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So eine sinngemäße Kurzzusammenfassung des brandneuen diesjährigen Biotechnologie-Reports von EY, der heute erschienen ist. Der jährliche EY-Report wurde dieses Jahr erstmals zusammen mit Bio Deutschland erstellt, kommentiert und der Presse vorgestellt.

Vorgeschickt werden muss, dass der Report eine Bestandsaufnahme des vergangenen Jahres darstellt, also Entwicklungen des ersten Quartals 2016 noch nicht enthalten sein können – wie etwa der Börsengang hier in Deutschland von BRAIN im Januar.

So hatte sich im letzten Jahr ein ziemlich Biotech-IPO-Boom (in den USA) etabliert, bei dem erheblich mehr frühphasige Wirkstoffforscher an die Börse gelangten denn je zuvor. Auch verschob sich der Schwerpunkt von der Onkologie hin zu Neurologie-Stories.

Kein Trigger, kein Funken
Der Vergleich Deutschland gegen USA fällt wie gewohnt nüchtern aus: Die IPO-Quote deutscher Biotech-Firmen liegt im Verhältnis zum Gesamtmarkt bei unter 1%, in den USA beträgt sie fast 5%. So gut die Börsen 2015 auch liefen, ein Triggereffekt blieb in Deutschland aus – der Funke sprang einfach nicht über.

Was könnte der Grund dafür sein? Dr. Siegfried Bialojan, langjähriger Leiter des EY Life Sciences Center in Mannheim, macht dafür die verfahrene Situation verschiedener Verantwortlicher in Deutschland ‚haftbar‘: „Gute Ideen und Ansätze gibt es sicherlich. Diese werden am Ende allerdings nicht konsequent genug weiterverfolgt oder gar in die Praxis umgesetzt“. Gemeint ist damit v.a. der Übergang von der wissenschaftlichen Forschung an den Universitäten in vermarktbare Produkte, die auch wirklich mal den Patienten erreichen.

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Deutschland, Deine Vorhaben
Problem: die deutsche Gründungskultur, und als Untermenge die besondere Schwierigkeit der Biotechnologie. „In Deutschland müssen Sie als Gründer einer Biotechnologie-Firma schon erst einmal einen einstelligen Millionenbetrag selbst mitbringen, denn praktisch niemand möchte ihr Vorhaben finanzieren. Und wenn Sie scheitern, sind Sie eigentlich weg vom Fenster.“

Anders als z.B. im IT-Sektor kann man ein Labor nicht einfach mit einem Smartphone, einer Steckdose und einer Internetseite ins Leben rufen, zieht Bialojan den amüsanten Vergleich.

Der Weg führe über eine veränderte Gründerkultur – durch VCs und PEs – über eine veränderte Aktienkultur zu, am Ende, Börsenerfolgen: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Ein langfristiges Projekt, ganz sicher, weiß Dr. Klaus Eichenberg, Geschäftsführer der Bio Region STERN zu urteilen.

Es muss mehr geben als Qiagen, Evotec und MorphoSys
Die erfolgreiche deutsche Biotech-Szene steht nun mal unter dem ‚Leuchtturm‘ erfolgreicher Aushängeschilder, namentlich Qiagen, Evotec und MorphoSys – diese drei Namen börsennotierter Biotechnologie-Titel fallen immer wieder in der Publikation, wenn es um Finanzierung, Verpartnern oder Deals geht.

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Das Fundament scheint da, aber erneut: der Funke auf den Nachwuchs, den Nachschub, der scheint von diesen Leuchttürmen nicht überzuspringen: „Deutschland ist einfach kein VC-Land“, moniert Eichenberg. Im Vergleich zu den USA sieht er den Faktor 10. Kleine Runden überwogen 2015 – „in der Breite ist das einfach zu wenig“, sind sich Eichenberg und Bialojan einig.

Ausblick: Verantwortung übernehmen!
Deutschland und seine Biotech-Branche könne und müsse mehr tun, Bialojan formuliert es vorsichtig als Frage: „Macht Deutschland genug aus dem vorhanden Potenzial diese Branche?“ Immerhin gehe es um die wirtschaftliche Verantwortung für die Entwicklung von Unternehmen, um eine auch volkswirtschaftliche Verantwortung für eine optimale Wertschöpfung und nicht zuletzt um eine ethische Verantwortung im Interesse von Patienten!

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