festpreis)

MarketCap

ca. 8,7 Mio. Euro

Marktsegment

m:access

Emissionsprospekt

ja

Emissionsvolumen

bis zu 1,6 Mio. Aktien aus Kapitalerhöhung

Emissionsvolumen bis zu 4,5 Mio. Euro

Konsortium

Baader

Free Float

Bis zu 52%

Internet

www.bhb-ag.de

Fazit
BHB hat in den vergangenen Jahren die Plausibilität seines Geschäftsmodells in einem durchaus anspruchsvollen Umfeld unter Beweis gestellt. Die Expansion geschieht mit Augenmaß und ohne sich in schwer kalkulierbare Abenteuer zu verzetteln. Vor dem Hintergrund der soliden Bilanzstruktur und eines deutlich positiven Cashflows will der Vorstand in Zukunft eine Dividende zahlen. Auch das macht – zusammen mit dem durchaus fairen Ausgabebreis von 2,80 Euro – aus der BHB-Aktie ein Papier mit Bodenhaftung und Substanz.

Marcus Wessel