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Ralf Frank, Geschäftsführer DVFA
Ralf Frank, Geschäftsführer DVFA

Am 19. Dezember 2014 hat die Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) zur Implementierung der MiFID II ihr finales Dokument veröffentlicht. Die MiFID II wird dem Sell-Side Research massive Änderungen bringen. So wird immer wieder  von Marktteilnehmern angenommen, dass die MiFID II im Bereich Research, das als Zuwendung definiert wird, dazu führen wird, dass die Coverage von Small und Mid Caps leiden wird, mithin Research-Kapazitäten von den Brokern zurückgefahren werden, da sie Research von kleinen und meist illiquideren Werten nicht mehr verkaufen können.  Die DVFA hat ihre Mitglieder zu den Auswirkungen von MiFID II auf die Coverage von Small- und Midcaps befragt. 

Es wird darum gehen, sich mit den nationalen Regulatoren in der Umsetzung darüber zu verständigen, welches akzeptable Umsetzungen der Verordnung sind, und wie sich effektive und effiziente Praktiken identifizieren lassen, die Asset Manager und Broker nicht unnötig, d.h. ohne einen Mehrwert zu stiften, belasten. Es ist zu spät, diesen regulatorischen Akt noch abwenden zu wollen.

Die Umfrageergebnisse

Auf die Frage, ob MiFID II dazu führen wird, dass sich die teilweise schon dünne Coverage von klein- und mittelständischen börsennotierten Unternehmen weiter reduzieren wird, äußerte die Hälfte der DVFA Investment Professionals, dass sich die Coverage eher verschlechtern wird (49,1%). Nur knapp 2% mehr (50,9%) (?) meinen, dass es zwar Veränderungen geben wird, dies aber auch eine Chance für neue Anbieter und andere Modelle wie zum Beispiel des vom Emittenten bezahlten Researchs darstellt.

Einen erstaunlichen Spiegel der ersten Frage bildet die Antwort auf die zweite Frage, ob Marktteilnehmer noch einmal versuchen sollten, konkrete Details der MiFID II insbesondere im Bereich der Zuwendungen/Research zu ändern. Knapp 51% meinen, dass nichts unversucht bleiben sollte, um die schädlichen Folgen der EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente MiFID II abzuwenden. Unabwendbar erscheint die neue Verordnung für rund 49% der Befragten, die sich gleichzeitig dafür aussprechen, rechtzeitig die Folgen auf das Research in den Fokus zu nehmen.

Kommentare der Befragten

Ein Befragter kommentierte, dass die veränderte Anforderung zu einem „besseren und unabhängigen Research“ führen könnte. Ein anderes DVFA-Mitglied meinte: Die Entwicklung „ist nicht zwingend schlecht. Entsprechend wird die Bedeutung von Buy-side-Research zunehmen. Selber denken hat ohnehin mehr Charme als der Konsum von Meinungen. Es gibt zwar eine Vielzahl von Anbietern für Bezahlmodelle, deren Qualität ist aber nicht immer vorteilhaft.“ Eine weitere Stimme äußerte: „Wenn „Research“ weitgehend unabhängig und relativ objektiv sein soll, darf es kein ‚direkt vergütetes‘ Research geben. Die sogenannten ‚neuen Modelle‘ laufen auf Augenwischerei und Vorspiegelung von Objektivität hinaus. Weniger Research bedeutet aber auch: Möglichkeit zur Alpha-Generierung durch diejenigen Anleger/Investoren, die sich intensiv mit den Investitionsobjekten beschäftigen. Broker aber werden ‚ökonomisch‘ agieren und dieses Small-Mid-Cap-Research einstellen.“

MiFID II kann dazu führen, dass die Coverage von Small und Mid Caps leiden wird, mithin Research-Kapazitäten von den Brokern zurückgefahren werden, da sie Research von kleinen und meist illiquideren Werten nicht mehr verkaufen können. Dennoch ergeben sich in einem fungiblen Markt Chancen für Sell-side Häuser, neue Anbieter und neue Geschäftsmodelle.

Infos zu MiFID II finden Sie auch im Veranstaltungsrückblick der DVFA-Konferenz 

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