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Niedriger Euro, niedrige Zinsen, billiges Fremdkapital – ein Eldorado für den M&A-Markt? Ja, aber mit Abstrichen, warnt Dr. Michael Drill, Vorstandsvorsitzender von Marktführer Lincoln International. Denn nicht zuletzt auch die Firmenwertvorstellungen bei Verkäufern klettern spürbar, während Börsenindizes neue Höchststände erklimmen. Und: Wo eigentlich den Verkaufserlös dann wieder profitabel re-investieren?

Dr. Michael Drill erwartet eine spürbare Belebung der M&A-Aktivität im kommenden Jahr
Dr. Michael Drill erwartet eine spürbare Belebung der M&A-Aktivität im kommenden Jahr

GoingPublic: Herr Dr. Drill, wie würden Sie das vergangene Jahr unter M&A-Gesichtspunkten einordnen – lau, normal, gut? Was tat sich, international gesehen?
Drill: 2014 war insgesamt ein guter M&A-Jahrgang für deutsche Unternehmen, finanzierende Banken und Finanzinvestoren sowie für unsere M&A-Beratungszunft. Im vergangenen Jahr zeigte sich der Markt für Fusionen und Übernahmen deutlich lebendiger als in den Vorjahren. Eine anhaltend starke Konjunktur und ein freundliches Kapitalmarktumfeld begünstigten diese Entwicklung. Die Zahl der Deals mit deutscher Beteiligung stieg um 15% auf ca. 1.450, und großvolumige Transaktionen im zweistelligen Milliarden-Bereich sowie hohe Kaufpreise prägten das Geschehen. Allen voran waren es unsere Blue- Chip-Unternehmen wie Bayer, Merck oder SAP, die mit riesigen Akquisitionen in den USA für Furore sorgten. Umgekehrt gab es aber es zahlreiche Übernahmen mittelgroßer deutscher Unternehmen durch ausländische Strategen. Ein typisches Beispiel hierfür, das es in der Wirtschaftspresse nicht unbedingt auf die Titelseite geschafft hat, ist etwa der von uns begleitete Verkauf des Thermokannenherstellers alfi an die japanische Thermos-Gruppe. Trotz der klaren Dominanz der strategischen Käufer in 2014 ist es Finanzinvestoren dennoch in etwa 100 Fällen gelungen, sich im Rahmen von Management Buy-outs die Kontrolle von margenstarken Unternehmen ab einer Größenordnung von 30 bis 50 Mio. EUR Umsatz zu sichern.

GoingPublic: Der Euro wurde zuletzt schwächer gegenüber praktisch sämtlichen Währungen. Bedeutet das, dass Europa damit vermehrt auf den Einkaufslisten von Asien und USA auftaucht?
Drill: Der jüngste erneute Einbruch des Euros gegenüber dem Dollar, dem Yen oder dem Yuan wird sicherlich dazu beitragen, dass Ausländer sich derzeit leichter tun, Akquisitionsvorhaben in Europa und insbesondere auch in Deutschland voranzutreiben und umzusetzen. Entscheidend für Übernahmen ist aber nach wie vor die industrielle Logik eines Zusammenschlusses. Von daher sollte man die derzeitige Euro-Schwäche als Treiber für M&A nicht allzu sehr überbewerten.

GoingPublic: Sicherlich muss man auch nach Unternehmensgrößen unterscheiden. KMUs sind weniger international unterwegs, merken also weniger vom schwachen Euro. Sonderkonjunktur für „MGUs“ demnach?
Drill: In der Tat profitieren hierzulande die mittelgroßen Unternehmen und global aufgestellten Konzerne, die ihre Produkte in stärkerem Maße auch in Amerika und Asien vertreiben, vom niedrigen Euro. Entsprechend gehe ich davon aus, dass sich der Abwärtstrend der europäischen Währung und der konjunkturelle Aufwärtstrend unserer stark exportorientierten deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr fortsetzen werden. Im Ergebnis werden viele Unternehmen, die einen signifikanten Anteil ihrer Umsätze in Dollar fakturieren, im Geschäftsjahr 2015 ihr Budget übertreffen können, was wiederum Unternehmensverkäufe zu attraktiven Konditionen erheblich vereinfacht.

M&A-Transaktionen in der Europäischen Union
M&A-Transaktionen in der Europäischen Union. Quelle: Baker & Mc Kenzie 

GoingPublic: Der niedrige Zins tut sein Übriges zur Gemengelage. Gab es eine solche Ausgangslage historisch gesehen schon und was hieß das für M&A?
Drill: Das derzeit einmalig niedrige Zinsniveau ist sicherlich ein ganz entscheidender Katalysator für Fusionen und Übernahmen. Soweit ich informiert bin, konnten sich Unternehmen und Finanzinvestoren noch nie so günstig Fremdkapital für Firmenkäufe beschaffen wie heute. Umgekehrt gehen mit den niedrigen Zinsen aber auch Höchststände an den Aktienbörsen und hohe Unternehmenswertvorstellungen von veräußerungswilligen Firmeneigentümern einher. Vielen Familiengesellschaftern, mit denen wir in diesen Monaten hinsichtlich des Verkaufs ihres Unternehmens im Dialog stehen, fehlt es zudem an Phantasie, wie sie die potentiell hohen Verkaufserlöse vermögenssichernd wieder anlegen könnten. Unter dem Strich ist das aktuelle Wirtschafts- und Kapitalmarktumfeld aber dennoch positiv für Unternehmensverkäufer; von daher erwarten wir im laufenden Jahr eine spürbare Belebung der M&A-Aktivität.

GoingPublic: Aus Ihrer Erfahrung heraus, welche internationalen Kulturen passen gar nicht zusammen unter M&A-Gesichtspunkten?
Drill: Wenn bei einem grenzüberschreitenden Deal alle involvierten Parteien, in welcher Form auch immer, profitieren, dann sind Managementteams erfahrungsgemäß bestens in der Lage, mit Gegenübern aus völlig anderen Kulturkreisen zurechtzukommen. Selbstverständlich müssen deutsche Manager aber hierfür bereit sein, sich im Vorfeld einer Transaktion hinsichtlich der Gepflogenheiten, Werte und Verhaltensmuster der ausländischen Vertragspartei intensiv auseinanderzusetzen. Dies gilt insbesondere bei Transaktionen mit Asiaten. Letztlich ähnelt die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Kulturen einer Ehe: Entweder wachsen die Einheiten zusammen, oder sie driften auseinander. Das Zusammenführen der Einheiten ist ein behutsamer Prozess, der Zeit, Geduld, Verständnis und gegenseitigen Respekt erfordert.

GoingPublic: Herr Dr. Drill, wie gewohnt, herzlichen Dank für Ihre Insights!

Das Interview führte Falko Bozicevic.

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