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Das Planegger Biotechunternehmen MorphoSys gab heute bekannt das US-amerikanische biopharmazeutische Unternehmen Constellation Pharmaceuticals zu übernehmen und schließt dazu eine strategische Finanzierungspartnerschaft mit Royalty Pharma.

MorphoSys plant, Constellation für 34,00 US-Dollar je Aktie in bar zu übernehmen, was einem Eigenkapitalwert von insgesamt 1,4 Milliarden Euro entspricht. Laut letztem Quartalsbericht von Constallation verfügt die Firma mit Sitz in Boston über rund 380 Mio. USD Barvermögen oder Cash-Äquivalente, dies sollte man bei dem stattlichen Preis für ein Unternehmen ohne Produkte auf dem Markt berücksichtigen.

In der Übernahme sieht MorphoSys nach eigenen Angaben Vorteile wie ein beschleunigtes Wachstum mit aussichtsreichen Wirkstoffkandidaten in der mittleren und späten klinischen Entwicklung, die Stärkung seiner Position in der Hämatologie-Onkologie und Expansion im Bereich der soliden Tumore, sowie die Stärkung der Forschungs- und Entwicklungskapazitäten in USA. MorphoSys will so seine Kompetenz in der Erforschung von Biologika um die Expertise von Constellation in den Bereichen Epigenetik und niedermolekularer Forschungsplattformen für die Entwicklung einer breiten Palette neuartiger Krebstherapien ergänzen.

„Diese Übernahme stellt eine echte Transformation für MorphoSys dar und stärkt unsere Position in der Hämatologie-Onkologie“, so Dr. Jean-Paul Kress, Vorstandsvorsitzender von MorphoSys. „Unsere klinische Entwicklungs- und Vermarktungskompetenz eignet sich perfekt dazu, die Programme von Constellation zu beschleunigen, so dass wir ihr Potenzial maximieren und diese neuartigen Therapien auf den Markt bringen können. Mit den vielversprechenden Wirkstoffkandidaten, den komplementären F&E-Fähigkeiten und dem hervorragenden Team von Constellation können wir im Kampf gegen Krebs weitere Fortschritte erzielen.“

Wenig Begeisterung an der Börse

Im Rahmen der Übernahme geht MorphoSys zudem eine strategische Finanzierungspartnerschaft mit Royalty Pharma ein. Und vielleicht sind es diese Dinge, die den länger schon unter druck stehenden Aktienkurs von Morphosys am Tag der Bekanntmachung mit rund 15% gen Süden schicken (mit leichten Erholungszuckungen in den Folgetagen): Royalty Pharma ist ein milliardenschwerer Lizenzvermarkter, der selbst Mitte letzten Jahres mit einem fulminanten 2,5-Milliarden-IPO auf das amerikanische Parkett geeilt war und derzeit eine Marktkapitalisierung von rund 15 Milliarden USD aufweist. Ist eine solche Lizenzpartnerschaft eher Bürde oder Vorteil – die Börse hat heute ein eindeutiges Urteil gefällt. Wer in die Details hineinschaut, kann sich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass Royalty Pharma sich auf diese Weise die Einnamen an erfolgreichen oder erfolgversprechenden Antikörperprogrammen sichert (Tremfya® und Otilimab®) während auf die möglichen Constellation-Produkte scheinbar kein größerer Wert gelegt wird. Im Gegenzug stellt Royalty den Kaufpreis zur Verfügung.

Was bleibt von der einstigen Antikörper-Innovationsschmiede aus Planegg-Martinsried?

Am 1. August 2020 hatte MorphoSys die US-Zulassung für Monjuvi zur Behandlung des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) erhalten. Das Krebsmedikament wird in Kombination mit Lenalidomid zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) eingesetzt. Dies war das bisher erste ganz eigenständig entwickelte und durch die Zulassung geführte Antikörperprodukt aus dem Hause Morphosys, zudem gibt es Produkte mit Pharma-Partnern (siehe oben). Die „reine Lehre“ des vollsten Vertrauens auf die eigene Innovationskraft klingt aus dem Deal mit Constellation ebenfalls nicht gerade heraus, vielleicht ein weiterer Punkt, der die Aktionäre zum Nachdenken veranlasste.

Morphosys begibt sich mit dem Deal im Milliardenuniversum in ein solches, das vor einiger Zeit zumindest noch den größeren Pharmafirmen vorbehalten war. Das dick gefüllte Bankkonto in Planegg macht es möglich, doch da Constellation ebenfalls ein dickes Festgeldkonto aufweist, musste von dritter Seite das eigentliche Kaufgeld kommen. Mit dem eigenen Aufbau der Vertriebsmannschaft ist Morphosys aber auch selbst noch am Anfang und hat noch keine großen Erfahrungen aus dem US-Vermarktungsgeschäft vorzuweisen, ob die Hinzunahme von ganz anderen Produkten aus dem Hause Constellation es für die Vertriebsmannschaft einfacher machen wird (wenn diese denn in der Zulassung erfolgreich sein werden) ist dabei eine weitere Frage.

Es wird spannend sein, wie sich das einstige Martinsrieder Gewächs im hartumkämpften US-Pharmamarkt in so einer neuen Unternehmens-Produktwelt-„Konstellation“ behauptet, hierzu die US-Mannschaft durch den Zukauf deutlich vergrößert zu haben, das ist sicherlich eher positiv zu bewerten.

leichte redaktionelle Anpassungen am 3.6.2021

Über den Autor

Dr. Georg Kääb ist seit 1. Februar Redaktionsleiter der Plattform LifeSciences. Davor war er über 10 Jahre Manager Communications bei der Biotech-Netzwerkagentur BioM. Von der Ausbildung her Biologe waren die ersten Berufsstationen als freier Journalist bei u.a. Süddeutscher Zeitung sowie DIE ZEIT und dann ebenfalls ein gutes Jahrzehnt als Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift des Verbandes dt. Biologen, vdbiol.