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Der aktuelle „Medizintechnik-Report 2015“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zeichnet ein eher düsteres Bild der deutschen Medizintechnik-Branche. Bei der Vorstellung des Reports kritisierte Siegfried Biajolan, Leiter Life Sciences bei EY, die geringe Verfügbarkeit von Wagniskapital in Deutschland. Auch gebe es zu wenige Börsengänge. Im Ringen um internationale Investoren hätten deutsche Unternehmen zudem häufig das Nachsehen gegenüber der Konkurrenz aus dem Ausland. Die Schwierigkeiten und Unterschiede deutscher Unternehmen im weltweiten Vergleich führten die Experten von EY auf die hierzulande vorherrschenden mittelständischen Strukturen zurück.

Insgesamt konnte die weltweite Medizintechnik-Branche im vergangenen Jahr ihre Umsätze um 2% auf 341,8 Mrd. USD steigern, so Biajolan. Parallel haben die Unternehmen durch Kreditaufnahmen und Börsengänge so viel Kapital eingeworben, wie nie zuvor.

Das Finanzierungsvolumen in dem im Juni endenden Zwölfmonatszeitraum lag demnach bei 49,8 Mrd. USD und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Getrieben wurde diese Entwicklung insbesondere durch die historisch niedrigen Zinsen, die vor allem reifere Unternehmen für umfangreiche Fremdkapitalfinanzierungen nutzen konnten. Das hat alleine das Volumen an Kreditaufnahmen von 19,8 Mrd. USD auf 40,8 Mrd. USD hochschnellen lassen.

Siegfried Bialojan gab angesichts der niedrigen einstelligen Wachstumszahlen seiner Sorge Ausdruck: „Innovationen, die wirklichen Durchbruch bringen, sind selten, dabei wären sie wichtige Wachstumstreiber. Weil organisches Wachstum so schwer ist, versuchen viele Medizintechnikunternehmen durch Übernahmen bereits erfolgreiche Produkte in ihr Portfolio zu holen. Deswegen bleibt der M&A-Markt auf einem sehr hohen Niveau“, so Bialojan.

Klaus Eichenberg, Geschäftsführer der BioRegio STERN Management GmbH, hob die Notwendigkeit hervor, neue Industriesegmente zu besetzen: „Die Biotechnologie eröffnet der Medizintechnikbranche neue Geschäftsfelder und die Automatisierung ermöglicht die effiziente Herstellung ihrer Innovationen. Um zukünftiges organisches Wachstum zu sichern, muss daher diese Branche Biotechnologie, IT und Engineering verstärkt integrieren.“

Insgesamt erfreulich zeigten sich die höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung: Diese stiegen weltweit um 6% auf 14,3 Mrd. USD. Damit sind die Mittel in dem Bereich seit 2009 jedes Jahr gestiegen. Das Tempo gaben wiederum Unternehmen in den USA vor mit einem Wachstum um 7%. In Europa waren es im Vergleich dazu lediglich 3%.

Die Mittel für Start-ups stagnieren dagegen seit Jahren unterhalb der Fünf-Milliarden-Dollar-Marke und gingen im untersuchten Zeitraum leicht um 2,45% auf 4,7 Mrd. USD zurück. Die Zahl irritiert, da aktuell weltweit über alle Industrien hinweg so viel Venture Capital wie nie zuvor zur Verfügung steht. So wurden im vergangenen Jahr industrieübergreifend 57 Mrd. USD an Venture Capital investiert. Dagegen konnte sich die Medizintechnikbranche im letzten Jahr nur noch knapp 6% vom Venture-Capital-Kuchen sichern. Seit dem Jahr 2009, als die Branche noch 12,7 Prozent verbuchen konnte, ist der Anteil Jahr für Jahr gefallen. „Investoren haben den Medizintechnikbereich nicht mehr so stark im Fokus und wenden sich wieder mehr dem zurzeit attraktiveren Biotech-Sektor zu. Sie bleiben zwar aktiv, erhöhen aber die Mittel nicht“, erklärte EY-Experte Bialojan.

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