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DIRK CornerInvestor Relations haben sich in den letzten Jahren auch in der Schweiz zum (Mikro-) Berufsfeld entwickelt mit insgesamt rund 250 Professionsangehörigen bei vor allem börsenkotierten Unternehmen. Die Professionalisierung der Finanzkommunikation wurde aktiv vom IR club Schweiz begleitet. Präsident Michel Gerber gibt im Gespräch mit Dr. Kristin Köhler, Center for Corporate Reporting, Einblicke in Aktivitäten und notwendige Professionalisierungsbemühungen.

CCR: Herr Gerber, der IR club Schweiz wurde 1992 von 17 Unternehmen gegründet. Was war Ihre Zielsetzung damals, welche verfolgen Sie heute mit Ihrer Verbandstätigkeit?

Gerber: Bei der Gründung des IR Club Schweiz, damals unter dem Namen Schweizerische Investor Relations Vereinigung (SIRV), war es deklarierte Idee, eine Interessensgemeinschaft von börsenkotierten Unternehmen zu sein – auf freiwilliger Basis und mit dem Anspruch, sich um den Investor-Relations-Beruf und dessen Anliegen einzusetzen. Diese Zielsetzung verfolgen wir auch heute noch, jedoch haben wir uns mit 80% der SMI-Firmen als Mitglieder zu einer aktiven Plattform entwickelt, welche es den Unternehmen erlaubt sich auszutauschen, Best Practice Beispiele kennenzulernen und vor allem auch innerhalb des Berufsfeldes wertvolle Kontakte zu knüpfen.

Es geht also schwerpunktmässig um den Austausch der Mitglieder untereinander. Können Sie konkrete Aktivitäten nennen, wie Sie das fördern?

Unsere regelmässigen Events sind eine Form des formellen wie auch informellen Austausches, um alle relevanten Aktualitäten für den IR-Berufsalltag zu kennen und keine Trends der Branche zu verpassen. So findet viermal jährlich eine Mitgliederveranstaltung mit Referenten zu aktuellen Themen statt. Dieses Jahr haben uns beispielsweise René Saner, Head Sales, und Michael Heider, Head Research, Bank am Bellevue, das Thema „‘IR-Broker-Asset Manager’ Interrelationship Revisted“ nähergebracht und Fredi Lienhardt, Big Data & Smart Analytics Centre Manager, Swiss Re, hat über „Big Data Today and Tomorrow – A perspective from a Reinsurer“ referiert und so Zukunftsperspektiven im Versicherungs- und Finanzgeschäft aufgezeigt. Weiterhin geplant ist im September eine Abendveranstaltung, in der Brunswick als Speaker das Thema „Insights from critical and strategic situations“ vorstellt, sowie unser traditionelle Chlaushöck im Dezember, der im Anschluss an die SIX Konferenz zum networking einlädt.

Was sind aktuell die Herausforderungen, denen sich IR-Manager in der Schweiz insbesondere stellen müssen?

Die aktuellen Themen sind, wie andernorts auch, die Debatte um Governance, Transparenz und Kommunikation auf freiwilliger Basis und damit die Anforderungen der Investoren in diesen Bereichen. Daher ist es stets von grosser Bedeutung, die aktuellen Trends am Kapitalmarkt zu verfolgen und so die Zielgruppen effektiv zu bedienen. Auch in der Schweiz haben IR-Abteilungen mit knappen Budgets zu kämpfen, die den Erfolgsnachweis der Kapitalmarktmassnahmen in den Vordergrund rücken. Wir haben in der Schweiz zwar noch wenig aktive Aktionäre, dennoch gewinnen insbesondere Stimmrechtsberater als neue Zielgruppe an Relevanz. Die Abstimmung bei Generalversammlungen, z.B. auch zur Managementvergütung, ist ein Thema. Hinzu kommt die zunehmende Regulierung in der Schweiz nach der Finanzkrise, Stichwort Finanzmarktregulierung, Minderinitiative und zusätzliche Corporate-Governance-Anforderungen. Seit Jahresbeginn müssen Unternehmen einen Lagebericht veröffentlichen. Zudem hat auch analog zur EU- Direktive zum Nachhaltigkeitsreporting der Schweizer Bundesrat einen Vorstoss gemacht. Der IR-Job wird damit noch stärker konformiert, Herausforderung für uns als IR-Manager ist es, dennoch unseren Investoren und Analysten darüber hinaus Services anzubieten.

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