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Das IPO-Jahr 2026 ist in Deutschland bislang gut angelaufen. Trotz Krisenlage haben bereits drei Unternehmen erfolgreich den Sprung auf das Börsenparkett geschafft. Den Auftakt machte das österreichische Unternehmen ASTA Energy Solutions mit der Erstnotiz am 30. Januar. Am 9. März folgte der Börsengang der GABLER Group, nur kurze Zeit später Vincorion am 20. März.
Die Pipeline für die kommenden Monate ist damit jedoch längst nicht ausgeschöpft. Jede Menge Kandidaten prüfen aktuell einen Gang an den Kapitalmarkt – die Liste reicht von Rüstungsunternehmen über Industrie-Spin-offs bis hin zu Fintech- und Krypto-Plattformen. Bei manchem Börsenneuling könnten sogar Zeichnungsgewinne winken.
All-Time-Favorit Rüstungsaktien?
Die geopolitische Lage sorgt weiterhin für Rückenwind im Verteidigungssektor. Entsprechend hoch ist das Interesse, mögliche Börsengänge aus der Branche zu realisieren. Besonders im Fokus steht derzeit der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS. Medienberichten zufolge könnte das Unternehmen bereits im Juni oder Juli 2026 an den Markt gehen –trotz Verzögerungen im MGCS-Panzerprojekt, wie man hört. Geplant sei ein Dual Listing in Paris und Frankfurt. Die Bewertung wird in Marktkreisen auf rund 20 Mrd. EUR geschätzt – womit sich zu dem tschechischen Munitionshersteller CSG (Börsengang an der Euronext im Februar) ein weiterer Large-Cap gesellen würde, der Frankfurt als Börsenplatz wählt. Die Konsortialbanken für die Transaktion sollen bereits feststehen. Als Global Coordinator werden Deutsche Bank, Bank of America, Société Générale und Goldman Sachs gehandelt. Zudem prüft die Bundesregierung Berichten zufolge eine Beteiligung an dem Unternehmen, um sich strategischen Einfluss auf zentrale Entscheidungen zu sichern.
Etwas später, vielleicht aber auch erst 2027 könnte der Drohnenhersteller Quantum Systems folgen. Marktgerüchten zufolge wird ein Börsengang vorbereitet. Das Unternehmen wird nach aktuellen Schätzungen mit rund 3 Mrd. EUR bewertet. Zunächst steht jedoch eine größere Finanzierungsrunde an. Begleitet von Morgan Stanley plant das Unternehmen, zwischen 400 und 600 Mio. EUR einzusammeln. Ein Börsengang dürfte daher frühestens nach Abschluss dieser Kapitalmaßnahme auf die Agenda kommen. Zudem soll Morgan Stanley auch hier bereits mandatiert sein.
Spin-offs und Carve-outs bleiben Thema
Auch Industrie-Spin-offs bleiben ein wichtiger Treiber für mögliche Börsengänge. Thyssenkrupp konnte im vergangenen Jahr mit der Abspaltung von TKMS einen viel beachteten Erfolg verbuchen. Das Unternehmen schaffte kurz nach dem IPO den Aufstieg in den MDAX.
Eine weitere Sparte des Industriekonzerns könnte nun folgen: TK Materials Services. Medienberichten zufolge wird ein Börsengang für den Herbst 2026 geprüft. Eine offizielle Meldung gab es bislang nicht. Alternativ stehen auch ein Spin-off oder ein Verkauf der Sparte im Raum, neusten Gerüchten zufolge sei auch eine Umwandlung in eine KGaA möglich. Mit einem Umsatz von rund 11,4 Mrd. EUR zählt TK Materials Services zu den größeren Geschäftsbereichen des Konzerns. Die Abspaltung ist Teil des Umbaus von Thyssenkrupp zur Holding, wie das Unternehmen im Rahmen der Hauptversammlung bekannt gab.
