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Insbesondere die Vorkommnisse rund um die diesjährige ordentliche Hauptversammlung der STADA Arzneimittel AG vom 26. August 2016 haben verdeutlicht, dass aktivistische Aktionäre zunehmend auch in Deutschland aktiv Einfluss auf börsennotierte Unternehmen zu nehmen versuchen. Dr. Alexander Thomas, Pinsent Masons 

Dr. Alexander Thomas, Pinsent Masons
Dr. Alexander Thomas, Pinsent Masons

Auch wenn Vorgehen und Zielrichtung dieser Aktionärsgruppe vielschichtig sind, drängen solche Investoren in der Regel über den Weg der Hauptversammlung auf personelle Veränderungen im Management und hierüber auch auf eine Neuausrichtung der Unternehmensstrategie mit der Zielsetzung, den Shareholder Value zu steigern. Der zunehmende Einfluss aktivistischer Aktionäre scheint sich weiter zu verstärken, sodass vermutlich auch die Hauptversammlungssaison 2017 von solchen Auseinandersetzungen geprägt sein wird.

Überblick

Gerade in den USA ist das Auftreten aktivistischer Aktionäre, insbesondere durch Hedgefonds, bereits seit Jahrzehnten weit verbreitet. Zwar waren derartige Auseinandersetzungen in Europa und insbesondere in Deutschland vereinzelt schon in der Vergangenheit anzutreffen (beispielhaft bei Deutsche Börse, CeWe Color Holding oder Demag Cranes). Doch dieser Trend scheint sich jüngst zu verstärken (beispielhaft neben STADA bei Volkswagen, thyssenkrupp, Bilfinger). Solch aktivistische Aktionäre, denen zumeist nur wenige Prozente an der Zielgesellschaft gehören, versuchen insbesondere über den Weg der Hauptversammlung Einfluss auf die Organbesetzungen und damit mittelbar auch auf die Unternehmensstrategie zu nehmen, indem sie durch ein aktives Auftreten weitere Aktionärsgruppen auf ihre Seite zu bringen versuchen. Gerade institutionelle Investoren öffnen sich zusehends solchen Aktivitäten und sind bereit, aktivistische Aktionäre in ihrem Vorgehen zu unterstützen. Ein weiteres Indiz für den zunehmenden Einfluss ist der deutliche Ausbau der finanziellen Ausstattung in den letzten Jahren. Aus Sicht der hiesigen börsennotierten Gesellschaften begünstigen die oftmals niedrigen Präsenzquoten in Hauptversammlungen, der zunehmende Einfluss von Stimmrechtsberatern wie auch der ausgeprägte aktienrechtliche Minderheitenschutz im Zusammenhang mit Hauptversammlungen das aktive Auftreten solcher Aktionäre. Mitunter muss die Strategie der aktivistischen Aktionäre nicht zum Nachteil der (Streubesitz-)Aktionäre sein. Letztlich sind sie auch Teil einer funktionierenden Aktionärsdemokratie.

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