Der digitale Mittelstandsfinanzierer creditshelf hat ganz aktuell seine Finanzzahlen 2019 vorgelegt. Wir sprachen mit Jan Stechele u.a. über die Geschäftsentwicklung, die Auswirkungen der Coronakrise auf das Geschäftsmodell und die Zukunftsaussichten 2020 des FinTechs.

GoingPublic: Herr Stechele, creditshelf hat heute die Geschäftszahlen für das Jahr 2019 veröffentlicht. Kurz und knapp zusammengefasst: Wie zufrieden sind Sie mit den Finanzzahlen?

Stechele: Wir sind mit dem Geschäftsjahr 2019 sehr zufrieden. So konnten wir unser arrangiertes Kreditvolumen gegenüber dem Vorjahr um 75% auf 88,5 Mio. EUR steigern. Dies spiegelt sich auch im Umsatzwachstum wider – dieses konnten wir sogar fast verdoppeln. Damit liegen wir voll im Plan.

Wie begründen Sie die positive Geschäftsentwicklung?

Ganz klar mit unserem Plattformgedanken, der immer wichtiger wird in der Finanzbranche. Als Plattformanbieter sind wird auf beiden Seiten stark gewachsen. So konnten wir einerseits neue Investoren gewinnen als auch andererseits neue Kreditnehmer generieren. Dies wird sowohl in der Kreditnehmer- als auch in der Investorengebühr deutlich. Außerdem merken wir, dass die digitale Finanzierung jedes Jahr wächst und zunehmen ein normaler Finanzierungsbaustein für die Unternehmen wird.

Kein Thema ist gefragter als Corona derzeit. Inwieweit trifft die Coronakrise auch Sie?

Die Entwicklung muss zunächst erstmal ganz genau beobachtet werden, bevor ein finales Resümee gezogen werden kann. Wichtig ist uns in erster Linie, dass unser operatives Geschäft aufrechterhalten bleibt und wir gleichzeitig Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern übernehmen. Da wir ein sehr junges, dynamisches Team sind und es unser Geschäftsmodell zudem erlaubt, ist 100% Home Office für uns glücklicherweise kein Problem. Wir sind es demnach gewohnt, „remote“ zu arbeiten. Weiterhin stehen wir in engem Austausch mit unseren Kunden und Investoren – hier gilt es gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Wir wollen gerne Teil der Lösung sein und die Bundesregierung und die KFW in der Coronakrise so gut wie es geht unterstützen, damit dem Markt wieder mehr Liquidität bereitsteht. Aktuell ist es wichtiger denn je, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, auch mit anderen FinTechs zusammen. Schließlich sitzen wir alle im selben Boot.

…sehen Sie bezüglich der Corona-Pandemie evtl. auch einen Vorteil für digitale Plattformen wie creditshelf?

Ganz klar sehen wir mittelfristig einen Schub für die Digitalisierung des Finanzierungsmarkts. Durch die Corona-bedingte Krise sind derzeit viele gezwungen, digitale Lösungen auszuprobieren und neu für sich zu entdecken. Dies wird unserem Geschäftsmodell mittelfristig neue Möglichkeiten eröffnen. Wir sind da also optimistisch.

Coronakrise: „hier gilt es gemeinsam an einem Strang zu ziehen“

Im vergangenen Jahr sind Sie bedeutende Kooperation eingegangen, z.B. mit dem Europäischen Investitionsfonds. Sind denn weitere spannende Projekte in 2020 geplant?

Wir sind grundsätzlich immer auf der Suche nach sinnvollen Kooperationen, bei denen beide Seiten profitieren können. Auch  hier steht das Plattform-Modell an vorderster Stelle. Mit dem Europäischen Investitionsfonds EIF als Ankerinvestor und der BNP Paribas Asset Management haben wir 2019namhafte Investoren gewinnen können. Auch auf der anderen Seite konnten wir mit der Commerzbank letztes Jahr eine vielversprechende Partnerschaft eingehen, wodurch wir zusätzliche Kredite arrangieren konnten. Wir sind also stets auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern. Das wird sich auch in diesem Jahr nicht ändern – nach der Bewältigung der Coronakrise erwarten wir auch in diesem Jahr neue Kooperationen. Wir sind eine gute Ergänzung zu den Produktangeboten, die eine klassische Bank ihren Kunden anbietet und somit aus unserer Sicht ein sehr attraktiver Kooperationspartner.

Herr Stechele, vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.