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Im Jahr 2025 hat sich die Situation für die Biotechnologiebranche verändert: Von transatlantischen Schocks über den politischen Neubeginn in Berlin bis hin zu ambitionierten europäischen Strategieprogrammen. Der folgende Beitrag ordnet die Entwicklungen ein und zeigt, warum jetzt entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt werden müssen. Von Dr. Viola Bronsema

Das vergangene Jahr war für die Biotechnologie politisch und wirtschaftlich turbulent. Mit Donald Trumps erneuter Wahl und der darauffolgenden geopolitischen Disruption ab Januar 2025 entstand viel Unsicherheit, die auch die deutsche Biotech-Branche traf und trifft. Gleichzeitig führte das Ende der Ampel-Koalition zu einem politischen Neustart in Deutschland. Strategien wie die Zukunftsstrategie Forschung und Innovation oder die geplante Deutsche Agentur für Transfer und Innovation (DATI) wurden gestoppt.

Neuverteilung der Zuständigkeiten

Mit der neuen schwarz-roten Koalition wurden die Zuständigkeiten neu verteilt. Erfreulicherweise stärkt die neue Regierung in ihrem Regierungsvertrag die Biotechnologie stärker denn je: Darin steht, dass die Biotechnologie als Schlüsselindustrie gefördert werden soll. Auch der Bezug zur Agrar- und Industrietechnologie zeigt eine deutlich breitere Perspektive als früher. Dazu passt auch, dass es im Dezember gelungen ist, einen Kompromiss für die Novellierung des europäischen Gentechnikrechts zu finden, und zwar für die Zulassung von Pflanzen, die mit CRISPR/Cas und ähnlichen biotechnologischen Werkzeugen erzeugt werden. Der Einsatz dieser Methoden soll nun regulatorisch deutlich vereinfacht werden.

Mit der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) präsentierte Forschungsministerin Dorothee Bär nach nur 86 Tagen im Amt ein neues Leitdokument. Biotechnologie ist eine der sechs prioritären Schlüsseltechnologien für Deutschland. Allerdings fällt der finanzielle Anteil für die Branche anscheinend gering aus; der Großteil des vorgesehenen Budgets (18 Mrd. EUR stehen im Raum) geht wohl an KI und Fusionstechnologien. Für die Sichtbarkeit der Biotechnologie wäre allerdings ein stärkeres Signal wichtig. Dazu kommt, dass noch kein Geld geflossen ist, da, wie zu lesen war, Ende des Jahres immer noch eine Haushaltssperre für die Posten der HTAD in Kraft war.

Dynamik auf EU-Ebene

Auf EU-Ebene hat sich in den vergangenen Monaten viel getan. 2025 startete eine Vielzahl von Konsultationen, etwa zur Life-Sciences-Strategie, zur Bioökonomie-Strategie oder zum Biotech Act. Für die Life-Science-Strategie, die Europa bis 2030 an die Spitze der Innovation in den Biowissenschaften bringen soll, sind jährlich 10 Mrd. EUR vorgesehen. Die neue Bioökonomie-Strategie, kürzlich veröffentlicht, enthält wichtige Analysen und Vorhaben und fokussiert auch besonders auf die Biotechnologie. Die Umsetzung ist skizziert, es darf losgelegt werden. Der erste Teil des „Biotech-Gesetzes“ soll Mitte Dezember veröffentlicht werden und hauptsächlich auf Gesundheitsthemen fokussieren. Der zweite Teil soll die Breite der Anwendung der Plattformtechnologie Biotechnologie umfassen.

Der Draghi-Bericht brachte Schwung in europäische Investitionspläne. Die EU-Kommission schlägt mit dem neuen Europäischen Wettbewerbsfonds (ECF) ein großes Finanzierungsinstrument für strategische Technologien vor, darunter auch wieder die Biotechnologie. Für das nächste Forschungsrahmenprogramm FP10 sind bis zu 175 Mrd. EUR vorgesehen – deutlich mehr als im Vorgänger Horizon Europe.

USA im Rückwärtsgang – Chance für Europa und Deutschland?

In den USA herrscht hingegen Rückschritt: Forschungsförderung wird gekürzt, Behörden geschwächt und zentrale Programme zur Bioökonomie rückgängig gemacht. Strafzölle und die Preisregulierung für Medikamente erschweren zusätzlich das Geschäft. Viele sehen daher die EU in der Pflicht, Biotechnologie als Zukunftssektor gezielt zu stärken.

In Deutschland zeigt die BIO-Deutschland-Trendumfrage eine weitgehend gleichbleibende Stimmungslage im Vergleich zu den Vorjahren. Die Finanzierungslage der Branche hat sich zum Ende 2025 noch deutlich verbessert. Waren im ersten Halbjahr noch kaum 80 Mio. EUR Venture Kapital eingeworben, steuern wir zum Ende des Jahres wieder auf mehrere Hundert Mio. EUR zu. Allerdings kamen davon 344 Mio. EUR einem einzigen Unternehmen, nämlich Tubulis zugute.

Bioökonomie im Fokus

Die Bioökonomie ist zwar weiter im Fokus der deutschen Bundesregierung, die aktuell mit anderen EU-Ländern an einem „Important Project of Common European Interest (IPCEI)“ für die Biotechnologie mit Schwerpunkt auf der Bioproduktion arbeitet. Allerdings war auch zu lesen, dass die Bioökonomie vom Bundestag gekürzt wird. Für 2026 um zwei Mio. Euro (15%) beim Bundeswirtschaftsministerium und zwei Mio. EUR beim Bundesforschungsministerium. Das wird auch Auswirkungen auf die entsprechenden Förderprogramme haben. Es besteht aber die Chance, dass über das IPCEI Biotechnology weitere Mittel sowohl aus privaten als auch öffentlichen Budgets mobilisiert werden können.

Bekenntnisse und Handlungsdruck

Trotz politischer Bekenntnisse bleibt die praktische Lage vieler der BIO-Deutschland-Mitgliedsunternehmen schwierig. Angesichts globaler Krisen und zunehmender Konkurrenz ist es entscheidend, die Rahmenbedingungen für die Biotechnologie rasch zu verbessern – als zentrale Zukunftsindustrie Deutschlands und Europas. Wie sich die Rahmenbedingungen verändern müssen, werden wir auch auf den nächsten Deutschen Biotechnologietagen diskutieren, die am 21. und 22. April 2026 in Leipzig stattfinden werden.

Autor/Autorin

Dr Viola Bronsema
CEO, Secretary General at  | Website

Dr. Viola Bronsema ist Geschäftsführerin des BIO Deutschland e.V.