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Die Macher von Coldplasmatech haben sich zum Ziel gesetzt, schmerzhafte chronische Wunden dauerhaft zu heilen. Dazu haben die Greifswalder ein Pflaster entwickelt, das die physikalischen Eigenschaften von kaltem Plasma nutzt. Mit der neuartigen Wundauflage können offene Beine, Druckgeschwüre oder das diabetische Fußsyndrom behandelt werden. Coldplasmatech, eine Ausgründung des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie, befindet sich aktuell in konkreten Verhandlungen über eine neue Finanzierungsrunde.

GoingPublic: Herr Mahrenholz, bitte erläutern Sie uns das Geschäftsmodell der Coldplasmatech. Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?
Die Behandlung von schlecht heilenden Wunden reicht heutzutage von der Anwendung von Unterdruck-Therapien, über Spezial-Wundauflagen, bis hin zu Honig. Chronische Wunden sind häufig von flächiger Natur und nicht punktuell. Diese Wunden können nun mit einer neuartigen Therapieform, dem „Kalten Plasma“ behandelt werden. Allerdings wurden bislang nur Handgeräte entwickelt, für die der behandelnde Arzt oder Pfleger lange Behandlungszeiten in Kauf nehmen muss – dabei sollte eine entsprechende Behandlung schnell und unkompliziert geschehen. Dieses Bedürfnis verstehen wir und haben es als Produkt in Form des Plasma-Pflasters umgesetzt. Kaltes Plasma besitzt eine Vielzahl hilfreicher Wirkkomponenten, welche die Grundlage für neue Therapieformen und Medizintechnik sein können. Der Wirkungseintritt erfolgt zeitnah, die Behandlung selbst ist schmerzfrei. Ein Alleinstellungsmerkmal unserer Unternehmung ist wohl die Tatsache, dass wir bereits in der Entwicklungsphase unserer Technologie einen Schwerpunkt auf „Business Development“, parallel zur eigentlichen Forschung- und Entwicklung, gelegt haben. Das ist für ein wissenschaftliches Forschungsprojekt nicht selbstverständlich. Wir haben uns mit der Notwendigkeit und Beschaffenheit neuer Technologien auseinandergesetzt und nach den Bedürfnissen von Patienten, aber auch von Ärzten gefragt. Und wir haben unsere Zielgruppen identifiziert: Das sind Patienten,  Ärzte, Controller und andere Gatekeeper in den Kliniken, aber auch Kostenträger. Für jede Zielgruppe haben wir eigene Anforderungen definiert.

Fernab von Berlin, Hamburg oder München: Was hat der Standort Greifswald, was andere Start-up-Metropolen nicht haben?
In großen Metropolen ist man für gewöhnlich ein Start-up unter vielen. Dort gesehen zu werden, ist schon eine Herausforderung. Wir haben hier einfach gute Bedingungen: Bis zum Jahr 2020 will Mecklenburg-Vorpommern den Titel „Gesundheitsland“ ausbauen. Außerdem verfolgen wir das Prinzip des ehrlichen Kaufmanns: Das Know-how von Coldplasmatech kommt aus dieser Gegend, für uns bedeutet das, dass wir dem Bundesland etwas zurückgeben wollen. Im Zweifel muss man eben lernen, dezentral zu denken. Verkehrstechnisch liegt „Meck-Pomm“ zwar in einem Randgebiet, aber dafür haben wir einen Strand vor der Haustür!

Coldplasmatech ist eine Ausgründung des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie. Wie funktioniert der Schritt von der Wissenschaft in die Wirtschaft?
Der größte Unterschied zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist wohl: Wissenschaftler denken erkenntnisorientiert. Die Publikation neuer wissenschaftlicher Ergebnisse hat einen immens hohen Stellenwert. Unternehmer hingegen denken gewinnorientiert. Die Einbindung eines Business Development in eine wissenschaftliche Einrichtung ist durchaus eine Herausforderung. Das ist mitunter auch ein Kommunikationsproblem zwischen zwei Mentalitäten. Jeder Wissenschaftler, der den Schritt in die Wirtschaft wagt, muss wissen, dass er das volle Risiko trägt. Für mich sind diejenigen Wissenschaftler die wahren Gesellschafter, die eine Ausgründung mittragen und gleichzeitig ihre sichere Anstellung im Institut aufgeben.

Ihr Unternehmen hat kürzlich eine Finanzierungsrunde erfolgreich abschließen und den Finanzexperten und Business Angel Alfred Möckel als Investor gewinnen können. Wann werden Sie attraktiv für klassisches Venture Capital?
Wir wurden schon vor längerer Zeit von Investoren und potenziellen Partnern angesprochen. Schon sechs Wochen nach unserer Gründung im Sommer vergangenen Jahres hätten wir das Unternehmen theoretisch an einen Strategen verkaufen können. Derzeit befinden wir uns in konkreten Verhandlungen mit VC-Gebern, strategischen Partnern und Family Offices über eine weitere Finanzierungsrunde. Wir müssen aber ganz genau schauen, welcher Investor zu uns passt. Wo genau liegt der strategische Mehrwert für uns? Mit Alfred Möckel arbeiten wir deswegen zusammen, weil er weiß, wie Geld funktioniert. Er kennt sich am Kapitalmarkt aus, diese Expertise haben wir im Team nicht. Überlegungen und Entscheidungen über neue Finanzierungen werden bei uns immer sehr frühzeitig angeschoben, so dass wir zum Ende einer Finanzierungsrunde hin keine Probleme mit der Liquidität bekommen.

Ein Ausblick: Was sind die nächsten Meilensteine der Coldplasmatech?
Kaltes Plasma muss endlich den Weg zum Patienten finden! Im Moment arbeiten wir an den nötigen Formalitäten für eine CE-Zertifizierung. Die notwendigen Tests beginnen in zwei Wochen. Danach wollen wir die Zulassung als „Medizinprodukt“ erreichen und mit der Produktion beginnen. Parallel sammeln wir Ärzte und Kliniken als Ansprechpartner. Unser Ziel ist es, Patienten vom Leid ihrer chronischen Wunden zu erlösen.

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