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Für große Konzerne spielt das Thema Nachhaltigkeit & CSR eine entscheidende Rolle. Im  Gespräch mit dem GoingPublic Magazin sprechen Stephanie Raabe, Projektleiterin im Chief Sustainability-Team der SAP SE und Gabriele Hartmann, Leiterin des Bereichs Corporate Social Responsibility für Mittel-und Osteuropa der SAP SE, über die Facetten einer modernen Nachhaltigkeitsstrategie und CSR als Werttreiber für Unternehmen.

GoingPublic: Frau Raabe, Frau Hartmann, wo kommt SAP überhaupt mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ in Berührung?
Raabe: Seit der Gründung in den frühen 1970er Jahren unterstützt SAP ihre Kunden dabei, Prozesse zu optimieren und dadurch Ressourcen zu schonen. Wer beispielsweise seine Transportlogistik optimiert oder das nahezu papierlose Büro erreicht, wirtschaftet nachhaltiger. Somit sind wir mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit groß geworden. Durch unsere mittlerweile über 253.000 Kunden verfügen wir hier über einen riesigen Hebel. Im eigenen Haus möchten wir eine nachhaltige Geschäftsstrategie etablieren, die ökonomische, ökologische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.

GoingPublic: Wann hat SAP begonnen, eine Nachhaltigkeits- bzw. CSR-Strategie zu entwickeln und was waren die Beweggründe?
Hartmann: Soziales Engagement war schon immer ein Bestandteil der DNA des Unternehmens. Die Anfänge lagen in einem rein philanthropischen Ansatz, bei dem Schecks überreicht wurden und haben sich dann zu Programmen entwickelt, die sowohl einen Mehrwert für die Gesellschaft als auch für das Unternehmen selbst generieren.

Raabe: Im Jahr 2009 hat die SAP dann Nachhaltigkeit zu einem strategischen Thema gemacht. Wir haben damals in der Finanzkrise gesehen, dass unsere Kunden und wir selbst einiges anders machen wollten. Die Position des Chief Sustainability Officers mit einem eigenen Team wurde geschaffen und eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet. Diese fußt einerseits darauf, dass wir unseren Kunden Lösungen anbieten, die ihnen helfen, nachhaltiger zu werden. Andererseits zielt sie darauf ab, dass wir als SAP nachhaltiger werden.

GoingPublic: Was bedeutet Nachhaltigkeit speziell für SAP?
Raabe: Für uns bedeutet es, unsere Vision zu verwirklichen: „Help the world run better and improve people’s lives“, also die Abläufe in der weltweiten Wirtschaft zu verbessern und die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen. Wenn wir es schaffen, uns dieser Vision zu nähern, dann werden wir ein nachhaltigeres Unternehmen. Dabei möchten wir soziale, ökonomische und ökologische Risiken und Chancen ganzheitlich managen.

Stephanie Raabe und Gabriele Hartmann, SAP SE
Stephanie Raabe und Gabriele Hartmann, SAP SE

GoingPublic: Wie messen Sie eigentlich Nachhaltigkeit?
Raabe: Wir versuchen, uns durch verschiedene Kenngrößen dieser Frage zu nähern. Derzeit zeigen verschiedenste Auszeichnungen und Ratings, dass wir mit unserer nachhaltigen Geschäftsstrategie auf dem richtigen Weg sind. So sind wir seit sieben Jahren in Folge auf dem ersten Platz im Software-Sektor des Dow Jones Sustainability Index und seit Jahren unter den Global 100 Most Sustainable Corporations in the World. Das ist der externe Spiegel, der uns vorgehalten wird. Andererseits haben wir auch interne Messkriterien entwickelt, zum Beispiel für Mitarbeiterengagement, Treibhausgasemissionen oder Kundentreue. Wichtig ist uns jedoch, dass wir diese Kennzahlen auch im Zusammenspiel mit dem finanziellen Erfolg der SAP betrachten. Detailinformationen dazu enthält unser Integrierter Bericht (www.sapintegratedreport.de ).

GoingPublic: Viele Aktivitäten im Bereich CSR beziehen bei Ihnen die Mitarbeiter ein. Wie wirkt sich das auf diese und das Unternehmen aus?
Hartmann: Das ist für uns eine der spannendsten Wechselwirkungen. Denn gerade in der IT-Industrie ist ja das Ergebnis der Arbeit nicht immer unmittelbar sichtbar. Besonders spannend sind die Erfahrungen aus dem Pro-Bono Engagement, wenn Kollegen z.B. unseren sozialen Start-Ups mit ihren Fachkenntnissen helfen: Neue Ideen, mehr Vertrauen in die eigenen Kompetenzen, alternative Lösungen für die eigene Arbeit sind da nur einige der Dinge, die immer wieder als bereichernd empfunden werden. Und das kommt natürlich letztendlich auch dem Unternehmen zugute.

