Der bayrische Start-up Wettbewerb „PlanB“ ist der mittlerweile älteste und renommierteste für grüne Gründer:innen. Wer seine innovativen Ideen für eine nachhaltigere, biobasierte (Kreislauf-) Wirtschaft präsentieren und wachsen lassen will, kam an ihm bislang nicht vorbei. Das ist auch in diesem Jahr wieder so. Das nächste Prämierungsevent steht kurz bevor. Doch kann das langjährig gefahrene Format auch zukünftig begeistern? Plattform Life Sciences sprach dazu mit Ann-Kathrin Wagner vom BioCampus Straubing GmbH, Organisatorin des Wettbewerbs. Von Urs Moesenfechtel, Plattform Life Sciences

Ihr Wettbewerb nennt sich „Plan B“? Hat Plan A nicht funktioniert?

Das „B“ in Plan B steht für die Begriffe Biomasse, Business und Bayern. Das sind die Kernelemente unseres Wettbewerbs: Die Förderung von Biomasse-Business in Bayern – und natürlich darüber hinaus. Wir sind der Meinung: Unsere Welt, unsere Wirtschaft braucht einen Plan B, denn Plan A, also die Nutzung fossiler Rohstoffe, geht schließlich ihrem Ende zu. Die bessere Alternative heißt „Bioökonomie“…

… die nun also alles „retten“ soll?

Auch die Bioökonomie hat ihre Herausforderungen – und wird mit Sicherheit nicht alle negativen Aspekte bisheriger Wirtschaftsweise mit einem Schlag verbessern. Einige Industriezweige wird sie auch gar nicht ersetzen können. Aber unsere Wirtschaft muss zwingend nachhaltiger, ressourcenschonender, umweltfreundlicher, sozial verträglicher und vieles mehr werden. Den Weg zu diesem Ziel wollen wir mit der Bioökonomie beschreiten. Und einen Plan B zu haben, hat, glaube ich, noch nie geschadet.

Key visual PlanB. Copyright: BioCampus Straubing GmbH

Was sind die wichtigsten Schritte, um die Bioökonomie voranzubringen?

Das sind vor allem ganz, ganz viele. Der wichtigste Schritt ist aber, Innovationen auch wirklich in den Markt zu bringen. Das beginnt für uns mit der Unterstützung von Startups, die schlichtweg die maßgeblichen Innovations-Träger und -Beschleuniger sind. Denen fehlt aber entsprechende Infrastruktur. Labore, Büros, Anlagen etc. Die müssen ihnen zur Verfügung gestellt werden. Es gilt Prozesse aus dem kleinen in den großen Maßstab zu überführen.

Viele Schritte, ein langer Weg … angesichts der vielen Krisen drängt aber die Zeit. Ist es da nicht besser gleich bestehende Unternehmen zu „bioökonomisieren“, statt langwierig neue Firmen aufzubauen?

Ja, die Zeit drängt. Und dennoch müssen wir sie uns nehmen. Beide Ansätze, also Bottom-up oder Bottom-down, schließen sich dabei aber nicht aus. Wir mit PlanB verfolgen ohnehin einen „Triple-Helix-Ansatz“.

Was verstehen sie darunter?

Innovationen können nur keimen und wachsen, wenn Wissenschaft, Wirtschaft und Politik wie in einer Helix verschränkt zusammenkommen. Von welcher Richtung aus man die Helix aufbaut oder betrachtet, ist dabei nicht entscheidend. Es gibt kein Entweder-oder. Wir von PlanB verfolgen daher beide Ansätze: Start-ups puschen und etablierte Firmen auf sie aufmerksam machen. Kluge Start-ups versuchen ohnehin von Anfang an in diese Richtung zu denken und aktiv zu werden. Sie entwickeln ihre Innovation so weiter, dass sie für große Unternehmen interessant sind. Wir wiederum versuchen unsere Start-ups, gerade wenn sie aus der Forschung kommen, frühzeitig mit Unternehmen zusammenzubringen. Nur so kann deren Bedarf adressiert werden. Und große Unternehmen öffnen sich ja auch verstärkt für Kooperation mit Start-ups.

