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Seit April 2011 forscht die Pieris AG im Rahmen einer Partnerschaft mit der japanischen Daiichi Sankyo an neuen Anticalin-Proteinen gegen zwei von Sankyo zur Verfügung gestellte Krankheits-Targets. Kürzlich konnten in vitro und in vivo Studien zur Bindung der Zielmoleküle an die maßgeschneiderten Anticalin Proteine von Pieris erfolgreich beendet werden. Wie die Pieris AG nun bekanntgab, wird die erfolgreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeit nun die zweite Meilensteinzahlung nach sich ziehen.

Anticaline sind maßgeschneiderte therapeutische Proteine, die unter Einsatz molekularbiologischer Techniken aus Lipocalinen erhalten werden. Insgesamt zwölf Lipocaline umfasst die Proteinfamilie, die in unterschiedlichen menschlichen Körperflüssigkeiten vorkommt und dort vielfältige Substrate zu binden vermag. Die spezifische Bindung der verschiedenen Anticaline an ein bestimmtes Zielmolekül wird durch Änderungen in der Aminosäuresequenz der Lipocaline erreicht. Das Pieris-Schlüsselprodukt PRS-050, das demnächst in Phase II getestet wird, ist eine Anti-VEGF-Anticalin. Dieses therapeutische Anticalin bindet also den Vaskulären Endothelialen Wachstumsfaktor, der auch im gesunden Menschen für eine Vaskularisierung zuständig ist. Im Falle maligner Tumore ist VEGF jedoch stark überexprimiert. Der damit einhergehende Anstieg der Neubildungsrate von Blutgefäßen führt zu einem beschleunigten Wachstum von Krebszellen. Die Verabreichung von Anti-VEGF-Anticalin soll den überschüssigen Wachstumsfaktor binden und auf diese Weise die für das Tumorwachstum so wichtige Neubildung von Blutgefäßen deutlich reduzieren.

Im Rahmen der Vereinbarung haben Sankyo und Pieris den Forschungserfolg an Meilensteinzahlungen geknüpft. Diese werden immer dann fällig, wenn sich festgelegte Erfolge in der präklinischen Forschung, der Zulassung oder der Vermarktung potenzieller Therapeutika einstellen. Alleine die Zusammenarbeit mit Daiichi Sankyo – einem der drei Partner – könnte Pieris je vereinbartem Programm mehr als 100 Mio. Euro in die Kasse spülen, wobei Umsätze aus vermarkteten Produkten noch nicht inkludiert sind. Sankyo erhält im Gegenzug für sämtliche Programme die weltweiten Exklusivrechte an allen aus der Partnerschaft hervorgehenden Produkten.

Stephen Yoder, CEO, Pieris AG

Der Erfolg dieses Partnerschaftsprogramms und die relativ schnelle Entwicklung der gezielt wirkenden therapeutischen Anticaline stimmen zuversichtlich. Pieris-CEO Stephen Yoder ist optimistisch, auch für das zweite Daiichi-Sankyo-Programm wirkungsvolle Anticalin-Kandidaten in einem ähnlichen Zeitfenster zu evaluieren. Es spricht also Einiges dafür, dass Pieris auch für die Partner Allergan und Sanofi Pasteur maßgeschneiderte Anticalinen finden könnte. Der Schwerpunkt der Pieris-Pipeline liegt auf bisher nur unzureichend behandelbaren Erkrankungen. Der Wirkmechanismus der Anticaline ist ganz ähnlich dem vieler bereits vermarkteter monoklonaler Antikörper. Wie diese binden auch Anticaline spezifisch an bestimmte chemische Substrate und entziehen diese so dem Stoffwechsel. Die Evaluierung von PRS-050 – das am weitesten fortgeschrittene Produkt aus dem Hause Pieris – deutet aber darauf hin, Anticaline könnten Antikörpern hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit überlegen sein.