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GoingPublic_Sp_Kapitalmarktrecht-2015 - Akzeptanz der Frauenquote

Spiegelbild eines politischen Kommunikationsdesasters

D ie gegenwärtige politische Kommu- nikation wird dominiert von einem Gerechtigkeitsargument, das zwangs- läufig Abwehrreflexe auslösen muss, signa- lisiert es doch ein Nullsummenspiel – die Position, die eine Frau einnimmt, geht für einen Mann verloren. Diese Perspektive ignoriert aber einige empirische Evidenz, die darauf hindeutet, dass mit gemischten Führungsstrukturen die Verteilungsmasse steigt, gerade im wissensbasierten Teil der Wirtschaft. Start-ups, die von Frauen ge- führt werden, sind erfolgreicher und schei- tern seltener. Und die größten innovations- getriebenen Unternehmen in den USA sind umso mehr wert, je größer der Anteil der Frauen im Topmanagement ist. Dieses bis- lang kaum angeführte Innovationsargu- ment zielt also darauf ab, dass mit höherer Frauenquote mehr Geld und Posten zu ver- teilen sind und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gerade in den Zukunftsindustrien gesteigert werde. Die nachfolgende Befragung richtete sich an Investor-Relations-Verantwortliche und untersuchte zunächst, inwieweit die Unternehmen ihre freiwillige Selbstver- pflichtung zur Erhöhung des Frauenanteils in Top-Führungspositionen umgesetzt ha- ben und ob interne Planziele für Frauen in Führungspositionen existieren. Darüber hinaus interessierte, inwieweit bei den Kommunikationsexperten, denen ein be- sonderes Gespür für gesellschaftliche Trends nachgesagt wird, das Gerechtig- keitsargument in der Wahrnehmung der Frauenquote dominiert und damit die Ein- stufung als Nullsummenspiel. Studie unter IR-Verantwortlichen Die Befragung wurde in Kooperation mit dem DIRK e.V. – Deutscher Investor Rela- tions Verband – Anfang 2015 als anonymer Online-Survey durchgeführt und richtete sich an dessen Newsletter-Adressaten. Diese lieferten fast 100 auswertbare Datensätze. Ab 2016 müssen gut 100 börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Großunternehmen in Deutschland 30% ihrer Aufsichtsratsmandate mit Frauen besetzen. Weitere 3.500 kleinere Unternehmen müssen Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat, Vorstand und oberem Management sowie Fristen zu dessen Erreichung festlegen. Die Art und Weise, wie über diese gesetzliche Regelung diskutiert wird, erlaubt Einblicke in die Qualität der politischen Kommunikation, was kaum jemand zuletzt so klar auf den Punkt gebracht hat wie Kerstin Bund in ihrem am 1. April erschienenen Beitrag für die Wochenzeitung Die Zeit. Von Prof. Dr. Dirk Schiereck und Anna Hinrichsen Akzeptanz der Frauenquote Spiegelbild eines politischen Kommunikationsdesasters ZU DEN AUTOREN Prof. Dr. Dirk Schiereck leitet das Fachgebiet Unternehmensfinanzierung an der Technischen Universität Darmstadt und hat lange Jahre dem Wissenschaftlichen Beirat des DIRK – Deutscher Investor Relations Verband angehört. Anna Hinrichsen ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Unterneh- mensfinanzierung. Sie verantwortete meh- rere Jahre den Bereich Investor Relations für ein TecDAX-Unternehmen, bevor sie an die Technische Universität Darmstadt wechselte. Illustration:Thinkstock/iStock/RawpixelLtd 62 Special „Kapitalmarktrecht 2015“ Being Public

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