Bildnachweis: TVM Capital.

Die Ausgaben im Gesundheitswesen sollen von 7 Bio. USD im Jahr 2015 auf über 8 Bio. USD im Jahr 2020 steigen. Diese Kostenexplosion wird im Wesentlichen von den Entwicklungskosten für neue Medikamente in Kombination mit steigenden Arbeitskosten sowie einer weltweit ansteigenden, höheren Lebenserwartung getrieben. Wir werden älter, und so werden die Kosten für das Gesundheitswesen eben auch einen höheren Anteil des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts verschlingen. Für die Akteure im Gesundheitswesen ist das einerseits eine gute Nachricht, immerhin bedeutet diese Voraussage stetiges Wachstum und stabile Nachfrage.

Andererseits gibt es natürlich trotzdem einige Herausforderungen zu bewältigen. Die Kosten für die Medikamentenentwicklung steigen signifikant, der EY Biotechnology Report Beyond Borders spricht von einer Erhöhung von 750 Mio. USD pro Medikament im Jahr 1990 auf 2,5 Mrd. USD heute (einschließlich der Kosten für Produkte, die es nicht bis zur Zulassung schaffen). Dazu kommen steigender Druck, der von Regierungsbehörden ausgeübt wird, um nationale Gesundheitssysteme zu managen, und eine Reihe weiterer Faktoren, die es nicht erlauben, einfach immer so weiterzumachen wie bisher.

In diesem Sinne macht digitale Transformation weiteren biopharmazeutischen Fortschritt möglich, zum Beispiel durch „intelligent drug design“. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz kann den Entwicklungsprozess eines neuen Medikaments extrem verkürzen – etwa durch signifikante Reduktion der Bandbreite der jeweiligen therapeutischen Ziele. Das hilft auch dabei, die Entwicklungskosten wieder zu senken. Da werden Ressourcen frei, die wiederum in die Entwicklung von dringend benötigten Therapien für bessere Krebsbekämpfung (CAR-T) oder gegen Krankheiten wie z.B. ALS gesteckt werden können. Neben der Medikamentenentwicklung spielt die Digitalisierung auch eine erhebliche Rolle beim Patientenmonitoring und bei der Datensammlung.

Tragbare biometrische Mittel zum Monitoring, aber auch als Hilfe bei Einnahme und Dosierung, sind bereits in der Entwicklung. Die Blockchaintechnologie wird helfen, einige Sicherheitsfragen bei der Datenhaltung zu lösen, nicht nur hinsichtlich Patientendaten, sondern auch im Management der Lieferketten von Arzneimittelherstellern.

Die Chancen sind erkannt, die Risiken auch – von Start-ups in diesem Bereich wie auch von den Investoren. Seit 2013 sind über 28 Bio. USD weltweit in über 4.000 Transaktionen in Unternehmen aus dem Bereich Digital Health geflossen. Die Zukunft ist noch nicht geschrieben – aber wir sind dran.

ZUM AUTOR

Dr. Hubert Birner verantwortet die Investmentstrategie von TVM Capital Life Science in Europa, Nordamerika und Kanada. Seine akademische Ausbildung umfasst ein Studium der Veterinärmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, gefolgt von einer Promotion in Biochemie, ausgezeichnet mit dem Hoffmann-La Roche Preis für Grundlagenforschung im Bereich meta bolische Störungen und eine Tätigkeit als Assistenz-Professor. Dr. Birner ist Absolvent (MBA) der Harvard Business School. www.tvm-lifescience.com

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