Der Trend ist klar zu erkennen: Seit mehreren Jahren hat die nunmehr aus dem DAX ausgeschiedene Commerzbank die Printberichterstattung eingestellt und den Geschäftsbericht nur noch digital veröffentlicht. Der Sportkonzern Adidas hat nachgezogen und seinen 2017er Bericht eben-falls nur im Internet veröffentlicht. Beim 2018er Jahrgang folgten weitere DAX-Schwergewichte wie die Deutsche Bank und Fresenius. Weitere werden sicherlich nachziehen, denn: Schnelligkeit und Kostenersparnis sprechen für digitale Reportings. Von Kaevan Gazdar und Manfred Piwinger

So fragte sich der CEO der Deutschen Telekom, „ob es sich noch lohnt, Geld in ein gedrucktes Produkt zu stecken“. Bei Infineon brüstete man sich damit, man komme „dem vielfach geäußerten Wunsch unserer Aktionäre“ nach indem man den Printumfang reduziere und auf Online-Reporting setze.

Wobei: Was heißt schon digital? Hinter dem schlichten Begriff verbirgt sich ein Spektrum von Lösungsansätzen unterschiedlichster Qualität. Man nehme allein Commerzbank und Adidas. Die Commerzbank macht es sich denkbar einfach: Der digitale Bericht besteht aus einem PDF des bisherigen gedruckten Berichts. Man spart sich einfach die Kosten des Druckerzeugnisses und ignoriert die Tatsache, dass PDFs weder mediengerecht noch leserfreundlich sind.

Screenshot I: Adidas-Chronik, Quelle: adidas.de
Screenshot I: Adidas-Chronik, Quelle: adidas.de

 

Folgerichtig, dass das Finanzinstitut in der Studie zu digitaler Finanzkommunikation von IR.on und NetFederation das Schlusslicht bildet. Das Bekenntnis der Bank zu einer radikalen Digitalisierung der Geschäftsprozesse wird durch das Reporting konterkariert: veraltete Technik und Design beim Bericht. Und auch die Website hinkt IT-mäßig hinterher. Sie ist nicht im Responsive Design und somit nur mit Qualitätsverlust von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets abrufbar.

Adidas hingegen nutzt das Potenzial der Elektronik, um die Highlights des Jahres mit entsprechenden Links zu Stand- und Bewegtbildern, zu Werbespots und Filmen auf Youtube zu versehen (s. Screenshot I). „Digitalisierung ist bei adidas ein zentrales Thema“, so Sebastian Steffen, Vice President Investor Relations, im Gespräch.

Und auch Merck steigert die Aussagekraft seines Printberichts:
– Ein Film mit Bildanimation stellt – wie bei Adidas – die Highlights des Jahres dar.
– Eine Kennzahlentabelle für den Zeitraum 2012-2017 als Feature: Bei jeder Zahl lässt sich eine Verlaufsgrafik mit Zahlen der Vorjahre abrufen. Damit wird beispielsweise schnell erischtlich, dass bei Merck die Umsatzerlöse stetig steigen, die Margen aber schwanken.
– Video-Interviews mit jungen Forschern, die ihre Aussagen im Gedruckten noch mit persönlichen Einsichten ergänzen. Hier wird im gedruckten Geschäftsbericht ein entsprechender Verweis gegeben.