Bildnachweis: ©Wolfilser – stock.adobe.com.

William Eggers, Senior Vice President Executive Rewards, und Nora Dublanka, Consultant Executive Rewards, Hay Group

249.000 EUR war deutschen DAX-Unternehmen im Mittel die Leistung ihres Aufsichtsratsvorsitzenden wert. Ein Aufsichtsratsmitglied erhielt dagegen im Mittel 115.000 EUR. Somit sind die Vergütungen für Aufsichtsratsvorsitzende und -mitglieder in Deutschland im europäischen Vergleich überdurchschnittlich. Dies zeigt eine Studie, in die Daten von 390 Unternehmen aus zwölf europäischen Ländern eingeflossen sind, basierend auf den letztjährigen Geschäftsberichten.

In Europa zahlten Unternehmen ihren Aufsichtsratsvorsitzenden im vergangenen Jahr im Mittel 214.800 EUR (2011: 237.900 EUR). Die Gesamtvergütung von Aufsichtsratsmitgliedern in Europa stieg von 71.500 auf 75.200 EUR. Insgesamt bleibt jedoch festzuhalten, dass die Vergütungsniveaus der Aufsichtsräte in Europa eher stagnieren. Dies steht im starken Kontrast zu steigenden Anforderungen an die Positionen durch vermehrte Regulierung. Außerdem zeigt die Studie, dass tendenziell mehr Frauen in den Aufsichtsräten vertreten sind, sich der Vergütungsunterschied jedoch eher verstärkt.

Europaweite Zurückhaltung bei der Aufsichtsratsvergütung
Mit rund 1 Mio. EUR erhielten Verwaltungsratsvorsitzende in der Schweiz die höchste Vergütung in Europa. Verwaltungsratsmitglieder konnten sich dort im vergangenen Jahr durchschnittlich über 251.200 EUR freuen. Ganz anders sieht es hingegen im Nachbarland Österreich aus. Dort bekam ein Aufsichtsratsvorsitzender im vergangenen Jahr im Mittel lediglich 51.600 EUR und das Aufsichtsratsmitglied erhielt nur 20.500 EUR. Damit zahlen österreichische Unternehmen die geringsten Vergütungen der zwölf untersuchten europäischen Länder.

Die erhöhte Aufmerksamkeit der Aktionäre, Aufsichtsbehörden und Öffentlichkeit in Europa liegt weiterhin auf der Vergütung für das Top-Management und dämpft daher Erhöhungen in diesem Bereich. Das gilt jedoch nicht nur für Vorstände, sondern beeinflusst auch die Vergütungspraxis für den Aufsichtsrat. So stagnierte nicht nur die Vorstandsvergütung, sondern auch die Vergütung für Aufsichtsräte, obwohl zunehmend höhere Anforderungen an die Aufsichtsräte gestellt werden. So gab es im Median in keinem der untersuchten Länder mit Ausnahme von Schweden eine Erhöhung in der Vergütungsausgestaltung im Vergleich zum Vorjahr.

Quelle: Hay Group


Nur 13% der deutschen Aufsichtsratsmitglieder sind Frauen

Die Studie zeigt auch, dass die Aufsichtsräte in Deutschland weiterhin von Männern dominiert werden. So sind nur 13% der Aufsichtsratsmitglieder in Deutschland Frauen. Dieser Prozentsatz ist im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich.

Einen hohen Frauenanteil in ihren Aufsichtsräten haben die Skandinavier. So sitzen in norwegischen Aufsichtsräten zu 38% Frauen, in Schweden und Finnland sind es je 28%. Das überrascht nicht. Denn Norwegen hat im Jahr 2003 eine Frauenquote von 40% eingeführt. In Schweden und Finnland gibt es zwar keine Quote, aber der öffentliche Druck hat dazu geführt, dass der Anteil von Frauen in den vergangenen Jahren gestiegen ist.

Quelle: Hay Group

Auch in den meisten anderen europäischen Ländern hat sich der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. So waren 2012 lediglich in einem der zwölf untersuchten Länder, nämlich Italien, mehr als 90% der Aufsichtsräte männlich. 2011 war dies noch in sieben der zwölf untersuchten Länder der Fall.

Trotz des erhöhten weiblichen Anteils hat sich die Gehaltssituation für Frauen in Aufsichtsräten verschlechtert. Das Lohngefälle resultiert aus der Tendenz, weiterhin die strategisch wichtigen und zusätzlich vergüteten Positionen in den Ausschüssen mit Männern zu besetzen. So besteht in Europa ein Vergütungsunterschied von 9% im Median zwischen Männern und Frauen bei den tatsächlichen Bezügen. Mit 22% ist ein besonders hohes Lohngefälle in Italien zu beobachten. Deutschland liegt mit 15% Vergütungsunterschied mit Belgien und der Schweiz gleich auf.

Auch bei der Vergütung sind die skandinavischen Länder vorbildlich: In Finnland und Schweden liegen die Unterschiede bei lediglich 5 bzw. 6%, während in Norwegen die Frauen im Median sogar etwas mehr verdienen als die Männer.

Quelle: Hay Group

Dennoch kann die Einführung einer Frauenquote nicht die Lösung sein. Um Aufsichtsratspositionen mit den besten Talenten zu besetzen, müssen Unternehmen in Europa ihre Bemühungen erhöhen, dem Diversitätsgedanken zu folgen und starke Führungspersönlichkeiten mit möglichst breit gefächertem Hintergrund und Fähigkeiten zu entwickeln.

Über die Studie
In die Studie eingeflossen sind Daten von 390 Unternehmen aus zwölf Ländern, die in den großen europäischen Indizes vertreten sind. Die zwölf untersuchten Länder sind: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz, Spanien und Österreich. Die Daten stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen wie Jahresberichten.