Ann-Kathrin Wagner, Organisatorin des Wettbewerbs PlanB. Copyright: BioCampus Straubing GmbH

Und dafür braucht es ein Wettbewerbsformat?

Ein Wettbewerb schafft immer Aufmerksamkeit, Öffentlichkeit. Und es trennt gute von weniger guten Start-ups. Wir verstärken mit unserem Format Innovations-Impulse für die Bioökonomie. Aber damit genau dieses Anliegen auch in Zukunft erhalten bleibt, nicht zuletzt aber auch wegen der gewachsenen Konkurrenz, werden wir das Format weiterentwickeln. Es braucht schließlich weitere Impulse für die Bioökonomie.

Welche?

Jede Bioökonomie-Skalierung hat einen entscheidenden Bottle-Neck: Die fehlende Infrastruktur, besonders im Bereich (biobasierte) Biotechnologie. Wir werden daher die multifunktionale, multi-User-fähige „BioCampus Multi-Pilot-Plant“ in Straubing aufbauen. Dort können dann Start-ups und andere Unternehmen Prozesse, Skalierungen, Produktmuster, Herstellungsverfahren etc. austesten. Wir planen daher auch, unsere Unterstützungsformate weg vom reinen Wettbewerb in Richtung Passung mit unserer neuen Infrastruktur zu verlagern. Hier haben wir dann Alleinstellungsmerkmale, die uns von anderen Angeboten unterscheiden.

Wie wird das aussehen?

Wir befinden uns dazu in den ersten Überlegungen, daher kann ich noch nicht zu viel verraten. Aber wir werden uns wohl verstärkt auf die Industrielle Biotechnologie und größere Marktnähe konzentrieren. So erreichen wir die Passung mit der Multi-Pilot-Anlage und dem Standort Straubing. Auch bezüglich Reichweite und Betreuungsintensität wird sich vermutlich etwas ändern. Aber momentan steht die aktuelle PlanB-Runde im Fokus, die noch bis Ende 2023 läuft. Am 14.2. werden dann die Wettbewerbsgewinner verkündet, die dann bis Ende des Jahres von unserem Team, sofern sie es wünschen, betreut werden.  Darauf liegt jetzt unsere volle Aufmerksamkeit.

Gewinner-Start-ups erhalten intensives Coaching durch das PlanB-Team. Copyright: BioCampus Straubing GmbHit der Multi-Pilot-Anlage in Straubing auch eine Rückkehr zu einer stärkeren regionalen Ausrichtung verbunden?

Ist mit der Multi-Pilot-Anlage in Straubing auch eine Rückkehr zu einer stärkeren regionalen Ausrichtung verbunden?

Als wir mit PlanB angefangen haben, hatten wir vor allem das biobasierte Business in allen Facetten in Bayern im Blick. Aber mittlerweile ist der Wettbewerb absolut offen für Teilnehmer aus aller Welt. Wir haben dieses Jahr Teilnehmer aus zehn Bundesländern. Hinzu kommen Start-ups aus Ländern wie Ghana, Kenia oder Österreich. In der vorangegangenen Runde war Chile, Tschechien und UK vertreten. Der einzige Bezugspunkt sollte aber sein, dass das Start-up daran interessiert ist, Bayern als seinen Markt zu erschließen. Auf der anderen Seite sind Weltmarktführer wie Viskosefaser-Spezialist Kelheim Fibres GmbH, oder ausländische Firmen wie das lateinamerikanische Petrochemieunternehmen Braskem. Hinzu kommen viele regionale Mittelständler. Die alle schauen sich unsere Start-ups sehr genau an. Hinzu kommen Investoren und Business Angels. Diese Mischung aus Regionalität und Weltoffenheit wird auch in Zukunft so bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Prämierungsevent am 14.2.2023.

Weitere Informationen zu PlanB finden Sie hier: https://www.planb-wettbewerb.de/

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at GoingPublic Media AG | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist seit 2021 Redaktionsleiter der GoingPublic Media AG - Plattform Life Sciences und für die Themenfelder Biotechnologie und Bioökonomie zuständig. Zuvor war er u.a. Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.