Begründung von Wahlvorschlägen gegenüber der Hauptversammlung

Die Experten der Vereinigungen sind sich darüber einig, dass bei den Wahlvorschlägen an die Hauptversammlung unter anderem eine festzulegende Altersgrenze sowie eine Regelgrenze für die Zugehörigkeitsdauer zum Aufsichtsrat berücksichtigt werden sollte.

Einführung einer gestaffelten Aufsichtsratswahl („staggered board“)

Identische Wahl- oder Wiederwahltermine aller oder eines großen Teils der Aufsichtsratsmitglieder können nach Ansicht der Vereinigungen die Fähigkeit des Gremiums, sich flexibel auf veränderte Marktbedingungen einzustellen, deutlich einschränken. Um dem entgegenzuwirken, und um die Arbeit bei Neubesetzungen möglichst reibungslos fortzusetzen, kann eine gestaffelte Wahl der Aufsichtsräte („staggered board“) sinnvoll sein. Dies ermöglicht zudem die notwendige Kontinuität im Gremium.

Fortbildungsmaßnahmen von Aufsichtsräten

Die Identifikation eines vorhandenen Fortbildungsbedarfs ergibt sich häufig aus dem regelmäßigen Profilvergleich. Unternehmen sollten den Aufsichtsrat bei erforderlichen Weiterbildungsmaßnahmen unterstützen, beispielsweise durch interne Seminare oder Werksbesuche. Erfahrungsgemäß ist es sinnvoll, neuen Aufsichtsratsmitgliedern bei der Aufnahme ihres Mandats Unterstützung anzubieten (Onboarding).

Bereitstellung von Informationen über Aufsichtsratsmitglieder

Um Investoren und andere Stakeholder auf dem Laufenden zu halten, sollten die Unternehmen entsprechende Informationen über die Mitglieder des Aufsichtsrats an einer geeigneten Stelle auf der Website zur Verfügung stellen: z.B. Lebenslauf, Mandatsdauer, Alter, wesentliche Tätigkeiten, Mitgliedschaft in Ausschüssen, Klassifizierung als abhängig oder unabhängig, Kompetenzmatrix.

Zentrale Aspekte

In einer konzertierten Aktion haben die führenden Aufsichtsrats-Vereinigungen für die Arbeit von Aufsichtsräten einen Praxisleitfadenerarbeitet, der Aufsichtsräte unterstützen soll, neue Anforderungen der Corporate-Governance-Kommission zu erfüllen. Zentrale Aspekte des Leitfadens sind:

  • Implementierung eines systematischen Besetzungsprozesses auf Basis konkreter Kompetenzprofile
  • Fortlaufende Überprüfung der notwendigen Kompetenzen und Fortbildung
  • Rechtzeitige Nachfolgeplanung
  • Transparenz der Besetzungsprozesse gegenüber Aktionären und sonstigen Stakeholdern

Vita

Volker Potthoff, Vorstandsvorsitzender von ArMiD, verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung am internationalen Finanzmarkt: So war er z.B. bei White & Case und der BHF-Bank tätig. Seit 2000 war er Mitglied des Vorstands bei der Deutschen Börse AG und führte den Börsenbetreiber dort u.a. an den Kapitalmarkt. Später verantwortete er als Vorstand der Clearstream International in Luxemburg das Wertpapierverwahr- und Bankgeschäft der Gruppe. Zwischen 2006 und 2017 war Potthoff als Counsel bei der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle tätig. Er wirkte als Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex in den Jahren 2002 bis 2006 bei der Schaffung des Deutschen Corporate Governance Kodex mit.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.