Teil 5
Nach einer kurzen Pause, soll es doch den versprochenen Schlussgalopp noch geben, wenn auch kurz und damit mit der quasi mitreitenden Gefahr die spannendsten und tollsten und bedeutendsten Dinge am Wegesrand nicht zu erwähnen. Dies ist an dieser Stelle in den zwar endlos scheinenden Weiten des Internet bei doch begrenzter Aufnahmebereitschaft der Mitleserinnen und -leser aber auch einfach einmal der Rahmen der Möglichkeiten – und da wir schon in Würzburg beim letzten Mal gestrandet waren, geht es auch sogleich davon weiter in Richtung Nord-Ost. Da landet man beispielsweise in Jena, einem Standort, der gerade in diesen „na, Sie wissen schon-Zeiten“ eher und deutlich als Hotspot der Infektionsforschung wahrgenommen wird (etwa mit dem Forschungsnetzwerk InfectoGnostics), im letzten Jahr erst eine Förderzusage in 3-stelliger Millionenhöhe des BMBF für das neue Leibniz-Zentrum für Photonik in der Infektionsforschung (LPI) erhalten hatte (um im durch das C-Thema etwas in den Hintergrund geratene A-Thema wieder Boden gut zu machen, A-Thema = Antibiotikaresistenzen) – aber auch dort gibt es eventuell gerade wegen dieser hohen Diagnostik-Kompetenz einige Ansätze im Bereich der Krebs-Früherkennung. Beispielsweise wird im Projekt ASSURER, einem KMU-Netzwerk-Projekt, auch die gedanklich-geografische Verbindung zum Heidelberger Nobelpreisträger Harald zur Hausen ersichtlich, geht es doch dabei um eine einfacher durchzuführende Diagnostik bei Gebärmutterhalskrebs. Beispielhaft an diesem Projekt ist sicherlich die Einbindung einer Reihe von mittelständischen Unternehmen und dem Universitätsklinikum – und dass dabei auch noch ein Produkt herausgekommen ist, spricht eindeutig für die gute Gesamtkoordination.
Dass Jena als Wiege der Mikroskopie-Technik auch heute international bedeutend mitmischt zeigt nicht zuletzt ein EU-Projekt, bei dem es um neue Bildgebungsverfahren bei der Krebserkennung geht: https://www.leibniz-healthtech.de/aktuelles/alle-news/detail/news/eu-projekt-crimson-leibniz-forscher-entwickeln-mikroskop-fuer-bessere-krebs-diagnostik/

Aus Thüringen nicht zumindest einen Blick nach Leipzig oder Dresden bei den „echten“ Sachsen schweifen zu lassen (…nicht etwa nur den Niedersachsen…, kleiner Insider-Scherz), gilt sicherlich als unentschuldbar, und dort sei nur das hochrangige Nationale Krebsforschungszentrum (NCT in Dresden) erwähnt, und unserem Interesse nach den kleineren, besonderen Dingen nach hier speziell die junge Immuntherapie-Firma „GemoABhttps://www.gemoab.com/, die schon das schöne Titelbild dieser Serie bei Folge 1 beigesteuert hatte. Die Kernkompetenz „Zell-Therapie“, die in Dresden gemeinsam mit Leipzig im aktuell geförderten Zukunftscluster des BMBF nun mit Schwung ausgebaut werden wird, hatten wir in der Folge 2 kurz erwähnt.

ultrakurze Stippvisite in der Hauptstadt

Berlin ist in Sachen Krebs mindestens so komplex wie Heidelberg, sicherlich komplexer als die ja auch nicht gerade sich geringschätzenden Münchner Krebs-Exzellenzforscher – aber hier nun einzelne Schlaglichter herauszustellen, kann eigentlich nur schief gehen: wir tun es trotzdem. Weil damit auch ein besonderes Finanzierung-Ereignis einherging, die Firma T-Knife. Mitten im letzten August verkündete diese Ausgründung des Berliner MDC eine Rekordfinanzierung von 66 Mio. EUR, rings um die spezielle T-Zell-Modifizierungstechnologie von Prof. Thomas Blankenstein. Interessant dort auch eine illustre Runde von internationalen Investoren (Versant Ventures, RA Capital Management, Andera Partners, Boehringer Ingelheim Venture Fund) die selbst über hohe Immun-Kompetenz im Management verfügen und damit dieses Investment auf den Radarschirm von vielen weiteren Beobachtern gehoben hatte. So kurz nur in Berlin? Ja die Reise muss heute noch zu Ende gehen, und darum in den ICE nach Hamburg, denn ohne einen Blick in die Räume des Biomarker-Pioniers Indivumed in der Hansestadt wäre das Bild kein vollständiges. Hier fließen mustergültig die vielen BigData der unterschiedlichsten omics-Technologien aus einem riesigen Bestand an Biomaterialien (vulgo für Gewebeproben, bzw. andersherum) koordiniert zu einer Analyse zusammen, die auch dem Entwicklungspartner auf der Pharma/Biotech-Seite ganz neue Erkenntnisse eröffnet. Nicht um sonst setzt sich Indivumed selbst mit dem eigenen Slogan gehörig unter Druck „The Solution for Precision Medicine“.

