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Werner Deggim, Vorstandsvorsitzender, Norma Group AG

Seit dem Börsengang im Frühjahr 2011 konnte die hessische Norma Group AG bereits mehrere Zukäufe vermelden. Zuletzt übernahm der Hersteller hochentwickelter Verbindungstechnik einen australischen Distributor. Vor allem im Ausland sieht sich Vorstandschef Werner Deggim weiterhin nach geeigneten Unternehmen um. Wir sprachen mit ihm über die Zeit seit dem Börsengang, die letzten Übernahmen und die weitere M&A-Strategie.

GoingPublic: Herr Deggim, Ihr Börsengang liegt nun inzwischen fast zwei Jahre zurück. Welches Resümee ziehen Sie über diese Zeit?
Deggim:
Für uns war dies zweifellos ein wichtiger Schritt, und zwar aus einer Reihe von Gründen: Zum einen bot sich damit die Chance, den Wachstumskurs zu beschleunigen und den notwendigen finanziellen Spielraum für eine weitere Expansion zu schaffen. Wir haben stets betont, dass wir sowohl organisch als auch mittels Akquisitionen wachsen möchten. Darüber hinaus können wir mit der Entwicklung des Unternehmens in dieser Zeit mehr als zufrieden sein. Es ist uns nicht nur gelungen, den Umsatz deutlich auszubauen und unsere Mitarbeiterzahl zu steigern, auch die Reichweite unserer Produkte hat sich seitdem wesentlich erhöht. Der Gang an die Börse war folglich absolut richtig und zielführend.

GoingPublic: Wie bewerten Sie die anstehende Aufnahme in den MDAX?
Deggim:
Mich freut die Aufnahme, ist sie doch eine Anerkennung für die in den letzten zwei Jahren von allen Mitarbeitern geleistete Arbeit. Die Börse honoriert damit die von uns verfolgte Wachstumsstrategie und die Nachhaltigkeit unseres Geschäftsmodells. Ich denke, dass sich mit der Mitgliedschaft im MDAX die Wahrnehmung der Norma Group am Kapitalmarkt insgesamt noch einmal verbessern dürfte und auch neue Investoren auf uns aufmerksam werden. Das zum Börsengang eingeworbene Vertrauen konnten wir inzwischen mit einer ansehnlichen Dividende und Kursgewinnen zurückzahlen.

GoingPublic: Wo lagen die größten Herausforderungen als börsennotiertes Unternehmen?
Deggim:
Natürlich mussten wir als seinerzeit recht unbekanntes Unternehmen erst einmal Vertrauen aufbauen. Viele Investoren wussten mit unserem Geschäftsmodell und dem Bereich der hochentwickelten Verbindungstechnik wenig anzufangen. Gleichzeitig galt es, die Nachhaltigkeit unserer Margen und der von uns prognostizierten Wachstumsschritte unter Beweis zu stellen. Beides ist uns, so denke ich, gelungen.

GoingPublic: Und aus operativer Sicht?
Deggim:
Übernahmen waren und sind Teil unseres Geschäftsmodells. In diesem Zusammenhang war es wichtig, auch die Integration der Zukäufe sauber durchzuführen. Oftmals ergeben sich gerade hierbei Probleme, die den Erfolg einer solchen Expansionsstrategie gefährden können. Daneben wollten wir operativ stärker als der Markt wachsen, was uns bislang jedes Jahr gelungen ist. Dabei zahlte sich die Ausrichtung an bestimmten Megatrends wie strengeren Emissionsvorschriften und einem höheren Umweltbewusstsein aus. Schließlich besaß die Sicherstellung unserer Profitabilität eine hohe Priorität.

GoingPublic: Vergangenes Jahr haben Sie gleich drei Zukäufe abschließen können. Welche unternehmerische Logik steckte hinter diesen Übernahmen?
Deggim:
Mit der Übernahme der Schweizer Connectors Verbindungstechnik erhielten wir Zugang zu einem für uns neuen Markt. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Verbindungssysteme für die Pharmazeutik und Biotechnologie. Im Fall der italienischen Nordic Metalblok konnten wir unser Sortiment um Produkte für die Heizungs-, Lüftungs- und Klimaindustrie erweitern. Der dritte Zukauf steht zugleich für unsere erste Akquisition in Asien: Mit Chien Jin Plastic haben wir einen Spezialisten für den Infrastrukturbereich und das Wassermanagement eingekauft.

GoingPublic: Was hat es mit Ihrer jüngsten Akquisition, der australischen Davydick & Co., auf sich?
Deggim:
Das Unternehmen vertreibt Pumpen und Ventile für die Wasserwirtschaft, was sich mit unserer Übernahme in Malaysia ideal ergänzt. Da wir überdies unser Produktangebot erweitern und weiße Flecken auf der Landkarte schließen können, sind gleich mehrere Ziele unserer Akquisitionsstrategie erfüllt. Über den Kauf eines Distributors wie Davydick sind wir zudem näher am Kunden. Auch unser Bestreben, den Markt für hochentwickelte Verbindungstechnik weiter konsolidieren zu wollen, spielte in die Entscheidung hinein.

Hauptsitz der Norma Group AG in Maintal, Foto: Norma Group AG

GoingPublic: Sie schauen also immer weiter in die Ferne?
Deggim:
Wachstumsregionen sind auch für uns die BRIC-Staaten, Südamerika, Osteuropa und Asien. Während sich Europa weiterhin volatil und uneinheitlich entwickeln dürfte, sehen wir in diesen Ländern eine ungebrochene Dynamik. Hierzu passt unser Vorhaben, eventuell schon dieses Jahr einen eigenen Produktionsstandort in Brasilien aufzubauen. Damit würden wir unser Engagement in einer wichtigen Wachstumsregion signifikant ausbauen.

GoingPublic: Ist Ihr Übernahmehunger damit vorerst gestillt oder planen Sie schon die nächsten Zukäufe?
Deggim:
Die Marschrichtung unserer M&A-Bemühungen ist klar: Wir stellen uns auf weitere Zukäufe ein, wobei sich diese zeitlich nicht immer genau planen lassen, da wir teilweise auch opportunistisch vorgehen. In vielen Fällen kommt es auch zu eher langen Verhandlungen mit den Eigentümern, die sicher sein wollen, dass ihr Unternehmen bei uns in guten Händen ist. Dabei hilft es uns, dass wir in den letzten Jahren eine sehr erfolgreiche Übernahmehistorie aufbauen konnten. Oftmals haben wir es hier mit eher regional tätigen Firmen zu tun, die durch die Einbindung in unser globales Netzwerk einen Wachstumsschub erfahren.

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