Ebenfalls seit Längerem im Gespräch ist ein Börsengang von TK Elevator, der ehemaligen Aufzugsparte von Thyssenkrupp. Mit einer möglichen Bewertung von rund 25 Mrd. EUR könnte das ein richtig großer europäischer Börsengang werden. Als begleitende Banken werden Goldman Sachs, Deutsche Bank, Morgan Stanley, Barclays und UBS genannt. TK Elevator drücken allerdings hohe Verbindlichkeiten. Laut Ratingagentur S&P soll die Nettoverschuldung bei rund 10 Mrd. EUR liegen. Am 31. März meldete sich das Unternehmen selbst zu Wort und sprach die Option eines IPOs explizit aus. Es sei aber noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

Auch BASF liebäugelt mit einer Abspaltung und einem IPO der Agrarsparte „Agricultural Solutions“ an der Frankfurter Wertpapierbörse. Der Konzern will nach dem Börsengang, der 2027 kommen könnte, Mehrheitsaktionär bleiben. Die Sparte machte 2024 circa 15% des Jahresumsatzes von BASF aus (9,8 Mrd. EUR). Der Börsengang soll den Wert des Geschäfts sichtbar machen und der Einheit mehr unternehmerische Eigenständigkeit geben. Analysten schätzen, dass hier eine Bewertung von 15-17 Mrd. EUR aufgerufen werden könnte. Parallel zu den IPO Vorbereitungen arbeitet BASF auch daran, die Sparte organisatorisch eingeständig aufzustellen. Im globalen Wettbewerb tritt BASF-Agrar unter anderem gegen Bayer, Corteva und Syngenta – letztere IPO Kandidat in Hongkong – an.
Trading-Power auf dem Parkett
Auch im Fintech- und Kryptobereich wird über mögliche Börsengänge spekuliert. So gilt Bitpanda schon lange als potenzieller Kandidat. Frankfurt soll der Börsenplatz der Wahl sein. Die österreichische Handelsplattform hat in den vergangenen Monaten ihr Angebot deutlich erweitert und zudem eine Kooperation mit der Deutschen Börse geschlossen. Bloomberg zufolge könnte ein Börsengang bereits im ersten Halbjahr 2026 erfolgen. Offiziell bestätigt hat das Unternehmen die Pläne bislang allerdings nicht.
Ebenfalls regelmäßig in IPO-Spekulationen genannt wird Trade Republic. Das Berliner Fintech wurde zuletzt im Rahmen einer Secondary-Transaktion mit rund 12 Mrd. EUR bewertet und zählt damit zu den wertvollsten Start-ups Deutschlands. Konkrete Aussagen zu einem möglichen Börsengang gibt es bislang nicht, Medienberichten zufolge könnte aber ein Börsengang 2026 realistisch sein. Das Unternehmen treibt derzeit vor allem den Ausbau seiner Handelsinfrastruktur und die internationale Expansion voran.
Kurz & Knapp+++++ Kik und OBI: Steigende Nachfrage im Textildiscount und Einzelhandelsgeschäft lassen frühere IPO-Pläne der Münchener Tengelmann-Gruppe wiederaufleben, heißt es in einem Pressebericht. Die Unternehmen sollen auf eine kombinierte Bewertung von 2 Mrd. USD kommen. +++++ 1Komma5°: Das Hamburger Energie-Start-up sicherte sich Mitte 2025 rund 150 Mio. EUR in einer Pre-IPO-Runde für den Ausbau dezentraler Energielösungen. Ein Börsengang wurde wegen volatiler Märkte verschoben, könnte aber 2026 erneut geprüft werden – besonders nach dem erfolgreichen IPO von ASTA Energy Solutions. +++++ Breitling: Der Schweizer Uhrenhersteller soll unter CEO Georges Kern einen Börsengang für 2028 oder 2029 vorbereiten, um das Wachstum zu stärken. Der genaue Zeitpunkt soll jedoch von den Hauptinvestoren Partners Group und CVC Capital Partners abhängen. +++++ Wella, Portfolio-Unternehmen von KKR, soll noch 2026 in den USA an die Börse gebracht werden. Das Unternehmen ist global aktiv mit Marken wie Wella Professionals, OPI, ghd und Clairol. Bank of America und Goldman Sachs sollen bereits mandatiert sein, Preis und Konzept noch nicht. +++++ Neuraxpharm: Der Spezialpharmahersteller steuert laut CEO Jörg Thomas Dierks nach gescheiterten Verkaufsplänen nun auf einen Börsengang 2027 in Frankfurt zu. Eigentümer Permira setzt damit auf ein IPO als wahrscheinliches Exit-Szenario, insbesondere vor dem Hintergrund hoher Wachstumserwartungen rund um das MS-Medikament Briumvi. +++++ |