Zurück im Rheinland – ob mit oder ohne Jecken

Schlussspurt, auch weil man da so schön 3 „s“ nacheinander schreiben kann, und das alleine schon einmal für sehr, sehr schnell stehen dürfte: wir lassen wieder ganze Regionen, und Forschungshauptstädte und Spitzencluster und Exzellenz-Städte links und rechts am Streckenrand liegen, bzw. Regionen, die sich in jedem Falle selbst so sehen oder durchaus auch so gesehen werden dürften. Und schiffen wieder auf dem guten alten Vater Rhein ein, und landen schwupps in Düsseldorf. Eine der Hauptstädte der deutschen Biotech-Landschaft, als in Zeiten vor, na, Sie wissen schon, eine Hildener Qiagen das unangefochtene Flaggschiff der Branche gewesen ist und sich die Kapitalisierungsmilliarden noch nicht in Mainz anhäuften. Doch auch im benachbarten Essen tut sich etwas, wenn man nach den kleinen, feinen Dingen schaut: die Firma Abalos therapeutics etwa, mit einem beeindruckend-erfahrenen Managementteam beschäftigt sich mit der Anwendung ganz bestimmter RNA-Viren zur Krebsbekämpfung – nein, nicht die Viren, an die Sie jetzt vielleicht denken! Und neben der großen Firma in Hilden gibt es eine fast genauso große, weniger präsente Firma etwas weiter südlich in Bergisch-Gladbach, die Firma Miltenyi. Eine Firma mit dem Markenkern „Zell-Separation“, mittels Magnet-Technologie in jedem Labor heute üblich, und doch durch die zunehmenden Anwendungen der Zelltherapie bis hin zum Patienten in sehr viel größerer Breite im Einsatz als noch vor wenigen Jahren denkbar. Selbst bei der Impfstoffherstellung bei na, Sie wissen schon, haben die Miltenyi-Istas eine wichtige Rolle gespielt!

Und da wären wir, pünktlich zur Anbetung des Kölner Dreigestirns am Dom zu Köln oder wo auch immer man das (noch dazu als bekennender Faschings-, Karnevals,- Fastnachts…-Muffel) und wie man das auch in Zeiten von na, Sie wissen schon, auch macht – auch natürlich aus dem thematischen Grunde, das ernste Thema Krebsforschung zumindest mit einem kleinen Augenzwinkern beenden zu können. Und: Natürlich bei diesem Serienthema unbedingt in der Kölner Uniklinik und beispielsweise deren exzellenter Lungenkrebsforschung vorbeischauen. Hier wurden und werden Meilensteine der individualisierten Krebstherapie gesetzt.
Das war es nun mit dieser Rundreise, herzlichen Dank fürs Mitlesen und Durchhalten – und sorry, wenn Ihr Standort, Ihr wichtiger Ansatz nicht berücksichtigt wurde, es war eine zugegeben sehr subjektive Auswahl – beim nächsten Mal klappt es dann umso besser, wenn wir Ihre Hinweise entsprechend erhalten! Also: Follow us, and we follow you 😊

Über den Autor

Dr. Georg Kääb ist seit 1. Februar Redaktionsleiter der Plattform LifeSciences. Davor war er über 10 Jahre Manager Communications bei der Biotech-Netzwerkagentur BioM. Von der Ausbildung her Biologe waren die ersten Berufsstationen als freier Journalist bei u.a. Süddeutscher Zeitung sowie DIE ZEIT und dann ebenfalls ein gutes Jahrzehnt als Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift des Verbandes dt. Biologen, vdbiol.