Plaziert werden 3,15 Mio. Inhaberstammaktien sowie ein Greenshoe von 315.000 Aktien. Die Aktien stammen bis auf 50.000 Aktien und den Greenshoe aus einer Kapitalerhöhung und unterliegen bis auf 100.000 Aktien einer 24monatigen Lock-up-Frist. Der Free Float beträgt nach voller Ausübung des Greenshoes rund 42 %. Das Konsortium wird von der GZ-Bank als Lead Manager und Sole Bookrunner angeführt, weitere Konsorten sind die Helaba und das Virtuelle Emissionshaus (VEM).

Die Camelot AG wurde 1996 als Betreiber von Call Centern gegründet und beschäftig heute 480 Mitarbeiter an 3 Standorten. Die Dienstleistungen des Unternehmens umfassen zunächst das klassische Call Center-Geschäft, also die Entgegennahme eingehender Kundenanrufe, sowie Telefonmarketing. Dieser Bereich generiert gegenwärtig noch ca. 80 % der Umsätze. Daneben ermöglicht die Call Center-Technologie von Camelot die Verknüpfung von sprach- und datenbasierten Informationen über das Internet sowie mobiler Kommunikationsmittel (m-Commerce) mit der telefonischen Beratung. So kann z.B. mit dem sogenannten synchronisierten Web Browsing dem Online User die Möglichkeit angeboten werden, telefonische Hilfe bei einem Agenten anzufordern.

Kunden von Camelot sind Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche wie o.tel.o, debitel und E-Plus, aus dem Direktbankensektor wie Advance Bank und Direkt Anlage Bank sowie Start-ups wie 12snap, Getmobile oder LetsBuyIt.com. Dabei generieren die fünf größten Kunden bereits 72 % der Umsätze. Größter Einzelkunde ist derzeit Premiere World mit einem Umsatzanteil von 25 %. Im Geschäftsjahr 1999 konnte ein Umsatz von 5,7 Mio. Euro erzielt werden, der sich in diesem Jahr auf 15,3 Mio. Euro fast verdreifachen soll. Das Ergebnis dürfte angesichts der Kosten des Börsengangs von ca. 3,3 Mio. Euro in diesem Jahr negativ ausfallen. Im Jahr 2001 ist bei einem Umsatz von 30,9 Mio. Euro ein Jahresüberschuß von 0,44 Euro je Aktie geplant.

Mit den Mitteln aus dem Börsengang soll zunächst das Standortnetz ausgebaut werden. So sind bis 2003 neben den Call Centern in München, Berlin und Krefeld weitere Standorte in Hamburg, Frankfurt, Hannover und Wien geplant. Daneben sollen die Geschäftsfelder erweitert und eine „aktive Konsolidierung“ des Call Center-Marktes, u.a. durch Akquisitionen, betrieben werden. Camelot beabsichtigt in diesem Zusammenhang eine Ausweitung des Marktanteils von derzeit ca. 5 bis 7 % auf bis zu 20 %. Daneben will sich das Unternehmen zum CRM-Full Service Provider weiterentwickeln und auf Basis der vorhandenen Kunden und Produktdaten weitere Dienstleistungen erbringen.

Camelot überzeugt durch die durchdachte Strategie und das breite Leistungsspektrum, das über das reine Call Center-Geschäft hinausgeht. Einziger bereits börsennotierter Mitbewerber im stark fragmentierten Markt für Call Center ist die d+s online AG, die ein 2001er KUV von 1,4 aufweist. Camelot wird am oberen Ende der Bookbuilding-Spanne zwar mit einem Umsatzmultiple von 2,5 bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2001 liegt bei moderaten 18 bis 22. Angesichts eines Marktwachstums für Call Center, das von Datamonitor auf über 30 % p.a. veranschlagt wird, ist dies nicht zu teuer. Allerdings fehlen den Münchnern eindeutige Alleinstellungsmerkmale, das Business Model ist kopierbar. Langfristige Anleger sollten die Aktie zeichnen.

Ausführliche Informationen finden Sie auch im GoingPublic Magazin 11/00, das am 21. Oktober erscheint.

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