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DIRK CornerUnternehmen legen sich immer mehr ins Zeug, nachhaltig zu agieren und dies auch zu kommunizieren. Gleichzeitig investieren Portfoliomanager immer größere Beträge in nachhaltige Unternehmen. Man sollte glauben, das führt zur Zufriedenheit auf beiden Seiten. Weit gefehlt. Die Realität ist:  Es wächst die Frustration der Unternehmer im gleichen Maße wie Anspruch und Skepsis der Investoren. Das belegt die Accenture-Studie von 2014: Eine gewaltige Lücke klafft zwischen der Selbsteinschätzung des Managements und dem Urteil der Investoren, was Umsetzung und Kommunikation von Nachhaltigkeit angeht. Eine Beobachtung, die wir aus vielen Follow-Up-Gesprächen nach einer für Kunden organisierten Nachhaltigkeits-Roadshow bestätigen können. Häufig gelingt es den CEOs und IROs nicht, die Informationsbedürfnisse der Investoren zu befriedigen. Was läuft da schief?

Gute Absichten – aber man redet aneinander vorbei

Investoren und Unternehmen reden offenbar aneinander vorbei: So glauben 80 % der von Accenture befragten CEOs, dass sie Nachhaltigkeit strategisch zum Ausbau von Wettbewerbsvorteilen ausagieren. Allerdings sind nur 14 % der in diese Unternehmen investierten Portfoliomanager der Meinung, dass die Unternehmen diesen Wettbewerbsvorteil erkennen. Ähnlich sieht es bei der Frage nach einer kohärenten Strategie aus, welche die Möglichkeiten, die Nachhaltigkeit bietet, auch konsequent ausnutzt: Während 57 % der CEOs davon überzeugt sind, eine solche Strategie nachweisen zu können, glauben an deren Existenz gerade einmal 8 % der in diese Unternehmen investierten Investoren. Laufen die Unternehmen also in die falsche Richtung? Oder versteht man sich einfach nicht richtig?

Investoren klagen – Unternehmen kommunizieren nicht effektiv

Investoren beklagen, dass Unternehmen häufig nicht kommunizieren, wie nachhaltige Initiativen sich konkret auf die Unternehmensstrategie, die finanzielle Entwicklung und damit auch auf die Unternehmensbewertung auswirken. Dahinter steht, dass Investoren für die Bewertung von Unternehmen quantifizierbare Daten benötigen, die a) Vergleichbarkeit gewährleisten und b) in Bewertungsmodelle wie bspw. ein Discounted Cash Flow Modell integriert werden können. – Wussten Sie übrigens, dass in Bloomberg die Abfrage von ESG-Daten derzeit das am stärksten wachsende Nutzersegment darstellt?

Eva Reuter, Inhaberin der Beratungsagentur Dr. Reuter Investor Relations
Eva Reuter, Inhaberin der Beratungsagentur Dr. Reuter Investor Relations

Quantifizieren und Zahlen liefern – die große Herausforderung

Inwieweit können nun Aspekte einer Nachhaltigkeits-Initiative quantifiziert werden? Kann man bspw. Initiativen im Bereich von sozialem Engagement in Zahlen fassen, die sich wiederum zur Integration in ein Bewertungsmodell eignen? Hier gibt es eine Reihe von Reporting-Ansätzen wie die Global Reporting Initiative (GRI), SASB und Initiativen von Verbänden wie die KPIs von EFFAS. Alle versuchen, die relevanten ESG-Daten für die Unternehmen zu identifizieren, damit diese sie wiederum in ihr reguläres Reporting integrieren.

Aber Achtung: Gerade kleine Unternehmen können mit der Fülle und vor allem der Diversität der nachgefragten Informationen schnell überfordert sein. So gibt es inzwischen laut Jean Rogers, CEO von SASB, über 100 ESG-Rating-Agenturen mit über 400 ESG-Unternehmens-Ratings und über 8.000 ESG-Kennzahlen. Deren Informationsbedürfnisse können Unternehmen schlicht und ergreifend nicht alle erfüllen.

Wie kommen die Zahlen zu den Investoren? – Schlagen Sie die Trommeln!

