Als erster Reflex in Zeiten wie diesen wird leider meist ausschließlich Kostensenkung angestrebt, was oft auch eine Verringerung der Weiterbildungsbudgets in den Firmen zur Folge hat. Dabei ist dies genau der Schritt in die falsche Richtung. Die Finanzmarktkrise bestätigt die Wichtigkeit von Investitionen in berufliche Qualifikation. Nur so kann man gestärkt aus der Krise hervorgehen; sowohl als einzelnes Haus als auch als gesamte Branche.

Aus- und Weiterbildung von zentraler Bedeutung
Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, die Bedeutung und Notwendigkeit zur soliden Aus- und Weiterbildung im Finanzbereich nicht nur zu bekräftigen, sondern auch vorzuleben.

Der ethische Anspruch ist genau genommen sogar dreifach gegeben.
Die Akteure müssen ethische Werte vorleben, das heißt authentisch sein. Dies ist das Plädoyer für die Sekundärtugenden.
Zweitens müssen die Inhalte von Weiterbildungs- und Postgraduiertenprogrammen ethische Ziele spiegeln.
Und drittens ist das Credo des Lernens selbst ein ethischer Anspruch, der entsprechender Unterstützung durch Vorgesetzte und Entscheider bedarf.

Was heißt das, „authentisch sein“, welches Werteumfeld ist damit gemeint? Sind diese Wertvorstellungen überhaupt noch aktuell?

Rückbesinnung auf traditionelle Werte
In Zeiten der Krise besinnt man sich gerne auf die Grundlagen. Wenn die Krise überhaupt etwas Positives mit sich bringt, dann ist es die Rückbesinnung auf traditionelle Werte. Mit „traditionell“ meine ich insbesondere jene Werte, die als sogenannte Sekundärtugenden bezeichnet werden und die so etwas wie ein Gerüst abgeben, das den Rahmen für die weitere Definition von ethischen Inhalten meint: Bescheidenheit, Fleiß, Geradlinigkeit, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Authentizität, um nur einige zu nennen.

Eine Tugend, die nicht vergessen werden sollte, ist die Demut. Eben diese Demut sollte jeder, der insbesondere in diesen Zeiten mit Kunden zu tun hat, aufbringen, denn es sind ja zweifelsohne Fehler gemacht worden; egal, ob man diese selbst zu verantworten hat oder nur stellvertretend für das eigene Haus auftritt.

Bevor wir beginnen, Primärtugenden zu diskutieren und zu definieren, müssen wir uns über die tragende Bedeutung der Sekundärtugenden im Klaren sein. So macht es zum Beispiel nur Sinn, ethische Regeln für die Teilnehmer an den Märkten aufzustellen, wenn sie auch authentisch agieren.

Weiterbildung für besseres Image
Diese Regeln und diese Inhalte können durch Weiterbildung vermittelt und implementiert werden. Das stark ramponierte Ansehen des Berufsstandes kann und muss sich verbessern. In der Zukunft ist vor allem also auch die Finanzbranche selbst gefordert, um das Vertrauen zueinander, das Vertrauen der Kunden und vor allem das Vertrauen der Gesellschaft in das Finanzwesen wieder neu aufzubauen.

Der Anspruch von „Wahrheit und Klarheit“, zu dem die notwendige Transparenz gehört, ist sicher auch hervorzuheben. Dazu zählt die aktive Verwendung der deutschen Sprache, die den Zugang zum deutschen Kunden viel einfacher macht, als die unzähligen Anglizismen, die das „Tagesgeschäft“ mehr und mehr dominieren. „Man spricht Deutsch!“ ist vielfach wieder zu einem Motto geworden, das gerade der deutsche Kunde zu schätzen weiß. Auch dies müssen wir der nachrückenden Generation durch Weiterbildung vermitteln.

In diesem Zusammenhang muss übrigens gefragt werden, inwieweit sich die Finanzmärkte von der Realwirtschaft entkoppelt haben. Mit etwas mehr Bodenhaftung wären uns viele Entwicklungen sicher erspart geblieben.

Credo des Lernens
Welche Bedeutung hat das Lernen in der Finanzbranche? Mit „Credo des Lernens“ meine ich eine Haltung, die die lebens- und berufsbegleitende Notwendigkeit von Fort- und Weiterbildung in den Blick nimmt. Die Veränderungen an den Finanzmärkten können nur dann angemessen beurteilt werden, wenn sie tatsächlich als Veränderungen wahrgenommen werden und die Akteure anschließend entsprechend agieren. Starre, geradezu vorzeitlich anmutende Instrumentarien sind für die immer schneller werdenden Takte unangemessen. Aber: Rahmenbedingungen können positiven, stabilisierenden Einfluss haben, und dies insbesondere in Bezug auf die oben besprochenen Sekundärtugenden. Dies ist ein besonderer Anspruch an die Aus- und Weiterbildung.

Selbstkritische Berufsverbände wie die DVFA spielen eine besondere Rolle, um das Ansehen des Standes zu verbessern. Sie definieren ethische Standards, bieten Seminare, Programme und Diskussionsforen, um bei allen Verwerfungen jene die Selbstreflexion ermöglichende kritische Distanz zu wahren.

Von Frank Klein, Managing Director, DB Advisors

Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 02/2010

 

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