GoingPublic: Welche Rolle spielt Innovation für das SAP-Nachhaltigkeitskonzept?
Raabe: Nachhaltigkeit ist ein Treiber für Innovationen. Aktuelles Beispiel ist unser CO2-neutrales Mobilitätskonzept der SAP E-Fleet, bei dem wir bis 2020 ein Fünftel der Firmenwagen rein elektrisch betreiben möchten: Im vergangenen Jahr gingen 24% unserer CO2-Emissionen auf das Konto unserer 22.000 Firmenwagen. Unser konzernweites Reduktionsziel werden wir nur dann erreichen, wenn wir einen signifikanten Teil der Fahrzeuge auf Grünstrom umstellen. Und dies wiederum treibt Innovationen voran: Unser Ziel ist es jetzt, praxistaugliche, marktfähige Softwarelösungen zu entwickeln, um die zahlreichen Elemente der Elektromobilität in einem intelligenten Steuerungssystem zu vernetzen.

GoingPublic: Sie unterstützen engagierte Jungunternehmer mit dem Programm „Social Impact Start“. Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit hier?
Hartmann: Es ist ein Programm, mit dem wir seit Herbst 2011 bereits über 120 junge Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterstützt haben. Wir helfen ihnen, in einem achtmonatigen Stipendienprogramm eine soziale Geschäftsidee zu einem echten Business Model zu wandeln. Nachhaltigkeit spielt hier eine große Rolle: Wir alle wissen, dass sich unsere Sozialsysteme wandeln müssen, z. B. aufgrund des demographischen Wandels. Social Impact Start möchte dazu beitragen, wirtschaftlich solide Lösungen für diese Herausforderungen zu entwickeln. Wir stellen die nötige Infrastruktur zur Verfügung, aber auch Fachberater und SAP-Mentoren mit speziellem Know-how. Die Bandbreite der neuen Unternehmen ist groß: Von „original unverpackt“, das Einkaufen ohne Verpackungsmüll ermöglicht, über „balkonbienen.org“, das dem Bienensterben entgegen wirkt, bis hin zu „more than shelter“, das menschenwürdige Unterkünfte in Flüchtlingslagern anstrebt.

GoingPublic: IT verändert nicht nur unseren Alltag sondern auch unsere Gesellschaft. Themen wie Sicherheit oder Big Data machen auch vor dem sozialen Sektor nicht Halt.  Wie lässt sich hier eine Brücke zu CSR & Nachhaltigkeit schlagen?
Hartmann: IT kann ein wertvoller Verbündeter und Treiber des sozialen Wandels sein. Wir sehen das an vielen unserer sozialen Start-ups. Kaum eines, das nicht auf digitale Medien zurückgreift. Generell hat hier der gemeinnützige Sektor, gerade vielleicht auch in Deutschland, noch Nachholbedarf. Wir arbeiten darum mit Organisationen wie stifter-helfen.de zusammen, die kostenlos Software an gemeinnützige Projekte und Initiativen abgeben. Oder wir haben mit „Online Helden“, gemeinsam mit betterplace.org, eine Möglichkeit geschaffen, dass sich Organisationen durch eine Online Akademie weiterbilden. Im September werden 30 der Teilnehmer zu einem speziellen „Boot Camp“ nach Berlin eingeladen, auf dem sich dann Spezialisten gezielt um ihre jeweilige digitale Herausforderung kümmern.

GoingPublic: Wer ist Ihrer Meinung nach Treiber der Nachhaltigkeitsbewegung: Politik oder Unternehmen?
Raabe: Die Politik steht in der Verantwortung, die richtigen Stellschrauben hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu stellen. Die Unternehmen aber haben es in der Hand, nachhaltiges Wirtschaften in die Tat umzusetzen. Wir sehen uns hier in einer Vorreiterrolle und profitieren von unserem Engagement in vielerlei Hinsicht: Neben einer höheren Mitarbeitermotivation, wie von Frau Hartmann beschrieben, ergeben sich weitere Kostenvorteile: Seit 2008 etwa haben wir durch die Reduktion von Treibhausgasemissionen mehr als 290 Mio. EUR Kosten vermieden.

GoingPublic:
Frau Raabe, Frau Hartmann, vielen Dank für das interessante Gespräch!

Das Interview führte Svenja Liebig

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