Nur wenige Unternehmen in Deutschland haben die relevante Größe, um von Beginn an auf der Watchlist von Investoren zu stehen. Alle anderen müssen die Trommeln schlagen, um sich Gehör zu verschaffen. Laut einer Studie von Kepler Cheuvreux aus dem Jahre 2014 haben nur 15% der befragten Unternehmen eine Nachhaltigkeitsroadshow etabliert und nur 5% einen ESG Investoren-Tag. Die wenigen, die eine ESG-Roadshow durchführen, widmen diesem Thema in der Regel weniger als 5 Tage pro Jahr: Die Trommeln bleiben zu oft stumm.

Für einen fruchtbaren Dialog

Wie können Unternehmen es den Investoren einfacher machen?

  • Informieren: Welchen Informationsbedarf hat Ihre Zielgruppe? Initiativen und Verbände wie GRI, SASB, EFFAS geben erste Hinweise auf die Informationsbedürfnisse Ihrer Zielgruppen. Legen Sie fest, welche Informationen Sie bereitstellen können und wollen. Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht alle gewünschten Informationen bereitstellen können. Wo immer möglich: Quantifizieren Sie ESG-Informationen.
  • Implementieren: Entwickeln Sie einen ESG-Kommunikationsplan: Definieren Sie Ihre ESG-Ziele, Ihre Zielgruppen, Ihre Ressourcen, Ihre geplanten ESG-Aktivitäten. Berücksichtigen Sie – soweit betroffen (Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern) – bereits frühzeitig die ab dem kommenden Jahr laut EU-Richtlinie verpflichtende CSR-Berichterstattung in Ihrem Kommunikationsplan.
  • Identifizieren: In den Investment-Fokus welcher ESG-Investoren fällt Ihr Unternehmen? Welche Analysten könnten sich für Sie interessieren? Welche ESG-Rating-Agenturen sind für Ihr Unternehmen von Bedeutung? Entwickeln Sie ein Register mit potenziellen ESG-Zielgruppen.
  • Animieren: Wer wahrgenommen werden will, muss trommeln: Organisieren sie eine ESG-Roadshow oder einen ESG-Investoren-Tag, laden Sie Ihre Zielgruppe zu Veranstaltungen oder Web-Konferenzen ein – schlicht: Suchen Sie den persönlichen Kontakt zu Ihrer Zielgruppe.
  • Kommunizieren I: Fragen Sie in Vorbereitung zur Roadshow konkret nach: Welchen Investmentansatz verfolgt welcher Portfoliomanager? Welche ESG-Informationen benötigt er für seine Bewertungsmodelle? Lernen Sie den Investor und seine Bedürfnisse kennen.
  • Kommunizieren II: Nutzen Sie den persönlichen Kontakt während einer Roadshow, den Investor oder den Analysten besser zu verstehen. Fragen Sie nach: Welcher Nachhaltigkeits-Ansatz wird verfolgt? Welcher Investment-Approach wird realisiert? Was sind die Informationsquellen des Investors? Welchen Zwängen unterliegt der Investor / Analyst bspw. durch ein vorgeschaltetes Ethik-Komitee? Welche Messen besucht er? Welche Fachzeitschriften liest er?
  • Perpetuieren: Bleiben Sie am Ball – auch wenn Investoren nicht sofort investiert haben. Fragen Sie nach, warum nicht und lernen Sie daraus. Fehlten Informationen? Oder benötigt der Investor einfach noch Zeit, um das Management oder die Branche besser kennen zu lernen? Kern der Investor-Relations-Arbeit sind Beziehungen: Bauen Sie eine nachhaltige Beziehung auf zu den Investoren und kommunizieren Sie regelmäßig mit ihnen.

 

Quellen: PRI: The Investor Study: Insights from PRI Signatories von Accenture; Kepler Cheuvreux: European Corporate Survey; Next is ESG Communication, 2014

Dr. Eva Reuter ist Inhaberin der Beratungsagentur Dr. Reuter Investor Relations. Die Agentur organisiert bereits seit vielen Jahren SRI-Roadshows, schreibt Nachhaltigkeitsreporte und ist spezialisiert auf die digitale Kommunikation von nachhaltigen Themen

 

Über den Autor

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