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Bildnachweis: ©wladimir1804 – stock.adobe.com, PwC.

Von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Weltwirtschaft abgesehen, hat in den vergangenen Jahren kaum etwas den Kapitalmarkt und die Investmentbranche stärker aufgerüttelt als das Schlagwort Sustainability. Fest etabliert hat sich die Zuordnung der unterschiedlichen Sustainability-Themen in die Bereiche Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung), deren Akronym ESG ein stehender Begriff in Wirtschaft und Finanzwelt ist. Für börsennotierte Unternehmen sind die jeweils relevanten ESG-Aspekte längst ein integraler Bestandteil ihrer Equity Story, mit der sie Anleger von der Attraktivität ihrer Aktie überzeugen – und für IPO-Kandidaten gilt nichts anderes, denn sie konkurrieren künftig mit Unternehmen, die bereits über eine solide Berichterstattung zu ihrer ESG-Strategie verfügen, um Investoren und Kapital.

Im Zentrum dieses Beitrags steht die Frage, warum und wie Unternehmen in der IPO-Vorbereitung das Thema Sustainability adressieren sollten, um den Erfolg des Börsengangs zu unterstützen und gleichzeitig eine solide Grundlage zu schaffen, den Pflichten der Berichterstattung nach dem Börsengang gerecht zu werden.

Sustainability wird im deutschsprachigen Raum regelmäßig mit Nachhaltigkeit übersetzt. Treffender ist aus unserer Sicht der Begriff Zukunftsfähigkeit: Denn Wirtschaft und Gesellschaft stehen vor transformatorischen Herausforderungen, die mit hoher Geschwindigkeit und ungekannter Mächtigkeit die Geschäftsmodelle von Unternehmen infrage stellen und verändern. Im Vordergrund stehen dabei oft Umweltaspekte, wie die Folgen des Klimawandels, des Biodiversitätsverlusts und der Ressourcenknappheit oder die Notwendigkeit der Reduzierung der Treibhausgasemissionen durch die Abkehr von fossilen Energieträgern und die Verbesserung der Energieeffizienz. Aber auch zentrale soziale Themen, wie Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion oder Arbeitsbedingungen und Menschenrechte, sind insbesondere im Pandemiejahr 2020 stärker in den Fokus von Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten und Investoren gerückt. Im Bereich Governance zeigen bekannte Beispiele von Strafzahlungen und Reputationsschäden aufgrund der Missachtung von Normen und Vorschriften oder mangelnden Kontrollen ihren erheblichen Einfluss auf den Unternehmenswert. Es ist sehr teuer geworden, die Regeln zu brechen. Umgekehrt sind Best Practices der Unternehmensführung, hier zu nennen insbesondere Fachkompetenz, Unabhängigkeit und Diversität in Führungs- und Kontrollorganen, erwiesene Schlüsselfaktoren für eine positive Wertentwicklung.

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Der breitere Einzug von Sustainability in die Investmentwelt drückt sich in diversen Strategien aus. Eine kleine, aber zunehmende Anzahl von Investoren fordert, dass ihr Geld in Unternehmen und Projekte fließt, die die Welt zum Positiven verändern. Andere wollen den Schaden minimieren, den ihre Investments auf die Gemeinschaft und Ökosysteme haben. Der weitaus größte Teil möchte jedoch in erster Linie das eigene Portfolio vor potenziell negativen Auswirkungen der Transformation schützen und von den Chancen profitieren. Risiko und Rendite bleiben die Faktoren der Investmententscheidung. Der CEO des weltweit drittgrößten Vermögensverwalters formulierte es so: „Für uns geht es um den Wert, nicht um die Werte. Es geht darum, wie wir mit einem Unternehmen zusammenarbeiten, um die Rendite zu maximieren.“ Und daran haben ESG-Faktoren einen mitunter erheblichen Anteil.(1)

Die ESG-Revolution am Kapitalmarkt verdeutlicht sich auch durch die massiven Mittelzuflüsse bei ESG-Fonds. Nach Daten von Morningstar verzeichneten europäische ESG-Fonds allein im ersten Quartal 2021 Zuflüsse von 147 Mrd. USD, das Fondsvolumen stieg auf 1,63 Bio. USD (+138% zu Vorjahr) (2). PwC erwartet, dass in Europa bis 2025 mehr als 50% des gesamten Fondsvolumens in ESG-Fonds investiert sein werden (gegenüber 15% Ende 2019) (3).

Grundsätzlich berücksichtigen heute schon nahezu alle professionellen Investoren ESG-Faktoren in ihren Investmentanalysen und Entscheidungsprozessen, also auch in klassischen (d.h. nicht-ESG-spezifischen) Portfolios. Die von der UN 2006 ins Leben gerufene Investoreninitiative „Principles for Responsible Investment“ (PRI) zählt aktuell über 4.000 Unterstützer weltweit mit zusammen mehr als 120 Bio. USD verwaltetem Vermögen (4). Namhafte institutionelle Assetmanager und Investoren haben sich in den letzten Jahren zudem in weiteren gewichtigen und einflussreichen Initiativen zusammengeschlossen (5). Der Megatrend der ESG-Integration zeigt sich zudem bei den 100 größten Investoren im DAX: Rund die Hälfte bescheinigt ihren Anlageprozessen eine hohe Sensitivität für ESG-Kriterien; dies entspricht einer Verdopplung zum Vorjahr (6).

Bei der Betrachtung der Equity Story eines IPO-Kandidaten schauen Investoren also längst nicht mehr allein auf die unmittelbaren Finanzkennzahlen. Sie erwarten vom Management des Unternehmens eine fundierte Analyse ihrer relevanten ESG-Themen sowie eine überzeugende Strategie zum Umgang mit den Risiken und zur Nutzung unternehmerischer Chancen, die sich aus der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft ergeben.

Fünf Schritte für IPO-Kandidaten

Wie sollten sich Unternehmen nun am besten vorbereiten, um die Erwartungen der Investoren beim Börsengang zu erfüllen? Zunächst sind die Ausgangsbedingungen dabei immer sehr individuell. ESG-Risiken und -Chancen werden vor allem durch Branche, Märkte, Produkte oder Wertschöpfungstiefe eines Unternehmens beeinflusst. Beispielsweise spielen „E-Aspekte“ eher eine große Rolle in Industrieunternehmen mit hohem Energie- und Ressourcenbedarf, „S-Faktoren“ dominieren dagegen in Service- oder Technologieunternehmen mit großer Abhängigkeit von qualifizierten Fachkräften, während etwa im Bereich Financial Services „G-Themen“ eine besondere Relevanz haben. Und natürlich bestehen große Unterschiede hinsichtlich der zu Beginn der IPO-Vorbereitungen im Unternehmen bereits vorhandenen Sustainability-Erfahrungen, -Strukturen, -Prozesse, -Aktivitäten und internen Ressourcen.

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Für Emittenten empfehlen wir eine fünfstufige Vorgehensweise, die flexibel an die jeweiligen Ausgangsbedingungen angepasst werden kann. Ziel ist ein strukturiertes und objektiv nachvollziehbares Vorgehen für eine überzeugende ESG-Positionierung als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie und IPO-Story.

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